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Wenn 42.307 Zuschauer an einem frostigen Februarabend ins St. Jakob-Park pilgern, darf man getrost von einem gesunden Optimismus sprechen. Nach 90 Minuten wussten sie: Dieser Optimismus war berechtigt. Rot-Blau Basel zerlegte den FC Breitenrain am 34. Spieltag der 1. Liga Schweiz mit 6:2 (3:0) - und das auf eine Weise, die irgendwo zwischen Zaubershow und Lehrfilm für Offensivfußball pendelte. Schon nach acht Minuten klingelte es erstmals: Tom Schubert, der linke Wirbelwind, zog nach innen, suchte - und fand - die Lücke. "Ich hab einfach mal draufgehalten, weil die Finger schon kalt waren", grinste er nach dem Spiel, während ihm ein Kollege eine Wärmflasche reichte. Basel legte keinen Gang runter, im Gegenteil. In der 17. Minute servierte Cafer Sentürk, der Regisseur im Zentrum, mit einem butterweichen Pass auf Christian Mann. Dessen Schuss schlug ein, und man hatte das Gefühl, er habe dabei noch Zeit gehabt, sich die Schuhe zu binden. Fünf Minuten später das nächste Kabinettstück: Wieder Sentürk, diesmal auf Amit Alberman - und wieder zappelte der Ball im Netz. 3:0 nach 22 Minuten, und Trainer Kevin Keegan brüllte an der Seitenlinie: "Nicht nachlassen!" Als ob da jemand daran gedacht hätte. Breitenrain versuchte, sich in die Partie zu kämpfen, hatte mit 47 Prozent Ballbesitz sogar respektable Werte, aber gegen Basels 24 Torschüsse war das so wirksam wie ein Regenschirm im Schneesturm. Die Gäste kamen immerhin auf elf Abschlüsse, meist dann, wenn Basel kurz durchatmete. Kurz vor der Pause kassierte Alberto Di Calabria eine Gelbe Karte, nachdem er Sentürk den Ball samt Schienbein abräumte. "Ich wollte nur den Ball", verteidigte er sich später, um dann mit einem Augenzwinkern nachzuschieben: "Aber der Ball wollte offenbar nicht mich." Nach dem Seitenwechsel wurde es nicht besser für die Gäste. In der 49. Minute traf erneut Christian Mann, diesmal nach Vorlage von Ezequiel Aguas. Mann war in dieser Phase allgegenwärtig, rannte, schoss, dirigierte - und feierte schließlich in der 61. Minute noch seinen Hattrick, wieder von Aguas bedient. Dazwischen, in der 57. Minute, hatte Jens Andreassen per Kopf das 5:0 markiert. "Ich habe nur die Stirn hingehalten", sagte der Norweger bescheiden. "Aber ehrlich gesagt: Das war die beste Stirn meines Lebens." Breitenrain kam in der 58. Minute durch Lionel Manu zu einem Ehrentreffer, nachdem Mario Figo von links butterweich flankte. Das Publikum applaudierte fair, und selbst Keegan nickte anerkennend. "Manu hat da gezeigt, was in ihm steckt. Leider nicht in meinem Team", meinte er später mit britischem Humor. Manu traf in der 72. Minute sogar ein zweites Mal - diesmal nach einem langen Ball von Verteidiger Donahue. Da stand es 6:2, und Basel hatte den Fuß schon halb vom Gas. Aber selbst in dieser Phase zauberten sie noch: Aguas tanzte, Sentürk verteilte Zuckerpässe, und der eingewechselte Marian Petrow prüfte den Torhüter mehrfach, als wolle er ihm die Handschuhe ruinieren. Bei Breitenrain wechselte Trainer Markus Stoller in der Pause doppelt, brachte mit Berryer und Manu frische Beine, doch die Basler Dominanz blieb erdrückend. "Wir haben offensiv gespielt, wie wir es uns vorgenommen hatten", erklärte Stoller nach der Partie, "nur leider nicht in der richtigen Hälfte." Die Statistiken unterstreichen das Spektakel: 52 Prozent Ballbesitz für Basel, 24 zu 11 Torschüsse, eine Zweikampfquote von 54 Prozent. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Gastgeber jederzeit noch ein paar Tore hätten drauflegen können, wenn sie gewollt hätten. Torhüter Olivier Van Hoyweghen verabschiedete sich in der 56. Minute unter Applaus - für ihn kam Edvard Dahlin ins Tor. "Ich hatte kaum was zu tun", sagte Van Hoyweghen lachend. "Ich hab mehr gefroren als gehalten." Am Ende blieb ein Abend, der in Basel noch lange besprochen werden dürfte: ein überragender Christian Mann mit drei Treffern, ein glänzender Cafer Sentürk als Vorlagengeber und ein Team, das selbst bei 6:2 noch Lust hatte, auf den Flügeln zu fliegen. Trainer Keegan fasste es trocken zusammen: "Das war kein perfektes Spiel. Aber wenn man sechs Tore schießt, darf man über die Unvollkommenheit ruhig mal lächeln." Und die Fans? Sie sangen sich den Frost aus den Knochen - und hatten nach diesem Spektakel wahrscheinlich noch genug Energie, um den Heimweg tanzend anzutreten. 25.04.643990 06:45 |
Sprücheklopfer
Ottmar Hitzfeld ist noch nie auf die Tribüne verbannt worden, ich auch nicht. Aber bei mir wird es sicher nicht mehr lange dauern.
Matthias Sammer