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Es war ein kalter Februarabend in Luzern, aber 39.257 Zuschauer hatten sich davon nicht abhalten lassen, das Stadion zu füllen. Und sie sollten nicht enttäuscht werden - zumindest nicht am Ende. Blau-Weiss Luzern gewann am 34. Spieltag der 1. Liga Schweiz nach zähem Ringen mit 2:1 gegen den FC Kriens. Es war ein Spiel, das zeigte: Ballbesitz ist schön, Tore sind schöner. Die Anfangsphase gehörte klar den Gästen. Kriens ließ den Ball laufen, elegant wie ein Uhrwerk aus Zug - nur mit gelegentlichem Sand im Getriebe. Schon in der 9. Minute zappelte der Ball im Netz: Yves Sanci flankte butterweich von links, und Marc Fernandes köpfte mustergültig ein. 0:1. "Wir wollten Luzern früh den Schneid abkaufen", sagte Kriens-Trainer Ulrich Saathoff später. "Und für neun Minuten sah das auch ziemlich gut aus." Luzern dagegen wirkte, als hätte man die Taktiktafel mit einer Einkaufsliste verwechselt. Die Offensive war zwar laut Statistik "offensiv" angelegt, aber in der ersten Halbzeit blieb sie harmlos. Roger Römer, der flinke Linksaußen, prüfte Kriens-Keeper Franck Robert mehrmals, aber der hielt souverän. "Ich dachte, ich hätte ihn schon ausgespielt", grinste Römer nach dem Spiel, "aber der Typ hat Arme wie eine Windmühle." Kurz vor der Pause gab’s noch Gelb für Luzerns Innenverteidiger Jean-Pierre Carey - symptomatisch für eine Halbzeit, in der die Gastgeber meist einen Schritt zu spät kamen. 61,6 Prozent Ballbesitz für Kriens sprachen eine deutliche Sprache. Nach dem Tee änderte sich das Bild. Trainer Reinhard Wild hatte offenbar die richtigen Worte gefunden. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon nicht den Ball wollt, dann nehmt wenigstens das Spiel", verriet er mit einem Augenzwinkern. Und tatsächlich: Luzern legte den Schalter um. In der 62. Minute war es dann soweit. Der 17-jährige Phillip Lavoie, eben noch an der Seitenlinie von Wild lautstark ermahnt ("Phillip, kein Selfie, Ball spielen!"), bediente Roger Römer mustergültig, der aus kurzer Distanz zum 1:1 traf. Das Stadion tobte, Römer riss die Arme hoch, und man hatte das Gefühl, der Winter wäre plötzlich vorbei. Kriens versuchte zu antworten, doch ihre Passmaschine begann zu stottern. Statt klarer Kombinationen gab’s gelbe Karten und fragende Blicke. Olivier Dietz und Elias Berryer hatten sich ihre Verwarnungen schon in Halbzeit eins abgeholt, und nun musste das Team aufpassen, nicht noch dezimiert zu werden. Luzern hingegen roch den Sieg. Wild wechselte in der 60. Minute Piotr Chawanow ein - ein Joker, der später zum Helden werden sollte. "Der Trainer meinte, ich soll einfach laufen", sagte Chawanow nach dem Spiel. "Also bin ich gelaufen - und siehe da, es hat funktioniert." In der 89. Minute geschah, was die Luzerner Fans nie vergessen werden: Julien Achard spielte einen dieser eleganten Steckpässe, die im Lehrbuch unter "Traumpass" stehen. Chawanow nahm den Ball mit der Innenseite mit, schaute kurz auf und versenkte eiskalt ins rechte Eck. 2:1. Das Stadion explodierte. "Ich weiß gar nicht, was ich gefühlt habe", meinte Chawanow später. "Vielleicht Freude, vielleicht Kälte - wahrscheinlich beides." Trainer Wild umarmte seinen Matchwinner so fest, dass die Ersatzbank kurz nervös wurde. Die letzten Minuten waren dann ein einziger Abwehrkampf. Kriens, inzwischen leicht entnervt, kam kaum mehr gefährlich vor das Tor. Fernandes holte sich in der Nachspielzeit noch Gelb ab - sinnbildlich für einen Abend, der so gut begonnen hatte und dann in Luzerner Jubel endete. Die Statistik zeigte am Ende ein kurioses Bild: 61 Prozent Ballbesitz für Kriens, aber 17:3 Torschüsse für Luzern. "Wir hatten das Spiel im Griff", behauptete Saathoff trotzig. "Nur das Ergebnis nicht." Luzern-Coach Wild zog den Hut vor seiner jungen Mannschaft: "Wir waren nicht die Schönsten auf dem Platz, aber definitiv die Hartnäckigsten." Und dann fügte er mit einem Lächeln hinzu: "Wenn Roger jetzt noch trifft, ohne vorher fünfmal daneben zu schießen, wird’s gefährlich für die Liga." So endete ein Spiel, das alles hatte: frühe Hoffnung, späten Triumph - und eine Moral, die man sich merken sollte: In Luzern ist das Spiel erst vorbei, wenn Chawanow trifft. 25.04.643990 06:43 |
Sprücheklopfer
Ottmar Hitzfeld ist noch nie auf die Tribüne verbannt worden, ich auch nicht. Aber bei mir wird es sicher nicht mehr lange dauern.
Matthias Sammer