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Blau-Weiss Luzern kontert sich zum Auftaktsieg in Visp

Es war eine dieser Nächte, in denen der Walliser Winter zwar klirrte, aber die 30.722 Zuschauer im Visper Stadion trotzdem auf Betriebstemperatur kamen. 1. Spieltag der 1. Liga Schweiz, Flutlicht, volle Ränge, ein bisschen Nervosität in der Luft - und dann ein Spiel, das man getrost unter "unorthodox, aber unterhaltsam" verbuchen darf. Am Ende jubelte der Gast: Blau-Weiss Luzern besiegte den FC Visp mit 2:1 (1:0) und zeigte, dass man auch mit 43 Prozent Ballbesitz und langen Bällen richtig Spaß haben kann.

Bereits in der 11. Minute fiel der erste Schock für die Heimmannschaft: Robert Locklear, Luzerns quirliger Rechtsaußen, nutzte einen butterweichen Pass von Innenverteidiger Marcel Benveniste (!) und drosch das Leder trocken ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten - der Ball wollte wohl rein", grinste Locklear nach dem Spiel, während Benveniste schmunzelnd hinzufügte: "Ich sag ja immer, meine Flanken sind besser als meine Grätschen."

Visp brauchte eine Weile, um sich zu sortieren, hatte aber mehr vom Spiel. 56 Prozent Ballbesitz, gepflegtes Kurzpassspiel und die eine oder andere sehenswerte Kombination - aber alles blieb Stückwerk. In der 33. Minute scheiterte der junge Pattrick Fiedler aus 18 Metern an Luzerns Keeper Robert Siebert, kurz danach zirkelte Joel Staunton aus spitzem Winkel ans Außennetz. "Wir haben gut gespielt, aber das Tor war wie vernagelt", stöhnte Visp-Trainerin Cecilia Schneider später.

Blau-Weiss dagegen blieb bei seiner simplen, aber effektiven Philosophie: langer Ball, zweiter Ball, Torschuss. Insgesamt 17 Schüsse aufs Tor, das spricht für eine gewisse Konsequenz - oder für ein gewisses Maß an Chuzpe. Vor allem Roger Römer wirbelte über links, war aber im Abschluss glücklos.

Zur Pause blieb es beim 0:1, doch man spürte, dass Visp noch nicht aufgegeben hatte. Nach dem Seitenwechsel - Luzern hatte da gerade Joseph Wendt für Jesus Langer gebracht, was nicht jeder verstanden hatte - drängte der FCV auf den Ausgleich. Und tatsächlich: In der 67. Minute war es soweit. Der 18-jährige Frederic Thiele, bislang eher als Nachwuchshoffnung bekannt, drückte nach einer mustergültigen Hereingabe von Claus Pfeifer den Ball über die Linie. Jubel, Gänsehaut, und ein kurzer Moment, in dem man glaubte, das Spiel kippe.

Aber Fußball wäre nicht Fußball, wenn das Drehbuch nicht noch eine Wendung parat hätte. Luzern reagierte mit einer Mischung aus Gelb und Gelassenheit: Binnen neun Minuten sahen gleich drei Luzerner - Benveniste, Gramont und Wendt - die Gelbe Karte. Trainer Reinhard Wild kommentierte das trocken: "Wir wollten zeigen, dass wir auch kämpferisch mithalten können. Vielleicht ein bisschen zu wörtlich genommen."

Als das Spiel in die Schlussphase ging, schien Visp näher am Sieg. Doch dann kam die 86. Minute und mit ihr Diego Giuliani. Nach einem schnellen Gegenstoß über Roger Römer jagte der 30-Jährige den Ball humorlos unter die Latte - 1:2. Stille im Stadion, Jubel im Gästeblock. "Ich hab gar nicht überlegt", sagte Giuliani später. "Wenn ich nachdenke, geht der Ball meistens drüber."

Die letzten Minuten waren dann ein einziges Anrennen der Visper, doch Luzern verteidigte mit Herz, Bein und Zeitspiel. Schiedsrichter Bieri hatte seine liebe Mühe, die Gemüter zu beruhigen, und selbst die Trainerbank der Gäste stand mehrfach, um mit der Uhr zu diskutieren.

Am Ende blieb es beim 1:2, und während Reinhard Wild mit verschmitztem Lächeln in Richtung Presseraum stapfte ("Ballbesitz ist was für Statistiker, nicht für Sieger"), tröstete Cecilia Schneider ihre Mannschaft mit aufmunternden Worten: "Wenn wir so weiterspielen, gewinnen wir das nächste Mal."

Statistisch betrachtet war’s ein Rätsel: Visp hatte mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle, aber weniger Tore. Luzern hatte weniger Struktur, mehr Risiko - und die Punkte. Vielleicht war das der Auftakt zu einer Saison, in der Effizienz wieder wichtiger wird als Ästhetik.

Und wer weiß: Wenn Robert Locklear weiter so trifft und Diego Giuliani so schießt, könnte Blau-Weiss Luzern in diesem Jahr mehr als nur ein unbequemer Gegner werden.

Ein augenzwinkerndes Fazit zum Schluss? Vielleicht dieses: Der FC Visp spielte wie ein Konzertpianist - nur dass der Gegner die Noten schrieb.

30.05.643990 00:29
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Ottmar Hitzfeld ist noch nie auf die Tribüne verbannt worden, ich auch nicht. Aber bei mir wird es sicher nicht mehr lange dauern.
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