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Wer am Dienstagabend ins Kleinfeldstadion gekommen war, bekam für sein Ticket einiges geboten - zumindest, wenn man es mit Blau-Weiss Luzern hält. 36.000 Zuschauer erlebten beim 31. Spieltag der 1. Liga Schweiz einen Gastauftritt der Luzerner, der zwischen Effizienz, jugendlicher Unbekümmertheit und einem Schuss Frechheit pendelte. Am Ende hieß es 1:3 aus Sicht des FC Kriens - und das, obwohl die Gastgeber mehr Ballbesitz und fast ebenso viele Torschüsse hatten. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber sie haben’s entschieden", murmelte Krienser Angreifer Marc Fernandes nach Abpfiff, während er sich noch den Schweiß aus den Augen wischte. Kontrolliert war das tatsächlich, zumindest statistisch: 56 Prozent Ballbesitz, 13 Abschlüsse, viele davon gefährlich. Doch Blau-Weiss Luzern hatte das, was man in der Schweiz gern "kalte Schnauze" nennt. Das Spiel begann mit hoher Intensität. Schon in den ersten zehn Minuten prüften sowohl Jürgen Schaller als auch Dylan Bosworth die gegnerischen Keeper. Es roch nach einem offenen Schlagabtausch. Kriens kombinierte gefällig, Blau-Weiss konterte schnörkellos. Trainer Reinhard Wild, ein Mann, der seine Mannschaft lieber "mutig als schön" spielen lässt, hatte sein Team klar auf Angriff gepolt - offensiv, kurze Pässe, kein Pressing. "Pressing ist was für Leute mit zu viel Kaffee im Blut", grinste Wild später. Die Partie kippte kurz vor der Pause. In der 45. Minute fasste sich Linksverteidiger Jesus Langer ein Herz - und schoss aus 20 Metern trocken ins lange Eck. Vorlagegeber Piotr Chawanow reckte den Arm, als hätte er gerade das Champions-League-Finale gewonnen. Der Zeitpunkt war psychologisch perfekt: Kriens ging mit hängenden Köpfen in die Kabine. Nach dem Seitenwechsel schien der Gastgeber entschlossen, das Spiel zu drehen. Trainerstimme aus dem Off: "Wir wussten, dass wir mehr laufen müssen", berichtete ein erschöpfter Olivier Dietz. Und tatsächlich: Kriens drückte, rannte, schoss. In der 64. Minute war es dann soweit - Marc Fernandes traf nach Vorlage von Schaller. Das Stadion tobte, die Hoffnung war zurück. Doch diese Hoffnung hielt genau zwei Minuten. Blau-Weiss’ junger Flügelstürmer Roger Römer, 23 Jahre alt, sprintete auf der linken Seite durch, bekam einen Pass von Innenverteidiger Franck Stock (der mit Gelb vorbelastet war, aber offenbar auch gute Offensivinstinkte besitzt), und vollendete eiskalt zum 1:2. Der Jubel auf der Gästebank war so ausgelassen, dass der vierte Offizielle kurz überlegte, ob er eine Verwarnung verteilen sollte. Kriens versuchte danach noch einmal alles. Traineranweisungen hallten über den Platz - "Ball laufen lassen!" - "Wechsel die Seite!" - aber Blau-Weiss verteidigte clever, lauerte und wartete. Und als in der Nachspielzeit alle schon mit dem Abpfiff rechneten, schlug Robert Locklear zu. In der 93. Minute legte ihm der flinke Finn Hase den Ball auf, und Locklear versenkte ihn humorlos im Netz. 1:3 - Deckel drauf. "Das war kein Zufall, das war Arbeit", sagte Luzerns Trainer Wild nach dem Spiel mit verschmitztem Lächeln. "Wir trainieren solche Konter. Und wenn Jesus trifft, dann weißt du, es ist dein Abend." Die Statistik sprach am Ende eine interessante Sprache: 14 Torschüsse für Blau-Weiss, 13 für Kriens - also fast Gleichstand. Aber während Kriens seine Chancen eher als "Annäherungsversuche" verstand, verwandelten die Gäste eiskalt. Auch der Ballbesitzvorteil half den Kriensern nicht weiter. Zwei Gelbe Karten für die Luzerner (Stock in der 41., Hougaard in der 83.) zeigten immerhin, dass sie sich den Sieg nicht kampflos erspielt hatten. Und noch eine Randnotiz: Das Debüt des 17-jährigen Henri Diarra in der 77. Minute sorgte auf der Trainerbank für Applaus. "Der Junge hat keine Angst, der könnte morgen Matheprüfung schreiben und würde trotzdem in den Winkel schießen", scherzte Wild. Für Kriens bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. "Wir waren die bessere Mannschaft", beharrte Trainer Müller (nicht ganz überzeugend) in der Pressekonferenz. "Aber manchmal gewinnt halt die Glücklichere." Glücklich? Vielleicht. Clever? Ganz sicher. Ein Spiel, das zeigte, dass Fußball nicht immer gerecht ist - aber manchmal wunderschön gemein. Und irgendwo in Luzern dürfte am Abend noch jemand gedacht haben: Wenn Jesus, Roger und Robert treffen, war das wohl himmlisch geplant. 03.09.643993 03:07 |
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Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
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