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Wenn Fußball ein Spiel der Gerechtigkeit wäre, hätte Rot-Blau Basel am Samstagabend mindestens einen Punkt verdient. Aber Fußball ist bekanntlich kein Gerichtssaal, sondern eine Bühne für Drama, Zufall und - an diesem 5. Spieltag der 1. Liga Schweiz - für den eiskalten Robert Mantovani. Der Luzerner Mittelstürmer traf zweimal (10./63. Minute) und legte mit seiner Kaltschnäuzigkeit den Grundstein für den 3:1-Auswärtssieg von Blau-Weiss Luzern. Das dritte Tor steuerte Diego Giuliani nur zwei Minuten nach Mantonovanis zweitem Treffer bei (65.), während Bruno Fernandes Basels zwischenzeitlicher Hoffnungsträger war (37.). Die 43.500 Zuschauer im ausverkauften St.-Jakob-Park hatten kaum Platz auf ihren Sitzflächen gefunden, da zappelte der Ball schon im Netz. Mantovani, der Mann mit der Frisur eines Rockstars und der Effizienz eines Schweizer Uhrwerks, vollendete einen Pass von Dylan Bosworth eiskalt. Basels Torhüter Olivier Van Hoyweghen streckte sich vergeblich - 0:1 nach zehn Minuten. Trainer Kevin Keegan raufte sich das Haar, das ohnehin nicht mehr viel Spielraum für Verzweiflung ließ, und brüllte in Richtung seiner Abwehr: "Wir wollten doch heute defensiv stehen, nicht dekorativ!" Basel reagierte, wie man es von einer Heimmannschaft erwartet, die sich den Abend anders vorgestellt hatte: mit Wut, Tempo und 16 Torschüssen. Bruno Fernandes, der beste Basler an diesem Abend, prüfte Luzerns Keeper Lasse Rauch gleich mehrfach - in der 8., 12. und 20. Minute klatschte der Ball an Handschuhe, Latte und einmal sogar ans Außennetz. Und als Dominique Lancaster in der 37. Minute eine Flanke mustergültig an den zweiten Pfosten zirkelte, war Fernandes zur Stelle. Volley, flach, präzise - 1:1. Der Jubel war ohrenbetäubend, und Keegan rief lächelnd: "Endlich mal einer, der aufs Tor schießt und nicht auf den Mond!" Mit diesem Spielstand ging es in die Pause, doch wer glaubte, Basel würde nun aufdrehen, irrte. Nach dem Seitenwechsel blieb zwar der Ballbesitz leicht auf Basler Seite (52,5 Prozent), doch die Luzerner wirkten gefährlicher. Trainer Reinhard Wild hatte offenbar die richtigen Worte gefunden: "Wir spielen weiter mutig, aber bitte nicht wieder quer über den halben Platz, Julien!", soll er seinem Mittelfeldmann Achard zugerufen haben. Und dann kam Mantovani wieder. In der 63. Minute war er zur Stelle, als Giuliani von rechts flankte - wuchtig, kompromisslos, 1:2. Zwei Minuten später revanchierte sich Mantovani mit einem feinen Hackenpass auf Giuliani, der den Ball humorlos in die linke Ecke drosch. 1:3, und Basel schaute sich verdutzt an wie ein Schüler, der glaubt, die Prüfung sei morgen. Basel wechselte, rannte, schoss - aber traf nicht mehr. Keegan brachte Cafer Sentürk (65.) und Jozef Fort (62.), doch der frische Wind blieb aus. Luzern verteidigte clever, manchmal sogar mit einem Hauch von Zynismus. "Wir wussten, dass Basel mehr Ballbesitz haben würde", meinte Luzerns Kapitän Marcel Benveniste später, "aber Ballbesitz gewinnt keine Spiele - Tore schon." Die Schlussphase war ein Spiegel des gesamten Abends: Basel versuchte verzweifelt, den Rückstand zu verkürzen, Fernandes drosch noch einmal in der 86. Minute auf das Tor, Stig Fjortoft köpfte knapp drüber. Lasse Rauch, Luzerns Keeper, rettete mehrfach mit akrobatischen Paraden - und hatte am Ende wohl mehr Bodenberührungen als ein Staubsaugerroboter. Nach dem Abpfiff schüttelte Keegan den Kopf, als hätte er gerade die Lottozahlen verpasst: "Wenn man 16 Mal aufs Tor schießt und nur einmal trifft, dann braucht man keinen Analysten, sondern einen Psychologen." Sein Gegenüber Wild grinste nur: "Wir hatten sieben Schüsse, drei Tore - Effizienztraining wirkt eben." Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus. Basel hatte gekämpft, Luzern hatte gewonnen. Und irgendwo auf der Tribüne rief ein Fan: "Kein Problem, Jungs - wir üben einfach noch ein bisschen Zielen!" Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - nicht, weil es gerecht war, sondern weil es zeigte, dass Fußball manchmal ein grausamer, aber herrlich spannender Geschichtenerzähler ist. Mantovani wird sich jedenfalls noch lange an diesen Abend erinnern - und Basel wohl auch. 15.07.643990 06:48 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath