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Es war einer dieser kühlen Januarabende, an denen der Atem sichtbar ist und die Hoffnung auf Tore lange unsichtbar bleibt. 43.500 Zuschauer hatten sich im Basler Stadion versammelt, um am 15. Spieltag der 1. Liga Schweiz zu sehen, ob "Rot-Blau Basel" den heimischen Rasen wieder zur Festung machen kann. Gegner: der FC Brugg, jung, forsch, aber mit mehr Mut als Fortune. Am Ende stand ein schmales, aber gefeiertes 1:0 - ein Ergebnis, das so knapp war, wie es nur der Fußball zulässt. Die Partie begann schwungvoll, fast übermütig. Schon in der ersten Minute prüfte Jacek Fuhl den Brugg-Keeper mit einem Distanzschuss, der mehr Symbolcharakter als Gefahr hatte. "Ich wollte einfach mal zeigen, dass wir da sind", grinste Fuhl nach dem Spiel. Und Basel war da - zumindest auf den Flügeln. Besonders Simone Altomonte wurde zum Dauerbrenner in der Brugger Hälfte: Schuss in der 6., 23., 31., 37. und 38. Minute - das Publikum begann irgendwann, seine Versuche zu zählen wie ein Trinkspiel. Doch jedes Mal fehlten Zentimeter oder das Glück. Trainer Kevin Keegan, der englische Gentleman an der Basler Seitenlinie, blieb gelassen. "Simone braucht manchmal fünf Versuche, um den sechsten richtig zu treffen. Heute hat er halt den Ball lieber anderen überlassen", sagte er mit einem Augenzwinkern. Die Gäste aus Brugg hielten dagegen - und das gar nicht schlecht. Der 18-jährige Daniel Ames prüfte Basels Schlussmann Olivier Van Hoyweghen mit einem frechen Schlenzer (11.), und Routinier Fabian Müller zwang ihn später zu einer Glanzparade (15.). Brugg zeigte trotz nur 47,9 Prozent Ballbesitz und einem klaren Altersgefälle (die halbe Mannschaft sah noch nach Schülerpraktikum aus) eine beachtliche Portion Mut. Dann der Schreckmoment in der 54. Minute: Bruggs junger Innenverteidiger Frederic Rupp blieb nach einem Zweikampf liegen. Diagnose: Verdacht auf Bänderdehnung. Er wurde unter Applaus ausgewechselt - Stanislav Gancarczyk kam für ihn. Trainer Stefan Schreiner wirkte kurz besorgt, dann wieder trotzig: "Wir haben keinen Platz für Mitleid. Nur für Punkte. Leider haben wir heute beides nicht bekommen." Lange schien das Spiel auf ein torloses Unentschieden zuzusteuern. Beide Teams neutralisierten sich, Basel mit leichtem Übergewicht (52 Prozent Ballbesitz), Brugg mit etwas mehr Biss. Doch in der 78. Minute brach der Bann: Ingo Oliveira, bis dahin eher unauffällig auf der rechten Seite, fasste sich nach einem Zuspiel von Jean Barnier ein Herz - und traf. Nicht wuchtig, nicht spektakulär, sondern einfach präzise. Der Ball schlug flach ins linke Eck ein, während Brugg-Keeper Luka Cvitanovic nur noch hinterherblickte. "Ich hab ihn gar nicht richtig gesehen, ich hab ihn nur gespürt", sagte Oliveira später lachend. "Jean hat mir den Ball perfekt gelegt, und ich dachte: Wenn ich jetzt nicht schieße, krieg ich von Kevin Ärger." Keegan bestätigte das mit einem breiten Grinsen: "Er weiß, dass ich ihn sonst zum Laufen schicke - bergauf." Die Schlussphase wurde wild. Brugg warf alles nach vorne, brachte sogar den 19-jährigen Ersatztorhüter Philippe Rochefort für Cvitanovic - wohl mehr aus taktischer Verzweiflung als aus Not. In der Nachspielzeit (93.) hatte Dennis Jop die große Chance zum Ausgleich, doch Van Hoyweghen tauchte blitzschnell ab und rettete den Sieg. "Den hab ich gerochen", sagte der Keeper stolz. Statistisch war das Spiel ein Spiegelbild des Ergebnisses: Basel mit 12 Schüssen aufs Tor, Brugg mit 10. Kein Team dominierte klar, aber Basel hatte das eine entscheidende Moment. Das Publikum feierte, als hätte man gerade den Titel geholt. Nach dem Abpfiff schüttelten sich Keegan und Schreiner die Hände - sportlich, aber mit unterschiedlicher Mimik. "Wir haben heute gelernt, dass Dominanz nichts zählt, wenn man das Netz nicht trifft", sagte Schreiner. Keegan konterte charmant: "Und wir haben gelernt, dass Geduld manchmal schöner trifft als der Stürmer." Als die Fans langsam in die frostige Nacht strömten, hallte noch Olivieras Name durch die Gänge. Ein 1:0, das in keinem Lehrbuch der Fußballkunst stehen wird - aber in den Herzen der Basler Fans. Und irgendwo in Brugg wird ein 18-jähriger Verteidiger gerade schwören, dass er beim Rückspiel kein Tor mehr zulässt. Ein knapper Sieg, ein hartes Stück Arbeit - und ein Spiel, das wieder einmal bewies: Auch im Winter kann Fußball hitzig sein. 30.06.643987 10:40 |
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