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Es war ein Abend, wie ihn der "Marakana" in Belgrad liebt: Flutlicht, 57.732 Zuschauer, viel Lärm, ein wenig Pathos - und am Ende ein 4:0, das in seiner Deutlichkeit selbst den hartgesottensten Optimisten unter den Zvezda-Fans zum Grinsen brachte. FK Novi Sad durfte sich immerhin rühmen, zeitweise den Ball gesehen zu haben - 47,3 Prozent Ballbesitz sprechen für ein gewisses Mitspielen. Nur leider: Mitspielen ist nicht gleich mitreden, schon gar nicht im Stadion Rajko Mitić. Von Beginn an war klar, wer hier das Drehbuch schrieb. Schon in der 12. Minute ließ Joel Stack, der flinke Linksaußen mit der Frisur eines Rockgitarristen, die Heimfans toben. Nach einem beherzten Vorstoß von Rechtsverteidiger Darko Paunovic zog Stack aus spitzem Winkel ab - der Ball küsste die Unterkante der Latte und landete im Netz. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Stack später, "der Ball wollte wohl auch mal feiern." Novi Sad wankte, Crvena Zvezda roch Blut. In der 31. Minute folgte das 2:0 - diesmal über links vorbereitet, aber von rechts vollendet. Stack legte mustergültig quer, und der 19-jährige James Rodriguez (nicht *der* Rodriguez, aber fast so elegant) drückte den Ball über die Linie. Trainer Don Dirigente sprang an der Seitenlinie wie ein Teenager: "Das war Fußball, kein Zufall. Genau so üben wir’s - naja, meistens." Mit 2:0 ging’s in die Halbzeit, und die Fans sangen sich in Ekstase. Novi Sad-Trainer (dessen Gesicht zunehmend die Farbe seiner Auswärtsleibchen annahm) versuchte in der Pause offenbar, seiner Mannschaft Mut zu machen. Aber kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, klingelte es wieder. In der 46. Minute verlängerte Mittelstürmer Zivojin Bisevac clever, und Rene Celine, der 32-jährige Routinier mit der Körpersprache eines Haudegens, schob eiskalt zum 3:0 ein. "Da war das Spiel eigentlich durch", meinte Dirigente später und nahm genüsslich einen Schluck Wasser, als wolle er sagen: Wir können auch gnädig sein. Doch seine Spieler waren anderer Meinung. Novi Sad kam zwar zu ein paar Gelegenheiten - fünf Torschüsse insgesamt, die meisten eher freundliche Grüße an den jungen Keeper Ognjen Stepanov, der zur Halbzeit für Alberto Escudero kam. Ein Schuss von Antip Semjonow in der 58. Minute brachte immerhin ein Raunen, und auch Tikhon Petrow prüfte Zvezdas Nerven kurz. Doch am Ende blieb alles harmlos, wie ein Sturm im Wasserglas. In der 79. Minute musste James Rodriguez verletzt runter - "nur ein Schlag", wie er später betonte. "Ich wollte eigentlich weiterspielen, aber der Doc sah das anders." Seine Kollegen ließen sich davon nicht beirren. Rene Celine, längst Publikumsliebling, setzte in der 96. Minute den Deckel drauf. Nach Vorarbeit des eingewechselten Igor Vukomanovic zimmerte er den Ball humorlos ins Eck. 4:0, Feierabend. Die Statistik erzählte dieselbe Geschichte: 15 Torschüsse für Zvezda gegen 5 von Novi Sad, 52,7 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die so eindeutig waren, dass selbst der Laptop des Statistikers kurz Applaus spendete. Einziger Wermutstropfen: die Gelbe Karte für Linksverteidiger Sreto Pantelic in der 83. Minute. Der junge Mann grinste danach verschmitzt: "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch da bin." Während die Fans noch bengalische Herzen in den Himmel malten, trat Dirigente vor die Kameras - sichtlich zufrieden, aber mit dem typischen Trainerblick, der immer etwas zu meckern findet. "Wir haben gut gespielt, könnten aber noch zielstrebiger sein. Vier Tore sind schön, aber ich mag runde Zahlen", witzelte er. Novi Sads Kapitän Dragan Tosic nahm das Ergebnis mit Galgenhumor: "Wir wollten mutig auftreten - tja, manchmal ist Mut halt einfach Dummheit mit einem Ball." So endete ein Abend, der in Belgrad wohl noch lange besungen wird. Vier Tore, vier Torschützenjubel, und ein Publikum, das seine Mannschaft feierte, als stünde der Titel schon fest. Und wer weiß - vielleicht war das ja tatsächlich ein kleiner Vorgeschmack darauf. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn Crvena Zvezda so weiterspielt, braucht Trainer Dirigente bald keine Taktiktafel mehr, sondern nur noch ein Megafon, um den Fans zu sagen: "Holt schon mal den Champagner!" 19.11.643990 13:34 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack