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44250 Zuschauer im Luzerner Stadion bekamen an diesem kühlen Januarabend alles geboten, was ein Pokalspiel ausmacht: Nervosität, Kampf, ein bisschen Chaos - und zwei Tore, die das Warten wert waren. Am Ende siegte Blau-Weiss Luzern mit 2:0 gegen den FC Rapperswil-Jona und zog verdient in die nächste Runde ein. In der ersten Halbzeit war Geduld gefragt. Luzern stürmte, flankte, kombinierte - aber der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Daniel Barros prüfte Rapperswils Keeper Philippe Peltier gleich mehrfach (18., 28.), und Robert Locklear versuchte es zweimal aus spitzem Winkel. Doch Peltier, seit Jahren bekannt als Mann mit Klettverschluss-Handschuhen, hielt seinen Kasten sauber. "Ich hab irgendwann gedacht, wir müssten das Tor breiter machen", grinste Luzerns Trainer Reinhard Wild später. Rapperswil-Jona, von Beginn an auf Schadensbegrenzung programmiert, verteidigte mit Mann und Maus. Ihre Taktik: ausgeglichen, aber ohne Pressing - also die fußballerische Entsprechung von "hoffentlich geht’s gut". Immerhin: In der 13. Minute setzte Timm Jean-Pierre einen schnellen Konter, dessen Abschluss allerdings mehr an einen Rückpass als an einen Torschuss erinnerte. Die zweite Halbzeit begann wie die erste: Luzern drückte, schoss, scheiterte. Dann kam die 62. Minute - und endlich platzte der Knoten. Daniel Barros, der zuvor schon dreimal verzweifelt am Keeper gescheitert war, zog nach einer butterweichen Flanke von Diego Giuliani ab und traf trocken ins rechte Eck. Das Stadion explodierte. "Ich hab einfach draufgehauen", sagte Barros später mit einem Grinsen, "nach so vielen Versuchen musste ja endlich einer reingehen." Kaum hatten sich die Fans wieder gesetzt, klingelte es erneut. Zwei Minuten später (64.) war es Robert Mantovani, der nach schöner Vorarbeit von Dylan Bosworth eiskalt zum 2:0 einschob. Eine Szene, die sinnbildlich für Luzerns Geduld und Rapperswils Erschöpfung stand: Mantovani völlig frei, Peltier chancenlos, und Trainer Wild jubelte so innig, dass selbst der vierte Offizielle kurz lächelte. Für Rapperswil begann nun die Leidenszeit. Innerhalb weniger Minuten verletzte sich Rechtsverteidiger Jan Besson (62.) - ausgerechnet, kurz nachdem er Gelb gesehen hatte. Sein Ersatzmann Philippe Fouquet kam ins Spiel, aber auch er konnte den Druck der Luzerner nicht stoppen. "Wir haben alles probiert, aber sie hatten einfach mehr Wucht", meinte Rapperswils Mittelfeldmann Stephane Boyer später zerknirscht. Die Statistik spricht Klartext: 15 Torschüsse für Luzern, nur zwei für die Gäste. 53 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und ein Publikum, das die letzten Minuten genoss wie ein gutes Dessert. Als junger Verteidiger Joseph Wendt in der Nachspielzeit (93.) noch einen wuchtigen Schuss abfeuerte, ging ein Raunen durchs Rund. Hätte er getroffen, die Tribüne wäre wohl zusammengebrochen vor Freude. Trainer Wild zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Wir haben’s uns schwerer gemacht, als nötig. Aber Pokal ist Pokal - da fragt morgen keiner mehr, wie’s gelaufen ist." Kollege aus Rapperswil, der namenlos bleiben wollte, murmelte nur: "Zwei Minuten haben uns gekillt." Ein wenig Ironie des Schicksals: Ausgerechnet Barros, der zuvor die größten Chancen vergeben hatte, war der Türöffner. Und Mantovani, der im ganzen Spiel drei weitere Male knapp scheiterte, machte mit seinem Treffer endgültig den Deckel drauf. Die Luzerner Fans sangen sich nach Abpfiff warm und träumten schon vom Viertelfinale. Auf dem Rasen klopfte der 18-jährige Franck Stock seinem Vorgänger Jean-Pierre Carey auf die Schulter - es war seine erste Pokalpartie, und er hatte gleich den Sieg miterlebt. "Ich hab kaum was falsch gemacht", meinte Stock lachend, "aber das lag vielleicht daran, dass ich kaum was zu tun hatte." Rapperswil-Jona dagegen wird sich an diesen Abend noch eine Weile erinnern - an drei Gelbe Karten (Seymour, Besson, Gorlukowitsch), eine Verletzung und zwei Gegentore, die verhindern, dass aus "tapfer" ein "weiter" wurde. Und Luzern? Die Mannschaft von Reinhard Wild zieht weiter - mit kurzem Zittern, aber großem Selbstbewusstsein. "Wenn wir so weiterspielen, wird’s ein langer Pokalwinter", sagte der Trainer zum Abschied - und diesmal klang das nicht wie eine Drohung, sondern wie eine Verheißung. 26.05.643987 13:20 |
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Der kann noch 100 Jahre spielen, der wird uns nie überholen.
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