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Emmenbrücke - 40.000 Zuschauer, Flutlicht, und ein Heimteam, das eigentlich alles richtig machte - außer, den Ball über die Linie zu bringen. Am 9. Spieltag der 1. Liga Schweiz unterlag Emmenbrücke gegen Blau-Weiss Luzern mit 0:2 (0:1), und das, obwohl die Gastgeber mehr Ballbesitz (53 Prozent) hatten. Doch Fußball ist bekanntlich kein Schönheitswettbewerb, sondern eine gnadenlose Effizienzprüfung - eine, die Luzern mit Bravour bestand. Schon in den ersten Minuten war klar, dass die Gäste nicht zum Spazieren gekommen waren. Robert Mantovani prüfte Emmenbrückes Torwart Alfred Konrad gleich zweimal früh (10. und 18. Minute), und Robert Locklear legte mit wuchtigen Abschlüssen nach. "Da war mehr Verkehr im Strafraum als am Luzerner Hauptbahnhof zur Rushhour", stöhnte Konrad nach der Partie. Doch die Kugel wollte zunächst nicht rein - bis Minute 28. Da kam Joseph Carr, der Mittelfeld-Stratege der Luzerner, nach feiner Vorarbeit von Piotr Chawanow an den Ball und schlenzte ihn aus 18 Metern trocken ins linke Eck. 1:0! Der Jubel der Gäste war laut, der der Emmenbrücker Fans verhalten - und Trainer Chris Meng raufte sich die Haare. "Wir standen gut, bis wir plötzlich nicht mehr gut standen", murmelte er in der Pressekonferenz. Emmenbrücke wirkte nicht geschockt, aber ideenlos. Giorgio Aieta versuchte es kurz vor der Pause mit einem Distanzschuss (24.), und Xabier Vega prüfte Luzerns Keeper Robert Siebert (41.). Doch der Schlussmann hielt, was zu halten war - und manchmal noch ein bisschen mehr. "Ich hab einfach meine Arme ausgestreckt und gehofft, dass der Ball da landet", grinste Siebert später. Nach der Pause dasselbe Bild: Emmenbrücke mit Ball, Luzern mit Zielstrebigkeit. Nur vier Minuten nach Wiederanpfiff machte der pfeilschnelle Robert Locklear das, was er am liebsten tut - treffen. Nach einem präzisen Pass von Finn Hougaard zog er von rechts in den Strafraum und versenkte den Ball kompromisslos ins lange Eck (50.). 2:0! "Ich hab ihn gesehen, wie er anzieht, und wusste: Jetzt wird’s gefährlich", erzählte Emmenbrückes Verteidiger Bernard Arnaud. "Leider hatte der Ball weniger Respekt vor uns als wir vor ihm." Luzern blieb danach gefährlich, Mantovani und Chawanow testeten Konrad weiter, während Emmenbrücke zwar versuchte, aber nie wirklich drohte. Aieta (65.), Sarac (60.) und Burton (91.) hatten ihre Momente, doch der Treffer blieb aus. Und als Aieta in der Nachspielzeit noch einmal frei zum Schuss kam, rauschte der Ball über die Latte - sinnbildlich für einen Abend, an dem vieles ging, nur nichts rein. Trainer Reinhard Wild von Blau-Weiss Luzern zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Wir haben sehr direkt gespielt, manchmal zu direkt. Aber zwei Tore sind zwei Tore - und null Gegentore sind ein schönes Geschenk." Dann lachte er und fügte hinzu: "Ich glaube, unsere Fans waren überrascht, dass wir nicht noch eins schießen." Bei Emmenbrücke suchte man nach Erklärungen. Meng wirkte zwischen Resignation und Galgenhumor: "Wir hatten 53 Prozent Ballbesitz - vielleicht sollten wir das nächste Mal 47 nehmen, dann bleibt mehr Zeit zum Toreschießen." Statistisch war das Spiel ein Lehrbuchbeispiel für Effizienz: 16 Torschüsse der Luzerner, sieben der Hausherren. Eine bessere Zweikampfquote (54 Prozent) und die klareren Chancen machten den Unterschied. Kurz vor Schluss sah Luzerns junger Innenverteidiger Franck Stock noch Gelb (96.), was den Sieg jedoch nicht trübte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch noch da bin", witzelte der 20-Jährige nach Abpfiff. Während die Luzerner Spieler ausgelassen mit den mitgereisten Fans feierten, blieb Emmenbrücke im Mittelkreis stehen, ratlos, aber nicht gebrochen. "Wir werden wieder treffen", meinte Stürmer Noah Burton kämpferisch. "Vielleicht ja schon beim nächsten Mal - vielleicht auch einfach ins richtige Tor." Und so endete ein Spiel, das in Zahlen klar, im Gefühl aber enger war, als das Ergebnis vermuten lässt. Emmenbrücke spielte hübsch, Luzern spielte klug - und am Ende gilt auch in der 1. Liga Schweiz die alte Fußballweisheit: Schönheit schießt keine Tore, Robert Locklear schon. 12.02.643994 06:23 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler