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Blau-Weiss Luzern verliert turbulentes Heimspiel gegen Old Boys Basel mit 2:3

Luzern - 50.397 Zuschauer sahen an diesem frostigen Januarabend ein Spiel, das alles hatte: frühe Euphorie, Basler Gelassenheit, ein jugendliches Überraschungspaket und am Ende Luzerner Frust in Reinform. Old Boys Basel gewann bei Blau-Weiss Luzern mit 3:2 - und das, obwohl die Hausherren nach neun Minuten dachten, sie hätten das Spiel schon im Griff.

Roger Römer, 22 Jahre jung und mit mehr Mut als Bartwuchs, traf nach einer punktgenauen Vorlage von Daniel Barros zur frühen Führung. Der Jubel war so laut, dass selbst die Möwen über dem Vierwaldstättersee kurz den Kurs änderten. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Römer später. "Der Ball war schön rund und die Lücke groß - was will man mehr?"

Was man mehr will, zeigte dann Basel. Die Old Boys ließen sich von dem Rückstand nicht beirren, kontrollierten das Geschehen mit knapp 51 Prozent Ballbesitz und schossen doppelt so oft aufs Tor (20:8). Trainer André Marsmann hatte seine Elf clever eingestellt - offensiv, aber mit dem Selbstbewusstsein eines Teams, das genau weiß, wann es zuzupacken hat.

Kurz vor der Pause war’s dann soweit: Gustav Fortin, der 31-jährige Taktgeber im Basler Mittelfeld, traf in der 42. Minute nach Vorarbeit von Innenverteidiger Louis Patton. Ein satter Schuss, und plötzlich war’s wieder still im Stadion. "Wir wussten, Luzern spielt mit langen Bällen", sagte Fortin, "also haben wir sie einfach öfter wieder eingesammelt."

Nach der Pause kam Basel mit noch breiterer Brust zurück. Der Teenager Samuel Stanton, gerade mal 19, schlenzte in der 50. Minute den Ball ins Netz - Vorlage von Olivier Duverger. Vier Minuten später legte Fortin mit seinem zweiten Treffer nach, diesmal nach feinem Pass von Dimas Miguel. 3:1 - und die Luzerner Defensive sah aus, als hätte sie den Begriff "Abseitsfalle" nur aus dem Lehrbuch gehört.

Trainer Reinhard Wild tobte an der Seitenlinie, klatschte, schrie, gestikulierte - und wechselte. Doch erst Felipe Caballero brachte in der 64. Minute wieder Leben in die Luzerner Hoffnung. Nach Vorarbeit von Dylan Bosworth drosch der rechte Flügelstürmer den Ball zum 2:3-Anschluss ins Tor. Der Jubel war ehrlich, aber kurz - Basel blieb gefährlich, Luzern blieb unpräzise.

"Wir haben zu spät gemerkt, dass Basel nicht zum Spazieren gekommen ist", knurrte Wild nach dem Spiel. "Aber ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen - außer vielleicht, dass sie zu nett war." Nett war tatsächlich eher Basel - zumindest bis auf zwei gelbe Karten für Patton (32.) und Miguel (69.). Ansonsten spielten sie abgezockt, ruhig und mit einem Hauch süffisanter Routine.

Das Publikum versuchte es mit Anfeuerung, die Ersatzbank mit Gebeten. Doch Basels Defensive, angeführt von Michael Wahbi und Torhüter Kevin Beer, ließ sich nicht mehr beirren. Beer hielt, was zu halten war, und als Basels Trainer Marsmann in der 90. Minute noch den jungen Stanton durch den erfahrenen Joan Almeida ersetzte, sagte er schmunzelnd zum vierten Offiziellen: "Jetzt bringen wir die Uhr nach Hause."

Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache. Während Luzern mit 49 Prozent Ballbesitz und acht Torschüssen kämpfte, brachte Basel 20 Schüsse und drei Treffer aufs Tableau. Selbst die Zweikampfquote - 55 zu 45 Prozent zugunsten der Gäste - passte ins Bild: Die Old Boys hatten einfach die härteren Beine und die ruhigeren Nerven.

"Ich hab mich kurz gefragt, ob wir heute gegen eine Alumni-Auswahl oder ein Profiteam spielen", witzelte Luzerns Verteidiger Pierre Gramont. Und Fortin konterte im Kabinengang mit einem Lächeln: "Old Boys, junger Geist."

So endete ein Spiel, das für die neutralen Zuschauer ein Genuss und für Luzern ein Lehrstück war. Basel zeigte, dass Erfahrung manchmal Tempo schlägt, und Luzern, dass frühe Tore nichts nützen, wenn man danach den Ball dem Gegner überlässt.

Reinhard Wild versprach nach dem Abpfiff: "Wir werden das auswerten - und beim nächsten Mal trifft Roger eben zweimal." Ob das reicht, bleibt abzuwarten. Basel jedenfalls reist mit drei Punkten, zwei Toren von Fortin und einem 19-jährigen Shootingstar im Gepäck zurück über den Jura. Luzern bleibt mit leeren Händen, aber immerhin mit der Gewissheit, dass auch Niederlagen manchmal unterhaltsam sein können.

Und das Publikum? Verließ das Stadion kopfschüttelnd, aber nicht unzufrieden - denn wer drei Tore der Gäste sieht und zwei des Heimteams, bekommt fürs Eintrittsgeld immerhin Action satt.

09.12.643987 04:20
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Das Gegentor fiel zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt. Aber man muss an dieser Stelle auch einmal die Frage stellen, ob es Gegentore gibt, die zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt fallen.
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