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Blau-Weiss Luzern fegt Breitenrain vom Platz - ein 5:1 mit Ansage

Ein Montagabend, Flutlicht über der Swissporarena, 37.003 Zuschauer, die das Gefühl hatten, Zeugen eines kleinen Fußball-Donners zu werden - und genau das bekamen sie. Blau-Weiss Luzern zerlegte den FC Breitenrain mit 5:1, und das Ergebnis war nicht einmal geschmeichelt.

Kaum hatte Schiedsrichter Moser angepfiffen, da stand es schon 1:0. In der dritten Minute wuchtete Innenverteidiger Franck Stock (!) den Ball nach Ecke von Joseph Wendt ins Netz. "Ich wollte eigentlich nur den Ball irgendwie treffen", grinste der 20-Jährige später, "aber anscheinend war das irgendwie gut." Drei Minuten später klingelte es wieder - diesmal nach einem weiten Ball von Pierre Gramont auf Roger Römer. Der dribbelte den verdutzten Breitenrain-Keeper Marc Corcoles aus und schob lässig ein. 2:0 nach sechs Minuten - und der Abend hatte gerade erst begonnen.

Trainer Reinhard Wild stand zu diesem Zeitpunkt noch mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, als wolle er sagen: "Ich hab’s euch ja gesagt." Als dann auch noch Linksverteidiger Joseph Wendt in der 17. Minute nach einem Doppelpass mit Gramont das 3:0 markierte, war der Drops im Grunde gelutscht. Wendt jubelte verlegen, als hätte er sich selbst überrascht. "Ich bin eigentlich Verteidiger", sagte er später, "aber wenn der Ball da so nett liegt, wäre es ja unhöflich, ihn nicht mitzunehmen."

Breitenrain? Nun ja - die Berner Gäste wirkten lange so, als hätten sie das Navi falsch eingestellt. Trotz nominell minimal mehr Ballbesitz (50,1 Prozent) fehlte es an allem, was in Luzern reichlich vorhanden war: Tempo, Ideen, Zielstrebigkeit. Ihre sechs Torschüsse wirkten eher wie höfliche Anfragen.

Nach der Pause ging es munter weiter. Robert Locklear, der rechte Flügelmann mit der Lizenz zum Wühlen, schlenzte in der 53. Minute den Ball sehenswert ins lange Eck zum 4:0. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er danach schmunzelnd zu. Fünf Minuten später legte Finn Hougaard mit einem satten Distanzschuss zum 5:0 nach - vorbereitet von Sergio Morais, der kurz darauf verletzt vom Platz musste.

"Da hat’s im Oberschenkel gezogen wie ein schlecht gestimmtes Cello", fluchte Morais später in der Mixed Zone, während Physio und Trainer Wild ihn mit aufmunternden Worten Richtung Kabine begleiteten.

Doch immerhin, ein kleines Trostpflaster blieb den Gästen: In der 59. Minute gelang Bruno Turcotte nach feinem Zuspiel von Jason Mai der Ehrentreffer zum 5:1. Der junge Stürmer reckte kurz die Faust, als wolle er sagen: "Seht her, wir leben noch."

Breitenrain-Trainer Markus Stoller wirkte nach dem Spiel ratlos. "Wir wollten kompakt stehen", murmelte er, "aber dann sind wir über unsere eigene Kompaktheit gestolpert." Sein Gegenüber Wild dagegen grinste breit: "Offensiv heißt bei uns, dass auch der Zeugwart mitstürmt, wenn’s sein muss. Heute war das fast zu viel des Guten."

Die Statistik sprach eine klare Sprache: 16 Torschüsse für Luzern, nur 6 für Breitenrain. Die Tacklingquote von 55 Prozent zugunsten der Gastgeber unterstreicht, wer die Zweikämpfe gewann. Und selbst die fast identische Ballbesitzverteilung zeigt, dass es nicht auf Prozentzahlen, sondern auf die Haltung ankommt - und die hieß bei Luzern: Angriffslust mit Stil.

In der Schlussphase gönnte sich Wild den Luxus, gleich mehrfach zu wechseln. Henry Roades kam für den starken Locklear, später durfte Nachwuchsmann Phillip Lavoie noch ein paar Minuten Erstligaluft schnuppern. "Ich hab noch nie vor so vielen Leuten gespielt", sagte der 19-Jährige mit großen Augen. "Ich glaub, ich hab beim Einlaufen das Atmen vergessen."

Kurz vor Schluss dann noch ein Schreckmoment: Morais’ Verletzung trübte die Stimmung leicht, doch selbst das konnte den Luzerner Feierabend nicht wirklich verderben. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit Standing Ovations, während ein paar Breitenrain-Spieler geduckt in Richtung Kabine verschwanden.

"Es gibt Tage, da funktioniert einfach alles - und dann gibt’s heute", sagte Stoller mit einem bitteren Lächeln.

Luzern dagegen schwebt auf Wolke Sieben - oder besser gesagt: auf Platz eins der guten Laune. Wenn sie so weitermachen, könnte die 1. Liga bald zu klein für sie werden.

Und irgendwo im Katakombenflur hörte man Trainer Wild leise pfeifen. Vielleicht war es Zufriedenheit, vielleicht einfach die Melodie eines Abends, an dem seine Mannschaft Fußball spielte, wie er sein sollte: mutig, frech und ein bisschen verrückt.

31.01.643994 13:26
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