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Es war ein Freitagabend, wie ihn die 1. Liga Schweiz nicht alle Tage sieht: 35.200 Zuschauer im Stadion Emmenbrücke, Flutlicht, Stimmung zwischen Hoffen und Herzrasen - und am Ende jubelt Rot-Blau Basel über ein 3:2, das so schmeichelhaft wie spektakulär war. Schon nach elf Minuten nahm das Spiel Fahrt auf. Jens Andreassen, der bullige Mittelstürmer der Basler, verwertete einen feinen Pass von Cafer Sentürk zur frühen Führung. "Ich hab’ den Ball einfach reingedrückt - nicht schön, aber drin ist drin", grinste Andreassen später, während er sich die Schweißperlen aus dem Bart strich. Emmenbrücke wirkte überrascht, fast ein bisschen beleidigt, dass Basel sich erlaubte, auswärts derart frech zu beginnen. Trainer Chris Meng trommelte von der Seitenlinie: "Ball laufen lassen, Männer!" Und tatsächlich lief der Ball - nur nicht immer dahin, wo er sollte. Emmenbrücke hatte mit 56 Prozent Ballbesitz zwar mehr vom Spiel, aber Basel war zielstrebiger, fast schon britisch effizient (kein Wunder, bei Trainer Kevin Keegan). Die erste Halbzeit endete mit einem 0:1, das gefährlicher klang, als es aussah. Emmenbrücke schoss zwar öfter aufs Tor (14:12 Torschüsse insgesamt), aber Oliver Van Hoyweghen im Basler Kasten hatte einen dieser Abende, an denen Torhüter plötzlich magnetisch wirken. Kurz nach der Pause kam dann die Erlösung für die Hausherren: In der 53. Minute wuchtete Innenverteidiger Damian Vidigal eine Flanke von Rechtsverteidiger Marcel Boissieu per Kopf ins Netz. Das Stadion explodierte - und Boissieu, der kurz zuvor Gelb gesehen hatte, rannte jubelnd in Richtung Trainerbank, als wolle er sich gleich selbst auswechseln. "Ich hab’ gedacht, wenn ich schon Gelb hab, kann ich wenigstens noch was Nützliches machen", meinte er später halb lachend, halb keuchend. Doch die Feierlaune hielt kaum vier Minuten. In der 57. Minute schlug wieder Basel zu - diesmal war es Cafer Sentürk selbst, der nach Vorarbeit von Ingo Oliveira trocken ins rechte Eck traf. 1:2, so kalt wie präzise. Emmenbrücke reagierte wütend. Keine zwei Minuten später, Minute 59, belohnte sich Noah Burton nach einem schnellen Angriff über Francois Picard mit dem erneuten Ausgleich. 2:2 - die Zuschauer tobten, das Spiel kippte in Richtung Spektakel. Meng brüllte seine Spieler nach vorne, während Keegan an der Seitenlinie stoisch kaute - vermutlich auf einem Kaugummi, vielleicht aber auch einfach auf seiner eigenen Geduld. Dann kam die 75. Minute, und wieder hieß der Hauptdarsteller Cafer Sentürk. Nach einer Flanke von Ingo Galindo stand der Mittelfeldregisseur goldrichtig und vollendete zum 3:2 für Basel. Es war der Moment, in dem die Basler Bank förmlich explodierte. "Ich hab nur noch Rot und Blau gesehen", sagte Sentürk später, "und den Ball, wie er tanzt." In den Schlussminuten warf Emmenbrücke alles nach vorn - Bernard Arnaud bekam in der 86. Minute noch Gelb, wahrscheinlich, weil er zu sehr wollte. Und als Giorgio Aieta in der 90. Minute den Ball aus spitzem Winkel an die Latte setzte, stand das Stadion kurz still. Ein Raunen, ein kollektives "Ohhh", das in resigniertes Klatschen überging. Nach Abpfiff fasste Chris Meng das Ganze trocken zusammen: "Wir haben mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, mehr Herz - aber halt ein Tor weniger." Kevin Keegan grinste nur: "Manchmal reicht’s, zwei Sentürks im Team zu haben - auch wenn’s nur einer ist." Die Statistik erzählte eine andere Geschichte als das Ergebnis: 56,5 Prozent Ballbesitz für Emmenbrücke, 14 Torschüsse gegen 12 der Basler, dazu ein leichtes Zweikampfplus. Doch Basel spielte, wie man’s von alten Hasen kennt: abgeklärt, effizient, unaufgeregt. Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus, und irgendwo auf der Tribüne meinte ein älterer Herr zu seinem Enkel: "Das war kein Spiel, das war ein Drama in fünf Akten." Der Kleine nickte wichtig - wahrscheinlich, ohne genau zu wissen, was das heißt. Und so bleibt festzuhalten: Emmenbrücke zeigte Moral, Basel zeigte Effizienz - und Cafer Sentürk zeigte, warum Mittelfeldspieler manchmal gefährlicher sind als jeder Stürmer. Am Ende stand ein 2:3, das in Erinnerung bleiben wird - nicht, weil es fair war, sondern weil es Fußball war: unberechenbar, emotional und ein bisschen verrückt. Vielleicht bringt Chris Meng beim nächsten Mal weniger Ballbesitz, dafür mehr Tore. Aber bis dahin darf Basel träumen - und Emmenbrücke fluchen. 30.09.643987 18:38 |
Sprücheklopfer
Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deswegen war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen.
Josef Hickersberger, österreichischer Nationaltrainer