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Es war ein Abend, an dem selbst der Schnee über Zürich ins Schwitzen kam. 25.543 Zuschauer im Letzigrund sahen ein 3:4-Spektakel zwischen Rot-Weiss Zürich und Rot-Blau Basel, das mehr an ein Tischfeuerwerk als an taktische Feinarbeit erinnerte. Tore im Fünf-Minuten-Takt, Gelbe Karten, wütende Trainer und ein Basler Team, das aus jeder Flanke Kapital schlug - der 33. Spieltag der 1. Liga Schweiz bot alles, was der geneigte Fußballfreund liebt (und der Trainer hasst). Schon nach fünf Minuten zappelte der Ball im Netz: Tom Schubert, der Basler Flügelflitzer mit der Geschwindigkeit eines ICE, vollendete nach Vorlage von Simone Altomonte zum 0:1. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Schubert später, "aber dann dachte ich: Ach, warum nicht gleich einschweißen?" Zürichs Torwart Hugo Coelho blickte irritiert in den Nachthimmel, als suche er nach einer Erklärung - oder der Flanke. Basel blieb weiter auf Angriff gestellt, wie es Kevin Keegan, ihr Trainer mit dem charmanten Hang zur Offensive, wohl schon vor Anpfiff befohlen hatte. In der 20. Minute erhöhte Jean Barnier nach feinem Doppelpass mit Jacek Fuhl auf 0:2. Kaum hatte das Publikum den Schock verdaut, da schlug Zürich zurück: Marcio Mocana vollendete in der 23. Minute nach Vorarbeit von Marjan Dragutinovic zum 1:2. Der Jubel war laut, die Hoffnung kurz - denn nur eine Minute später legte Kian McGeady nach Mocanas Vorlage das 2:2 nach. "Da dachte ich, jetzt kippt das Spiel", meinte Zürichs Trainer Ha Luncke nach der Partie. "Doch dann haben wir vergessen, dass man nach dem Ausgleich auch verteidigen darf." Basel nahm die Einladung dankend an. Wieder Jean Barnier (28.) mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe, und kurz vor der Pause (44.) erneut Schubert nach Bedienschein von Barnier - 2:4 zur Halbzeit. Der Gästeblock sang, der Heimblock schwieg, und Luncke soll in der Kabine gefragt haben: "Hat jemand gesehen, wo unsere Abwehr hingegangen ist?" Die zweite Halbzeit begann mit einer Auswechslung, die Keegan später als "strategischen Energieaustausch" bezeichnete: Gerard Roorback wich Cafer Sentürk, später kam Marian Petrow für Doppeltorschütze Schubert. Die Statistik spricht Bände: 18 Torschüsse Basels gegenüber 10 der Zürcher - und das, obwohl Zürich mit 52 Prozent den höheren Ballbesitz hatte. Es war der Beweis, dass man den Ball auch lieben kann, ohne mit ihm etwas Sinnvolles anzustellen. Basel spielte weiter schnörkellos über die Flügel, Zürich versuchte es mit gepflegtem Kurzpassspiel - und lief sich fest. Erst in der 80. Minute flackerte Hoffnung auf: Nael Ramiro, der junge Rechtsaußen, traf nach Kopfballverlängerung von Carlos de Vivar zum 3:4. Das Stadion tobte, selbst die Ersatzspieler sprangen wie Popcorn an der Seitenlinie. "Ich dachte, wir schaffen das noch", sagte Ramiro später. "Aber Basel hat halt einfach keine Lust auf Happy Ends - außer ihre eigenen." Die Schlussminuten gehörten den Emotionen: Gelbe Karten für Fotios Nikolopoulos (68.) und Ezequiel Aguas (94.), viel Gestik, wenig Struktur. Basel verteidigte mit allem, was Beine hatte, Zürich rannte mit allem, was noch konnte. In der Nachspielzeit versuchte Ramiro es noch einmal aus spitzem Winkel - Van Hoyweghen im Basler Tor streckte sich wie eine Katze im Morgengrauen und verhinderte den Ausgleich. "Das war kein Spiel für schwache Nerven", meinte Keegan nach dem Abpfiff lachend. "Wir wollten offensiv auftreten - und das haben wir getan. Vielleicht ein bisschen zu sehr." Sein Gegenüber Luncke hingegen rang um Fassung: "Man kann nicht jedes Mal vier Tore kassieren und hoffen, dass der Himmel hilft. Heute hat er Basel geholfen." Am Ende blieb ein Spiel, das mehr an einen offenen Schlagabtausch erinnerte als an taktische Raffinesse. Barnier und Schubert als Doppeltorschützen, Mocana, McGeady und Ramiro als Zürcher Hoffnungsträger - und ein Publikum, das trotz Niederlage zufrieden nach Hause ging. "Wir kamen wegen des Fußballs", sagte ein Fan beim Hinausgehen, "und bekamen ein Feuerwerk. Leider brannte es auf der falschen Seite." Ein Fazit mit Augenzwinkern: Basel bleibt der Albtraum für Zürcher Defensivträume, und wer in dieser Liga Punkte gegen Keegan holen will, sollte vielleicht anfangen, schon beim Anpfiff mit dem Kontern zu beginnen. 25.04.643990 06:45 |
Sprücheklopfer
Ob rechts oder links, wo ich auftauchte, war ich schlecht.
Mario Basler