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Ein Mittwochabend in Luzern, Flutlicht, 45.842 Zuschauer - und ein Fußballspiel, das man sich nicht ausdenken könnte, wenn man es müsste. Blau-Weiss Luzern besiegt den FC Schötz mit 3:2 (1:0) und liefert dabei 90 Minuten, die zwischen Genie, Wahnsinn und purem Herzklopfen pendeln. Schon nach zehn Minuten bebte das Stadion: Roger Römer, der flinke Linksaußen der Luzerner, tänzelte sich durch die Schötzer Defensive, bekam den Ball von Julien Achard maßgeschneidert in den Lauf - und vollendete eiskalt. 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Römer später, "und gehofft, dass der Ball diesmal nicht den Parkplatz trifft." Danach übernahm Schötz das Kommando. 14 Torschüsse insgesamt, mehr Ballbesitz, mehr Wucht - aber eben auch mehr Verzweiflung. Mario Chalana prüfte Luzerns Keeper Lasse Rauch gleich mehrfach, Alfred Brun drosch aus allen Lagen, doch der Ball wollte nicht rein. Rauch hielt, was zu halten war - und manchmal auch, was eigentlich nicht zu halten war. Trainer Reinhard Wild kommentierte trocken: "Lasse hatte heute Magnet-Handschuhe. Vielleicht sollte er sie nächste Woche nicht waschen." Luzern wiederum blieb seiner Linie treu: offensiv, direkt, gern mal mit langem Ball und vollem Risiko. Und diese Waghalsigkeit zahlte sich kurz nach der Pause aus. In Minute 49 war es wieder Römer, diesmal nach schneller Kombination über Henry Roades. 2:0 - und das Stadion sang. Doch kaum hatten die Zuschauer den Jubel beendet, zappelte der Ball auf der anderen Seite im Netz: Domingo Morales, der bullige Mittelstürmer der Gäste, traf im Gegenzug nach Flanke von Mordechai Eban (50.). "Da haben wir wohl zu lange gefeiert", knurrte Römer später. Das Spiel kippte. Schötz drückte, Luzern wankte. Morales roch Blut - und in der 71. Minute war es wieder der Spanier, der nach einer Flanke von Rechtsverteidiger Javier Capone zum 2:2 einköpfte. "Wir waren da, wir hatten sie", sagte Schötz-Trainer Roland Kunz nach dem Spiel, "aber Fußball ist manchmal ein grausamer Lehrer." Denn kaum zehn Minuten später drehte sich das Drehbuch erneut. Achard, der unermüdliche Dirigent im Luzerner Mittelfeld, schickte den eingewechselten Henry Roades steil. Der 21-Jährige blieb cool, schob den Ball an Keeper Joao Albacar vorbei - 3:2 (81.). Das Stadion explodierte, und Reinhard Wild rannte die Seitenlinie entlang, als hätte er selbst das Siegtor erzielt. "Ich wollte eigentlich ruhig bleiben", sagte Wild nachher, "aber in dem Moment war das einfach physisch unmöglich." Schötz warf in den letzten Minuten alles nach vorn, sogar Innenverteidiger Olivier Mohr tauchte in der Nachspielzeit im Strafraum auf und zwang Rauch zu einer letzten Glanzparade. Doch es blieb beim 3:2 - ein Ergebnis, das eher nach Boxkampf als nach Fußballspiel klingt. Die nackten Zahlen erzählen ohnehin eine eigene Geschichte: 52 Prozent Ballbesitz für Schötz, 14 zu 11 Torschüsse, bessere Zweikampfquote - und trotzdem null Punkte. Luzern dagegen zeigte Effizienz in Reinform. "Wir haben nicht schön gespielt", gab Wild zu, "aber wer Schönheitspunkte will, muss zum Eiskunstlauf." Im Stadion feierten die Fans noch lange nach dem Abpfiff. Ein älterer Herr im Blau-Weiss-Schal soll gerufen haben: "So spielt man, wenn man keine Nerven hat!" - ein Satz, der das Spiel wohl besser beschreibt als jede Statistik. Roger Römer wurde zum Helden des Abends, Achard zum stillen Architekten, und Henry Roades zum jungen Hoffnungsträger. Auf der anderen Seite stand ein enttäuschter, aber fairer Domingo Morales, der beim Shakehands lächelte: "Wir haben zwei Tore geschossen, sie drei. Vielleicht sollten wir einfach vier machen nächstes Mal." Vielleicht. Aber an diesem Abend gehörte die Bühne den Luzernern - ein Team, das offensiv denkt, defensiv schwitzt und am Ende einfach ein Tor mehr schießt. Und irgendwo auf der Tribüne hörte man einen Fan sagen: "Wenn das so weitergeht, brauch ich bald einen Defibrillator." Man kann es ihm nicht verdenken. 23.02.643994 19:35 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler