Sport-Blick
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Blau-Weiss Luzern verpasst Sieg - Brugg klaut Punkt in der Ferne

Es war einer dieser Abende, an denen das Stadion schon vor dem Anpfiff vibrierte. 48.177 Zuschauer drängten sich in die Ränge, die Fackeln glühten blau-weiß - und Reinhard Wild stapfte mit verschränkten Armen an der Seitenlinie entlang, als müsse er gleich selbst die ersten Bälle klären. 20:30 Uhr, Flutlicht an, 24. Spieltag der 1. Liga Schweiz: Blau-Weiss Luzern gegen FC Brugg. Am Ende stand ein 1:1, das beiden nicht so recht schmecken wollte - und doch irgendwie passte.

Die erste Halbzeit war ein Geduldsspiel, wie es Schachspieler lieben und Zuschauer hassen. Luzern, laut Statistik mit 43 Prozent Ballbesitz, aber 17 Torschüssen, spielte den langen Ball wie aus dem Lehrbuch "Kick and Hope". Brugg dagegen mit 57 Prozent Ballbesitz und der ruhigeren Kugel - aber ohne den Killerinstinkt. Die ersten Chancen kamen früh: Cristian Morabito prüfte Luzerns Keeper Lasse Rauch in der 6. Minute mit einem Distanzschuss, und prompt brüllte Wild von der Linie: "So fängt man keine Bälle, Lasse - man frisst sie!" Rauch grinste unter seinen Handschuhen.

Luzern antwortete mit jugendlichem Ungestüm: Finn Hase, der flinke Linksfuß, zog in der 18. Minute flach ab - gehalten. Robert Mantovani köpfte aus kurzer Distanz (33.) - vorbei. Und als Pierre Gramont, der betagte Rechtsverteidiger, in der 43. Minute selbst den Abschluss suchte, hielt der Gästeblock kurz den Atem an. Über das Tor. "Wenn der Pierre trifft, geb ich ’ne Runde", rief Kapitän Mantovani lachend in die Kamera.

Nach dem Pausentee kam dann Leben in die Bude. In der 50. Minute startete Gramont einen seiner seltenen Vorstöße, flankte halbhoch, halbverzweifelt, und vorne lauerte Robert Locklear. Der US-Amerikaner nahm den Ball direkt - zack, unten links, 1:0. Das Stadion explodierte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Locklear später, "Pierre meinte, er wollte eigentlich flanken - aber ich sag’s euch: das war Absicht!"

Doch die Freude hielt nicht lange. Brugg, bis dahin taktisch ausgewogen, plötzlich mit Biss. Nur 15 Minuten später kam die Antwort: Ein schneller Angriff über links, der junge Thierry Busch narrte die Abwehr, legte quer, und Detlev Hafner - 31, erfahren, eiskalt - schob zum 1:1 ein (65.). "So läuft’s, wenn du kurz einnickst", knurrte Trainer Wild danach.

Von da an war’s ein offener Schlagabtausch. Luzern drückte, Mantovani scheiterte mehrfach (61., 71.), der eingewechselte 17-jährige Henri Diarra brachte frischen Wind, aber keinen Treffer. "Ich dachte, ich schreib heute Geschichte", seufzte der Teenager später, "aber der Torwart hat wohl was dagegen gehabt."

Auf der anderen Seite blieb Brugg gefährlich. Morabito und Endres prüften Rauch mit zwei wuchtigen Schüssen (55., 59.), und Marcus Endres hatte Glück, dass er nach seiner Gelben (41.) nicht noch einmal hart einstieg - "Ich war nah dran", gab er selbst zu, "aber der Schiri hatte Mitleid." In der Schlussphase wechselte Brugg-Trainer Stefan Schreiner gleich dreimal (88.), wohl auch, um Zeit von der Uhr zu nehmen.

"Ein gerechtes Unentschieden", sagte Schreiner hinterher, "wir hatten mehr Ball, sie mehr Feuer." Kollege Wild sah das naturgemäß anders: "Wenn du 17 Schüsse hast und nur einer fällt rein, darfst du dich nicht wundern, dass du nachts schlecht schläfst."

Statistisch gesehen war’s ein Spiel, das die Philosophie beider Trainer perfekt spiegelte: Luzern offensiv, mit langen Pässen und vollem Einsatz, Brugg diszipliniert, aggressiv, aber mit kühlem Kopf. Und während die Fans auf den Tribünen noch über den vergebenen Sieg diskutierten, grinste Locklear verschmitzt in die Mikrofone: "Wir teilen uns die Punkte - aber das Tor nehm ich mit nach Hause."

Am Ende blieb’s bei 1:1 (0:0) - ein Resultat, das sich wie lauwarme Suppe anfühlt: sättigend, aber ohne Würze. Immerhin: Für die Zuschauer war’s ein Abend mit Drama, Schweiß und ein bisschen Chaos - und für Luzern die Erkenntnis, dass Ballbesitz manchmal überschätzt wird, solange der Ball wenigstens einmal im Netz zappelt.

Vielleicht bringt Trainer Wild beim nächsten Mal ja einen neuen Spruch mit in die Kabine. "Trefferquote trainieren wir morgen", kündigte er an, "am besten mit geschlossenen Augen - schlimmer kann’s ja nicht werden."

14.06.643993 03:06
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Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002
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