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Blau-Weiss Luzern verzockt sich - Altstetten dreht 1:4 in eine Fußball-Fabel

Es war ein Abend, an dem 37.378 Zuschauer im Luzerner Stadion mehr erlebt haben, als sie vermutlich verkraften konnten. Eine Partie, die als souveräner Heimsieg begann, endete in einer Lehrstunde darüber, dass Fußball manchmal schlicht ein schlechter Witz des Schicksals ist. Blau-Weiss Luzern verlor mit 4:5 gegen den FC Altstetten - nach einer 3:1-Führung zur Pause.

Dabei schien lange alles nach Plan zu laufen. Robert Mantovani, der Mittelstürmer mit der Statur eines Betonmischers und dem Torriecher eines Trüffelschweins, traf gleich dreimal (40., 42., 53.) und ließ Trainer Reinhard Wild auf der Bank lässig wirken. Davor hatte Roger Römer (35.) das 1:1 erzielt, nachdem Martin Auch (31.) Altstetten zunächst in Führung gebracht hatte. Zur Halbzeit stand es 3:1 - und niemand im weiten Rund zweifelte daran, dass Luzern den fünften Spieltag der 1. Liga Schweiz mit einem Dreier beenden würde.

"Ich hab in der Kabine gesagt: Lasst uns einfach weitermachen wie bisher", erzählte Wild später. "Offenbar haben sie mich zu wörtlich genommen - sie haben einfach weitergemacht, nur ohne Verteidigen."

Denn was dann geschah, gehört in jedes Lehrbuch über kollektiven Blackout. Zuerst flog Rechtsverteidiger Jan Born mit Gelb-Rot vom Platz (58.), nachdem er bereits in der 12. Minute verwarnt worden war. "Ich wollte nur zeigen, dass ich präsent bin", sagte Born später kleinlaut. "Leider war ich dann etwas zu präsent."

Mit einem Mann weniger verlor Luzern komplett den Zugriff. Timo Letourneur (67.) eröffnete den Altstettener Sturmlauf, Valerio Montepaone (72.) glich aus, Frank Matthieu (73.) legte das 4:4 nach - und als ob das noch nicht genug Drama gewesen wäre, traf Guy Dumont (75.) tatsächlich zum 4:5. Fünf Tore auswärts, nach 1:4-Rückstand! Trainer Simon Baudach stand an der Seitenlinie, ballte die Faust und grinste: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben. Ich wusste nicht, dass sie mich so ernst nehmen."

Statistisch gesehen hätte es Luzern gar nicht so weit kommen lassen müssen. 17 Schüsse aufs Tor zu 13, dazu fast identischer Zweikampferfolg (51,5 % zu 48,5 %) - doch Ballbesitz (46,5 %) und Disziplin fehlten. Altstetten spielte schnörkellos, mit langen Pässen, Wucht und einem Hauch Wahnsinn. Baudachs Mannschaft wirkte, als hätte man ihnen in der Kabine Red Bull intravenös verabreicht.

Mantovani, Luzerns dreifacher Torschütze, stand nach Abpfiff ratlos im Mittelkreis. "Ich hab drei Tore gemacht und trotzdem verloren. Das fühlt sich an wie Lotto spielen - alle Zahlen richtig, aber der Schein ist abgelaufen." Neben ihm trottete Torwart Lasse Rauch, der bei den letzten Treffern keine gute Figur machte. "Ich hab die Sonne im Auge gehabt", murmelte er - was bei einem Flutlichtspiel um 20:30 Uhr zumindest für Lacher in der Mixed Zone sorgte.

Auch Trainer Wild nahm es mit Galgenhumor: "Ich bin jetzt 25 Jahre im Geschäft, aber so was? Das ist neu. Vielleicht sollte ich mal die Pausenansprache von Baudach anfordern."

Der Altstettener Coach indes genoss die Ovationen der mitgereisten Fans. "Wir haben nie aufgehört, an uns zu glauben", sagte er, während seine Spieler sich gegenseitig mit Wasserflaschen übergossen. "Und vielleicht hat uns geholfen, dass Luzern dachte, das Spiel sei schon vorbei."

In der 90. Minute hatte Dumont sogar noch die Chance auf das sechste Tor, scheiterte aber an Rauch - der damit wenigstens ein bisschen Wiedergutmachung betrieb. "Wenn du fünf kassierst, ist jeder gehaltene Ball wie ein kleiner Sieg", meinte der Keeper später.

Der Rest war Jubel in Rot und Niedergeschlagenheit in Blau-Weiss. 4:5 - ein Ergebnis, das nach Handball klingt und keinem Verteidiger gefällt. Für Luzern bedeutet dieser Kollaps eine schmerzhafte Erinnerung daran, dass Offensivlust ohne Restverteidigung selten gut ausgeht. Für Altstetten dagegen ist es ein Triumph, der in die Vereinschronik eingehen dürfte.

Oder wie es Frank Matthieu, der 19-jährige Torschütze zum 4:4, formulierte: "Ich bin gestern noch mit dem Zug hergefahren. Heute fahre ich mit Legendenstatus zurück."

Und über den Platz wehte am Ende ein Wind, der nach Fassungslosigkeit roch - und ein bisschen nach dem süßen Duft eines Fußballwunders.

Schlusswort: Wenn das Spiel ein Film gewesen wäre, hätte man es "Die Rache der Unterlegenen" genannt. Nur dass diesmal das Drehbuch keiner schreiben musste - der Fußball selbst hat es geliefert.

27.12.643993 22:40
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Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
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