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Blau-Weiss Luzern zerlegt Bern - ein Lehrstück in Effizienz und Flügelspiel

Es war einer dieser Abende im Stadion Wankdorf, an denen man sich fragt, ob Fußball wirklich gerecht ist. 32.000 Zuschauer sahen am 24. Spieltag der 1. Liga Schweiz, wie Gelb-Schwarz Bern mit 0:4 gegen Blau-Weiss Luzern unterging - und das, obwohl die Berner 58 Prozent Ballbesitz hatten. Aber während die Hausherren den Ball zärtlich von einem Gelben zum nächsten schoben, konterten die Luzerner mit chirurgischer Präzision.

Schon nach 15 Minuten setzte Robert Mantovani das erste Ausrufezeichen. Nach einem Steilpass von Daniel Barros stand er plötzlich allein vor Keeper Vilmos Koplarovics - und schob so cool ein, als würde er beim Training auf dem Pausenhof treffen. "Ich hab nur gesehen, dass der Torwart leicht nach rechts zuckte - das war mein Moment", grinste Mantovani später.

Bern wirkte beeindruckt, aber nicht geschlagen. Vor allem die beiden 17-jährigen Sturmhoffnungen Pierre Unger und Knud Noll liefen unermüdlich an, doch ihre Versuche aus der Distanz landeten mal in den Armen des Luzerner Keepers, mal im Oberrang. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Luzern-Trainer Reinhard Wild. "Ruhig, aber tödlich - wie ein Kaiman im Flachwasser."

In der 42. Minute dann der nächste Schlag: Wieder Mantovani, diesmal nach Vorlage von Diego Giuliani. Ein trockener Schuss aus 14 Metern, Koplarovics war chancenlos. Das 0:2 zur Pause war schmeichelhaft - für Bern.

Trainer Joseph Weber versuchte es in der Kabine mit Motivationskunst. "Ich habe gesagt: Jungs, den Ball haben wir schon, jetzt brauchen wir noch die Tore." Gelacht hat später allerdings nur Luzern. Denn kaum fünf Minuten nach Wiederanpfiff war Robert Locklear zur Stelle. Giuliani hatte sich auf rechts durchgetankt, flankte butterweich, und Locklear köpfte zum 0:3 ein. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch - wenn das Lehrbuch von Reinhard Wild geschrieben wäre.

Luzern blieb bissig, trotz komfortabler Führung. Marcel Benveniste kassierte in der 61. Minute die einzige Gelbe Karte der Partie, nachdem er Berns Corey Duff unsanft stoppte. "Ball gespielt!", brüllte Benveniste, während der Ball zu dem Zeitpunkt längst im Aus lag.

Bern kämpfte weiter, erarbeitete sich Chancen - sieben Torschüsse insgesamt, aber keiner fand den Weg ins Netz. Pierre Unger hatte gleich zweimal die Möglichkeit, in der 56. und 58. Minute, doch Torhüter Robert Siebert, 19 Jahre jung, hielt die Null mit jugendlicher Unbekümmertheit. "Ich dachte gar nicht nach - einfach Körper dazwischen", sagte er hinterher und grinste, als hätte er gerade sein Abitur bestanden.

Als der Schlusspfiff näher rückte, legte Luzern noch einmal nach - weil sie’s konnten. In der 90. Minute flankte der eingewechselte Piotr Chawanow von rechts, Roger Römer kam angerauscht und drosch den Ball humorlos zum 0:4 ins Netz. Der Jubel war laut, der Schock in Bern noch lauter.

Statistisch gesehen war’s paradox: Bern dominierte das Spiel (fast 59 Prozent Ballbesitz), Luzern dominierte das Ergebnis. 16 Torschüsse der Gäste, sieben der Hausherren - eine Lehrstunde in Sachen Effizienz. "Wir haben heute gezeigt, dass man kein Philosoph sein muss, um Tore zu schießen", kommentierte Trainer Wild trocken.

Coach Weber hingegen wirkte nach der Partie wie ein Mann, dem man gerade den Autoschlüssel ins Gully geworfen hat. "Ich habe meiner Mannschaft gesagt, dass man aus Fehlern lernt. Heute haben wir sehr viel Lernstoff gesammelt."

Und so endete ein Abend, der in Bern wohl noch lange nachhallen wird. Die Fans pfiffen, aber nicht aus Wut - eher aus Fassungslosigkeit. Es war, als hätten sie ein Theaterstück gesehen, in dem ihre Helden vergessen hatten, dass es um Fußball geht.

Blau-Weiss Luzern hingegen verabschiedete sich mit Applaus und breitem Grinsen in die Nacht. 4:0 auswärts, vier verschiedene Vorlagengeber, und ein Mantovani, der aussah, als würde er lieber gleich weiterspielen.

Vielleicht war’s nicht nur ein Sieg, sondern ein Statement: Wer so konsequent Flügel nutzt und mit langen Bällen operiert, braucht keinen Ballbesitz - nur Zielwasser.

Oder, wie Mantovani es mit einem Augenzwinkern sagte: "Manchmal ist der Ball eben am liebsten bei denen, die ihn ins Tor schießen."

23.10.643987 22:34
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