// Startseite
| Sport-Blick |
| +++ Sportzeitung für Schweiz +++ |
|
|
|
Wenn 41.349 Zuschauer an einem frostigen Februarabend ins Stadion pilgern, dann wollen sie Fußball sehen, nicht Geduldsspiele. Doch genau das bekamen sie in Luzern - zumindest 45 Minuten lang. Blau-Weiss Luzern und der FC Visp lieferten sich zum Auftakt des 32. Spieltags der 1. Liga Schweiz ein Duell, das in der ersten Halbzeit eher an Schach als an Fußball erinnerte. Tore? Fehlanzeige. Dafür viele Ideen - und noch mehr, die nicht funktionierten. "Ich hab’ in der Kabine gesagt: Wir müssen einfach mal das Tor treffen", grinste Luzerns Trainer Reinhard Wild nach dem Spiel. "Das klingt banal, ist es aber bei uns nicht immer." Seine Truppe brauchte tatsächlich eine Halbzeit, um den Motor zu starten. Dabei war der Wille da - 17 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Nur das Zielwasser musste offenbar erst in der Pause nachgefüllt werden. Visp kam mit mehr Ballbesitz (53,6 Prozent) und dem Plan, ruhig aufzubauen. Doch Ruhe und Effektivität sind bekanntlich entfernte Verwandte. Der FC Visp spielte gefällig, aber harmlos - sieben Torschüsse, kein Treffer. Trainerin Cecilia Schneider sah das ähnlich pragmatisch: "Wir haben viel vom Ball gesehen, aber leider zu wenig vom Tor." Den Dosenöffner besorgte in der 51. Minute ein Mann, den man dort eher nicht erwartet hätte: Innenverteidiger Marcel Benveniste. Nach einer Ecke und einem präzisen Pass von Dylan Bosworth nahm der 21-Jährige Maß - und traf trocken ins rechte Eck. Das 1:0 war wie ein Weckruf für Blau-Weiss Luzern und wie ein Stromschlag für die Gäste. "Ich hab einfach draufgehalten", meinte Benveniste lachend. "Normalerweise soll ich hinten dichtmachen, aber heute war ich mal vorne nützlich." Neun Minuten später war er es wieder - diesmal als Vorbereiter. Nach einem Ballgewinn an der Mittellinie schickte er den flinken Felipe Caballero auf die Reise, der im Sprintduell mit Visps Innenverteidigung die bessere Idee hatte: kurzer Haken, flacher Schuss, 2:0 (60.). Caballero riss die Arme hoch, das Stadion tobte, und Trainer Wild drehte sich zur Bank mit einem Grinsen, das sagte: "Na also, geht doch." Visp versuchte danach alles, was im Rahmen des eigenen Systems möglich war - also nicht allzu viel. Florian Peltier prüfte Luzerns Torwart Lasse Rauch in der 63. Minute, Georgi Abadschiew tat es ihm in der 79. gleich, aber Rauch blieb unbeeindruckt. Eine gelbe Karte für Björn Bonnaire (20.) und später für Claus Pfeifer (81.) zeigten, dass Frust auch Beine hat. Luzerns Roger Römer (85.) und Dylan Bosworth (89.) wollten sich in dieser Statistik nicht lumpen lassen - Gelb für beide, quasi als farblich abgestimmter Schlussakkord. Taktisch blieb Luzern seiner offensiven Ausrichtung treu, spielte kurz und präzise, während Visp eher auf die Balance setzte - was am Ende so ausgewogen war, dass es niemandem wehtat, aber auch niemand jubeln ließ. In der 72. Minute brachte Wild den jungen Piotr Chawanow für den müden Diego Giuliani, wenig später (78.) durfte Jean-Pierre Carey für den erfolgreichen Benveniste ran. "Ich hab ihm gesagt, er soll jetzt bitte nicht auch noch ein Tor schießen", witzelte Wild später. Nach 90 Minuten stand ein 2:0, das verdient war, aber nicht zwingend. Luzern war effizienter, direkter und schlicht entschlossener. Visp hatte den Ball, Luzern hatte den Plan - und manchmal reicht das. "Wir haben uns den Sieg erarbeitet, nicht erspielt", gab Matchwinner Caballero zu. "Aber das ist mir heute völlig egal." Die Fans sahen es ähnlich und verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. Vielleicht, weil sie wussten: Wer so spät zündet, hat wenigstens das Feuer nicht vergessen. Und Trainerin Schneider? Die lächelte gequält: "Wir hätten heute ewig spielen können - das Tor war wie vernagelt. Aber immerhin war es ein schöner Abend. Für Luzern." Ein Abend, an dem Blau-Weiss Luzern bewies, dass Geduld manchmal die beste Taktik ist - solange man nach der Pause auch Tore schießt. 02.04.643990 05:16 |
Sprücheklopfer
Wir haben die Chancenverwertung nicht verwertet.
Andreas Brehme