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Es war ein Valentinstag, wie ihn sich Reinhard Wild, Trainer von Blau-Weiss Luzern, sicher anders vorgestellt hatte. Statt Rosen regnete es Tore - allerdings vor allem in das falsche Netz. 2:4 (2:3) hieß es am Ende im heimischen Stadion vor 45.640 Zuschauern, die sich nach 90 Minuten zwischen Fassungslosigkeit und Galgenhumor wiederfanden. Dabei fing alles an wie ein Liebesmärchen. In der 20. Minute zirkelte Julien Achard, der Mittelfeldtaktgeber der Luzerner, nach feinem Doppelpass mit Dylan Bosworth den Ball in den Winkel - 1:0, die Tribüne tobte. Nur zwei Minuten später legte Roger Römer eiskalt nach, bedient von Rechtsaußen Robert Locklear, und es schien, als könnten die Gastgeber an diesem Abend nichts falsch machen. "Da dachte ich, jetzt läuft’s endlich mal!", grinste Wild später bitter. Doch nur wenige Momente später begann der Albtraum in Blau-Weiss. Domingo Morales, der bullige Mittelstürmer des FC Schötz, hatte offenbar beschlossen, dass der Valentinstag auch sein Tag werden sollte. In der 26. Minute wuchtete er per Kopf eine Flanke von Javier Capone ins Netz - 2:1. Zwei Minuten später traf er erneut, diesmal nach Vorlage von Eskil Sundström. Morales reckte die Faust, während Luzerns Abwehr kollektiv nach der Abseitsfalle suchte, die es nie gegeben hatte. "Ich hab einfach gespürt, dass heute alles reingeht", sagte Morales später mit einem breiten Grinsen. Und er sollte recht behalten - zumindest für seine Mannschaft. Denn kaum hatten sich die Luzerner wieder sortiert, kam auch schon der nächste Schlag: Mario Chalana zimmerte nach 36 Minuten den Ball unhaltbar ins Eck, erneut auf Zuspiel des überragenden Sundström. 2:3 - das Spiel war komplett gedreht. Kurz vor der Pause brüllte Trainer Wild seine Defensive zusammen: "Wir spielen hier nicht Hallenfußball!" Doch der Weckruf kam zu spät. Mit gesenkten Köpfen schlichen seine Spieler in die Kabine, während FC-Schötz-Coach Roland Kunz bei einer Tasse Kräutertee angeblich nur sagte: "Lasst sie ruhig kommen. Wir haben Morales." Und tatsächlich - kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, schlug Schötz wieder zu. Der junge Olivier Brongniart, gerade mal 20, traf in der 46. Minute nach feiner Vorarbeit von Philippe Beier. 2:4, und das Stadion verstummte. Ab da war es ein Spiel der verpassten Chancen. Luzerns Robert Mantovani prüfte Schötz-Keeper Joao Albacar gleich dreimal (57., 59., 62.), doch der portugiesische Routinier hielt, als hätte er die Handschuhe mit Sekundenkleber bestrichen. "Ich dachte schon, der muss doch irgendwann mal loslassen", stöhnte Mantovani nach dem Abpfiff. Stattdessen ließ Albacar nichts anbrennen, und auch die Einwechslungen von Joseph Carr (62.) und Finn Hase (73.) brachten keine Wende. Als ob es nicht schon bitter genug war, sahen Jesus Langer (41.) und Dylan Bosworth (74.) Gelb - eher aus Frust als aus Notwendigkeit. Nur Philippe Beier von Schötz erwischte es in der Nachspielzeit ebenfalls mit einer Verwarnung, offenbar weil er nach einem Foul noch freundlich applaudierte. Die Statistik erzählte am Ende die ganze Geschichte: 42 Prozent Ballbesitz für Luzern, 58 Prozent für Schötz; acht zu neun Torschüsse, doch die Gäste nutzten ihre Chancen eiskalt. "Wir waren zu naiv", resümierte Wild nachdenklich. "Sie spielen lange Bälle, wir spielen schöne. Aber schön hilft halt nicht, wenn der Gegner trifft." Kunz dagegen lächelte verschmitzt: "Wir haben gemacht, was wir können - laufen, kämpfen, treffen. Das reicht manchmal." Der Schiedsrichter pfiff ab, und während die Luzerner Fans ihre Schals enger zogen, feierten die gut 500 mitgereisten Schötzer eine Gala der Effizienz. Morales wurde auf den Schultern getragen, Chalana grinste in alle Kameras, und Brongniart, der Jüngste, sagte nur: "Ich hab einfach draufgehalten. Ging halt rein." Blau-Weiss Luzern bleibt damit auf der Suche nach der eigenen Balance zwischen Schönheit und Ergebnis. Vielleicht wäre es diesmal besser gewesen, weniger auf Romantik und mehr auf Robustheit zu setzen. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen trocken bemerkte: "Wir führen 2:0 und verlieren 2:4 - das ist schon fast Kunst." Ein bitteres, aber lehrreiches Kapitel für Luzern. Und der FC Schötz? Der nimmt drei Punkte mit, dazu eine Menge Selbstvertrauen - und vielleicht auch ein paar gebrochene Herzen auf der Gegenseite. 19.08.643990 00:15 |
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Berti Vogts