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Ein kühler Märzabend, 29. Spieltag der 1. Liga Schweiz: 40.000 Zuschauer drängen ins Stadion von Emmenbrücke, die Luft riecht nach Bratwurst, Hoffnung und leichtem Nervenkitzel. Am Ende jubelt aber vor allem der kleinere, blau-weiße Block aus Luzern. Emmenbrücke verliert zu Hause 2:3 (1:2) gegen Blau-Weiss Luzern - trotz Überzahl in der Schlussphase und trotz fast 60 Prozent Ballbesitz. "Wir haben gespielt, als würden wir den Ball heiraten, aber vergessen, dass man mit ihm auch Tore schießen muss", knurrte Emmenbrückes Trainer Chris Meng nach dem Abpfiff. Seine Truppe kombinierte gefällig, dominierte über weite Strecken, doch Blau-Weiss Luzern hatte jemand, den Meng später "den Albtraum in blauer Hose" nannte: Roger Römer. Der 23-jährige Linksaußen erzielte zwei Treffer (25. und 44. Minute) und bereitete den dritten vor. Sein erster Streich war ein Bilderbuchkonter - Giuliani schickte ihn steil, Römer zog von links in den Strafraum und drosch den Ball humorlos ins lange Eck. Das Stadion verstummte kurz, nur Luzerns Trainer Reinhard Wild grinste: "Wir üben das mit den Flügeln seit Monaten. Heute hat’s mal funktioniert." Emmenbrücke fand nach einer halben Stunde zurück ins Spiel. Innenverteidiger Damian Vidigal köpfte nach Granthams Freistoß zum 1:1 ein (36.). "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", lachte Vidigal später, "vielleicht lag’s am neuen Haargel." Doch kaum hatte sich das Heimteam sortiert, schlug Römer wieder zu - diesmal nach Vorarbeit von Linksverteidiger Joseph Wendt. 2:1 für Luzern zur Pause, und die Fans der Gäste sangen, als hätten sie gerade den Aufstieg klargemacht. Nach dem Seitenwechsel blieb Emmenbrücke das aktivere Team. Ganze 11 Torschüsse gaben sie ab, Blau-Weiss Luzern kam auf 9, aber die Effektivität lag klar bei den Gästen. In der 59. Minute traf Diego Giuliani zum 3:1 - natürlich auf Vorlage von, genau, Roger Römer. Giuliani wirkte nach dem Spiel erschöpft, aber glücklich: "Roger läuft einfach, bis du nicht mehr kannst. Da bleibt dir nur, den Ball in den Lauf zu legen und zu hoffen, dass er ihn reinmacht oder dir was zurückgibt." Diesmal gab Römer zurück - und Giuliani bedankte sich mit einem satten Rechtsschuss. Ab da wurde es hitzig. Luzerns junger Innenverteidiger Franck Stock, schon mit Gelb verwarnt, räumte in der 78. Minute erst den Ball, dann den Gegner ab - und sah die Gelb-Rote Karte. "Er hat den Ball getroffen, nur leider fünf Sekunden zu spät", kommentierte Trainer Wild trocken. Mit einem Mann mehr warf Emmenbrücke alles nach vorn. In der 83. Minute fiel tatsächlich der Anschlusstreffer: Edmund Puskas traf nach feinem Pass von Suay Kücükandonyadis zum 2:3. Das Stadion bebte, die Fans glaubten wieder. "Da dachte ich kurz, wir drehen das noch", sagte Meng. Doch Luzern verteidigte clever, mit zehn Mann und allen verfügbaren Nervensträngen. Die letzten Minuten waren eine Mischung aus Verzweiflung und Slapstick. In der 88. Minute drosch Dylan Grantham den Ball aus 20 Metern - direkt in die Werbebande "Möbel Pfister". Sekunden später pfiff der Schiedsrichter ab, und die Luzerner jubelten, als hätten sie gerade den Pokal gewonnen. Statistisch gesehen war es ein Spiel zum Haare raufen für Emmenbrücke: 59 Prozent Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr Abschlüsse - aber weniger Tore. Blau-Weiss spielte dagegen genau das, was ihr Coach versprochen hatte: offensiv, über die Flügel, und mit kaltschnäuziger Effizienz. "Wir wollten Spaß haben und Tore schießen", sagte Wild mit einem Zwinkern. "Das mit der Spaßbremse überlassen wir den anderen." Chris Mengs Antwort kam prompt: "Wenn’s nach Spaß ginge, hätten wir 5:3 gewonnen." Der Abend endete, wie er begonnen hatte: mit Applaus von beiden Seiten. Die Fans in Emmenbrücke wissen, dass ihre Mannschaft kämpfen kann - auch wenn diesmal der Ball nicht ins Glück, sondern an den Pfosten flog. Und irgendwo in Luzern dürfte man Roger Römer heute Abend ein Extradessert spendiert haben. Denn wer zweimal trifft, einmal auflegt und dann noch das Publikum zum Schweigen bringt, hat sich das verdient - mindestens eine Crèmeschnitte lang. 10.08.643993 23:16 |
Sprücheklopfer
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