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37306 Zuschauer im ausverkauften Stadion an der Luzerner Allmend sahen am Freitagabend ein Spiel, das sinnbildlich für den Fußball war: dominieren, rennen, schießen - und dann doch nur 1:1 gegen Nordstern Basel. Trainer Reinhard Wilds Team hatte das Spiel zu jeder Zeit im Griff, aber am Ende lachte der Gegner leise in sich hinein. Schon nach einer Minute zappelte das Netz fast - Finn Hase prüfte Nordsterns Keeper Herold Ganesvoort mit einem satten Linksschuss. Es war der Auftakt zu einem Schussfestival, das Luzern mit 20 Abschlüssen zu drei (!) für Basel für sich entschied. Nur: Im Fußball zählt nicht die Zahl der Versuche, sondern die, die reingehen. "Ich habe irgendwann aufgehört, mitzuzählen", sagte Luzerns Stürmer Robert Mantovani später. "Wir hätten das Spiel dreimal gewinnen müssen. Aber irgendwie war das Tor heute verhext oder der Ball zu rund." Trainer Wild ergänzte mit trockenem Humor: "Wenn’s auf Schönheit Punkte gäbe, hätten wir heute drei davon." Taktisch begann Luzern wie angekündigt - offensiv, über die Flügel, mit kurzen Pässen. Alles sah nach einem Abend der klaren Verhältnisse aus. Nordstern Basel hingegen wirkte zunächst wie ein Team, das den Bus nicht vor, sondern direkt ins Tor geparkt hatte. Der frühe Gelbe Karton für Oskar Michaud in Minute zwei passte ins Bild: viel Einsatz, wenig Linie. Doch je länger das Spiel dauerte, desto deutlicher zeigte sich, dass Basels Trainer Ti Wei sein Team perfekt auf Konter eingestellt hatte. Nach 58 Minuten traf der 19-jährige Roger Holz nach einem blitzsauberen Pass von Imre Sebes zur überraschenden Führung. Ein Angriff, so schnörkellos wie effizient - und plötzlich stand Luzern da wie ein Boxer, der merkt, dass Schönheit allein keinen Kampf gewinnt. Das Publikum tobte, einige rieben sich ungläubig die Augen. "Wir haben uns kurz geschüttelt", erzählte Verteidiger Pierre Gramont später. "Und dann haben wir einfach weitergemacht. Was willst du sonst tun?" Gramont selbst sorgte wenig später für Gelb - aus Frust, wie er ehrlich zugab. Trainer Wild reagierte: Innenverteidiger Stock raus, Benveniste rein, später dann der 17-jährige Henri Diarra für Roger Römer. Und dieser Wechsel sollte sich lohnen. Der Jungspund, kaum auf dem Platz, traf in der 79. Minute nach feiner Vorarbeit von Robert Locklear zum 1:1. Ein Schuss, so präzise wie kühl - und der Moment, in dem 37.000 Menschen gleichzeitig aufsprangen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Diarra nach dem Spiel. "Robert meinte vorher: ’Mach’s einfach - denk nicht nach.’ Und ich hab gehorcht." Trainer Wild nickte stolz: "Er ist 17, aber hat Nerven wie ein alter Hase. Vielleicht sogar wie unser Finn." Danach drückten die Luzerner weiter, als ginge es um die Meisterschaft. Mantovani hatte drei weitere Chancen (61., 66., 70.), Hougaard prüfte den Torhüter in der 89. Minute - doch Ganesvoort wuchs über sich hinaus. "Ich hab ihn irgendwann gefragt, ob er Magneten in den Handschuhen hat", flachste Locklear. Basel verteidigte mit allem, was Beine hatte. Sebes und Holz setzten noch ein, zwei Nadelstiche, aber es blieb beim 1:1. Die Gäste jubelten wie Sieger, die Gastgeber schauten fassungslos auf die Anzeigetafel. Statistisch gesehen war alles klar: 57,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Luzern, fast doppelt so viele Schüsse, mehr Tempo, mehr Ideen. Nur eben nicht mehr Tore. "Das ist Fußball in seiner reinsten Form", meinte Nordsterns Trainer Ti Wei mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Glück und Erleichterung lag. "Wir hatten drei Chancen, ein Tor - das reicht manchmal." Luzerns Fans spendeten am Ende trotzdem Applaus. Vielleicht auch, weil sie wussten, dass es solche Spiele braucht, damit man Siege später erst richtig schätzt. Und weil ein 17-Jähriger gezeigt hat, dass Mut manchmal mehr zählt als Erfahrung. Reinhard Wild verabschiedete sich mit einem Satz, der hängen blieb: "Ich sag’s mal so - wenn wir nächste Woche wieder so spielen, aber treffen, dann wird das Ergebnis auch wieder zum Spiel passen." Vielleicht. Aber bis dahin werden in Luzern noch viele den Kopf schütteln über ein 1:1, das sich anfühlt wie eine kleine Niederlage - und für Basel wie ein Lottogewinn. 26.09.643993 06:45 |
Sprücheklopfer
Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, das mit Fußball zu tun hat.
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