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Es war ein kalter Februarabend in Carouge, aber auf dem Rasen brannte die Luft. 39.771 Zuschauer hatten sich am 13. Spieltag der 1. Liga Schweiz eingefunden, um zu sehen, ob der heimische SC Carouge dem Tabellenzweiten aus Luzern ein Bein stellen könnte. Nach 90 Minuten stand fest: Nein, konnte er nicht. Blau-Weiss Luzern spazierte mit einem hochverdienten 3:1-Sieg vom Platz - und ließ die Gastgeber phasenweise aussehen, als hätten sie versehentlich die falschen Schuhe angezogen. Schon nach einer Viertelstunde setzte sich das Muster des Abends. Der Luzerner Flügelflitzer Ilias Chalbinski, eine Mischung aus Staubsauger und Skalpell, zog von links nach innen und schlenzte den Ball aus 18 Metern präzise ins rechte Eck - 0:1. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste er nach dem Spiel, "aber dann hab ich’s mir anders überlegt." Sein Trainer Reinhard Wild kommentierte trocken: "Wenn alle Flanken so enden würden, bräuchten wir keine Stürmer mehr." Carouge wirkte verdutzt, fast beleidigt. Die Hausherren versuchten, wie in den Taktik-Notizen vorgesehen, offensiv zu agieren - aber offensiv heißt eben nicht automatisch erfolgreich. Luzern blieb wach, lauerte auf Lücken und fand sie reihenweise. In der 32. Minute war es dann Robert Mantovani, der nach einem feinen Pass von Roger Römer das 0:2 erzielte. Mantovani, der ohnehin so spielte, als hätte er heimlich einen Akku im Schuh, drehte jubelnd ab und brüllte Richtung Tribüne: "So einfach ist das!" Zur Halbzeit hatte Carouge mit 41 Prozent Ballbesitz und fünf Torschüssen kaum Argumente, die Hoffnung nährten. Trainer Stefan Häusler versuchte es trotzdem mit Zuversicht: "Wenn wir den Ball mal länger als 30 Sekunden halten, kann’s noch was werden." Leider blieb es beim Konjunktiv. Nur vier Minuten nach Wiederanpfiff war Luzern wieder zur Stelle. Der agile Mittelfeldmotor Dylan Bosworth schob nach feiner Vorarbeit von Mantovani zum 0:3 ein. Bosworths Jubel fiel verhalten aus - vielleicht, weil er selbst nicht recht glauben konnte, wie viel Platz ihm Carouges Abwehr gewährte. "Ich hatte Zeit, mir die Schuhbänder neu zu binden, bevor ich schießen musste", witzelte er später. Doch ganz kampflos wollte Carouge nicht untergehen. In der 53. Minute brachte der 19-jährige Joseph Bourgeois das Stadion kurz zum Brodeln. Nach einer schönen Kombination über Charles Nicksay zog er trocken ab - 1:3. Der Treffer zeigte, dass in dieser jungen Mannschaft durchaus Talent schlummert. "Das Tor war für die Fans", sagte Bourgeois schüchtern - und verschwand danach fast ebenso unauffällig wieder aus dem Spiel wie er aufgetaucht war. Häusler reagierte mit einem Dreifachwechsel in der 60. Minute - frisches Blut, frische Hoffnung. Doch statt Aufbruchsstimmung machte sich Ratlosigkeit breit. Luzern, das mit 18 Torschüssen und fast 59 Prozent Ballbesitz die Partie nach Belieben kontrollierte, ließ Ball und Gegner laufen. Selbst die Gelbe Karte für Linksverteidiger Joseph Wendt in der 84. Minute wirkte eher wie ein höflicher Gruß an den Schiedsrichter als wie ein echter Ausrutscher. In den Schlussminuten durften die Luzerner Nachwuchshoffnungen noch ran: Der 17-jährige Henri Diarra ersetzte Roger Römer und sorgte prompt für Wirbel. "Ich wollte eigentlich auch noch treffen", sagte er nach dem Spiel kess, "aber Mantovani hat einfach zu viel geschossen." Der ältere Stürmer grinste nur und klopfte ihm auf die Schulter. "Warte, bis du 26 bist. Dann reden wir weiter." Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die Luzerner ausgelassen, während die Carouger mit gesenkten Köpfen Richtung Kabine trotteten. Trainer Wild fasste es nüchtern zusammen: "Wir haben das umgesetzt, was wir wollten - Flügelspiel, Tempo, Druck. Das war reif." Häusler hingegen suchte nach Worten: "Wir müssen lernen, dass Einsatz alleine keine Punkte bringt. Aber wenigstens war’s unterhaltsam. Für die anderen." So endete ein Abend, der für Carouge lehrreich, für Luzern lukrativ und für die Zuschauer kurzweilig war. Wenn Blau-Weiss so weitermacht, wird die Liga bald neue Superlative für ihr Flügelspiel erfinden müssen. Und Carouge? Die wischen sich den Rasenstaub aus den Haaren und versuchen es nächste Woche erneut - vielleicht mit etwas weniger Mut und etwas mehr Ballbesitz. Denn wie ein Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Schön, wenn man offensiv spielt. Noch schöner, wenn man dabei den Ball hat." 15.10.643990 20:58 |
Sprücheklopfer
Ich bin gespannt auf den ersten Augenblick, wenn er auf dem Spielfeld erstmals wegen seiner Erkrankung von einem Gegenspieler dumm angemacht wird. Wenn er ihm dann in die Eier tritt, dann weiß ich, dass er gesund ist.
Uli Hoeneß zum Gesundheitszustand von Sebastian Deisler