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Blau-Weiss Luzern ringt SV Fribourg in Pokal-Krimi mit 4:3 nach Verlängerung nieder

Es war der Abend, an dem die 27.000 Zuschauer im Stade de la Sarine alles geboten bekamen, was der Pokal verspricht: Drama, Tore, Schweiß, und ein paar ungläubige Blicke Richtung Himmel. Am Ende jubelte Blau-Weiss Luzern - nach 123 Minuten purem Wahnsinn - über ein 4:3 in der Verlängerung gegen einen tapferen SV Fribourg.

Bereits der Auftakt ließ ahnen, dass es kein gemütlicher Winterabend werden würde. Fribourg begann offensiv, Ezequiel Couto prüfte nach 60 Sekunden Luzerns jungen Keeper Robert Siebert. Doch die Gäste aus der Innerschweiz zeigten sich unbeeindruckt - und hatten mit ihrem Sturmduo Mantovani und Caballero zwei Spieler, die offenbar beschlossen hatten, den Fribourger Strafraum zu ihrem zweiten Wohnzimmer zu machen.

Kurz vor der Pause fiel dann das 0:1: Felipe Caballero tanzte an der rechten Außenlinie, flankte butterweich, und Robert Mantovani nickte ein. "Ich hab die Flanke gerochen, bevor sie kam", grinste Mantovani später und deutete auf seine Nase.

Fribourgs Trainer Dario Rota verschwand kopfschüttelnd in der Kabine. Was auch immer er dort sagte - es wirkte. Denn nur Sekunden nach Wiederanpfiff schlug der SVF zurück: Tiago Gama vollendete eine traumhafte Kombination über den 20-jährigen Harvey Leclair zum 1:1. Keine zwei Minuten später setzte derselbe Gama den Ball nach einer Ecke von Bruno Assis zur 2:1-Führung unter die Latte. "Ich dachte, ich sei plötzlich Cristiano", witzelte Gama später, "aber dann fiel mir ein, dass ich nur Tiago bin."

Das Stadion bebte, Fribourg schien das Spiel zu drehen. Und als Alain Kunze in der 57. Minute einen mustergültigen Pass von Vicente Alves zum 3:1 verwandelte, sah alles nach einer klaren Sache aus. Doch wer den Pokal kennt, weiß: Klarheiten sind hier höchstens auf dem Spielberichtsbogen zu finden.

Luzern stemmte sich mit allem dagegen. Robert Mantovani verkürzte in der 63. Minute aus dem Nichts auf 3:2, ehe Roger Römer nur zwei Minuten später mit einem Schuss aus spitzem Winkel den Ausgleich erzielte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Römer mit einem breiten Grinsen zu. "Aber Tore zählen auch, wenn sie versehentlich reingehen."

Ab da war es ein offener Schlagabtausch. Fribourg hatte mehr Ballbesitz (55,9 Prozent) und mehr Abschlüsse (14:13), doch die Gäste wirkten frischer. Trainer Reinhard Wild brachte den 21-jährigen Piotr Chawanow und den erfahrenen Dylan Bosworth - und diese Wechsel sollten sich auszahlen.

In der Verlängerung verließen einige Zuschauer schon fröstelnd das Stadion, als wäre das Unentschieden zementiert. Doch in der 123. Minute kam Luzern noch einmal über rechts. Bosworth legte clever quer, und Caballero - der schon die Vorlage zum ersten Tor gegeben hatte - schob eiskalt ein. 3:4. Jubel, Tränen, Chaos.

"Ich dachte, meine Uhr sei kaputt, als ich 123 gelesen hab", lachte Luzerns Trainer Wild nach dem Spiel. "Aber solange sie für uns läuft, beschwere ich mich nicht." Dario Rota hingegen wirkte gefasst: "Wir haben 90 Minuten lang das Spiel kontrolliert und dann das Pokalgespenst eingeladen. Es hat sich bedankt."

Fribourg versuchte in den letzten Sekunden noch einmal alles, Keeper Agapios Fotopoulos rannte bei einer Ecke mit nach vorne, doch Bosworth klärte in höchster Not - und setzte damit den Schlusspunkt unter ein Spiel, das keiner der Anwesenden so schnell vergessen wird.

Statistisch gesehen war Fribourg überlegen, kämpferisch auf Augenhöhe, aber defensiv zu naiv. Gelb sah lediglich Bruno Assis nach einem rustikalen Einsteigen in der 68. Minute - sinnbildlich für den Moment, in dem das Spiel zu kippen begann.

Und so zieht Blau-Weiss Luzern ins Halbfinale ein, während Fribourg mit gesenktem Kopf, aber erhobenem Herzen vom Platz ging. "Wenn man 3:1 führt und trotzdem rausfliegt, kann man nur eines tun", meinte Rota zum Abschied. "Am Montag wieder trainieren - und hoffen, dass das nächste Mal die Nachspielzeit kürzer ist."

Ein Pokalabend, wie ihn selbst Drehbuchautoren nicht besser schreiben könnten: Helden, Fehler, Verlängerung, und ein letzter Akt in der 123. Minute. Fußball kann grausam sein - aber selten so unterhaltsam.

04.11.643987 13:59
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Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deswegen war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen.
Josef Hickersberger, österreichischer Nationaltrainer
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