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Wenn man in Basel vom "Derby" spricht, dann weiß jeder, was gemeint ist: Rot-Blau gegen Old Boys - das ewige Duell um Ruhm, Stolz und die Vorherrschaft am Rheinknie. Und auch an diesem frostigen Februarabend im St. Jakob-Park kochte die Stadt: 43.500 Zuschauer, ein Flutlicht, das heller brannte als mancher Instagram-Filter, und zwei Teams, die sich nichts, aber auch gar nichts schenkten. Am Ende jubelten die Old Boys - 3:2 hieß es nach 90 intensiven Minuten, die eher wie zwei Stunden wirkten. Schon die ersten 20 Minuten hatten mehr Action als so mancher Netflix-Blockbuster. Philippe Marceau brachte Rot-Blau Basel nach zehn Minuten in Führung - ein wuchtiger Schuss aus halbrechter Position, vorbereitet vom aufgerückten Innenverteidiger Fotios Nikolopoulos, der offenbar kurz vergessen hatte, dass er eigentlich Verteidiger ist. "Ich dachte, wenn ich schon vorne bin, kann ich ja auch was Nützliches tun", grinste er nach dem Spiel in die Mikrofone. Doch kaum hatten die Heimfans Luft zum Jubeln geholt, stand es schon wieder 1:1. Eine Minute später egalisierte Dimas Miguel für die Old Boys, nach feiner Vorarbeit von Akif Tekke. Die Gäste, offensiv eingestellt und mit viel Mut, hatten Blut geleckt. Trainer André Marsmann, sonst ein Mann der stoischen Ruhe, sprang wild gestikulierend an der Seitenlinie herum. "Wir wollten Basel zeigen, dass alt nicht gleich langsam heißt", sagte er später mit einem Augenzwinkern. Das Spiel blieb turbulent. In der 14. Minute legte Simone Altomonte für Rot-Blau nach, nach schöner Kombination über Gerard Roorback - 2:1. Die Heimkurve tobte, Bierbecher flogen, und mancher glaubte schon an einen Spaziergang für Rot-Blau. Doch Old Boys antwortete erneut prompt: Drei Minuten später glich Sören Christensen aus, nach Vorarbeit des quirlig-schnellen Tzipi Chouraqui, der an diesem Abend wohl eine eigene Postleitzahl im gegnerischen Strafraum hatte. Mit 2:2 ging es in die Pause - und ehrlich gesagt, hätte es auch 4:4 stehen können. Die Statistik zur Halbzeit: Rot-Blau mit 56 Prozent Ballbesitz, die Old Boys dafür mit klareren Chancen. 8:12 Torschüsse standen am Ende des Abends - das sagt viel über die Effizienz der Gäste aus. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild: Rot-Blau übernahm mehr Kontrolle, presste spät, aber intensiv. Trainer Kevin Keegan, gewohnt charmant und leicht britisch verschmitzt, erklärte später: "Wir wollten das Spiel beruhigen - leider beruhigte sich nur unser Offensivspiel." Die Old Boys ließen sich indes nicht aus der Ruhe bringen. Marsmann brachte in der 60. Minute frische Kräfte: Joan Almeida kam für den jungen Samuel Stanton, Olivier Duchesne ersetzte Christensen. Und genau dieser Duchesne sollte später noch auffallen - allerdings nicht positiv: In der 82. Minute sah er Gelb, nachdem er Ezequiel Aguas mehr umarmte, als tackelte. "Ich wollte nur den Ball", rief er entschuldigend, während der Schiedsrichter schon die Karte zückte. Die entscheidende Szene aber spielte sich in der 79. Minute ab. Wieder war es Dimas Miguel, der Rechtsaußen mit der Präzision eines Uhrmachers. Nach einem schnellen Doppelpass mit - wie sollte es anders sein - Tzipi Chouraqui, zog er aus 20 Metern ab. Der Ball schlug unhaltbar im rechten Eck ein. 3:2 für die Old Boys, und diesmal blieb der Jubel endgültig auf der falschen Rheinseite hängen. Rot-Blau warf in der Schlussphase alles nach vorne - sogar der Innenverteidiger Nikolopoulos versuchte sich noch als Stürmer (wieder). Doch Keeper Kevin Beer im Tor der Old Boys hielt, was zu halten war. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass mich der Ball trifft", lachte Beer nach Abpfiff. Als der Schiedsrichter schließlich abpfiff, lagen sich die Old Boys in den Armen, während Keegan kopfschüttelnd in den Basler Nachthimmel starrte. "Wir hatten das Spiel zweimal in der Hand - und haben es dreimal verschenkt", murrte er. Eine treffende Zusammenfassung. Die Fans beider Lager verabschiedeten ihre Teams mit Applaus - und ein paar gut gemeinten Frotzeleien über den Zaun hinweg. Es war ein Derby, wie man es in Basel liebt: leidenschaftlich, voller Tempo und mit einer Prise Chaos. Fazit: Rot-Blau spielte schöner, Old Boys spielte klüger. Und Dimas Miguel dürfte sich mit seinem Doppelpack einen Platz im Stadtmythos gesichert haben. Vielleicht nennt man ihn bald "den Mann, der Basel spaltete". Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn’s immer so zugeht, können sie meinetwegen jeden Sonntag Derby spielen." Da klang mehr Begeisterung als Ironie mit - und das will in Basel etwas heißen. 21.03.643990 12:18 |
Sprücheklopfer
Wir haben die Chancenverwertung nicht verwertet.
Andreas Brehme