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59.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion von Luzern sahen am Freitagabend ein Pokal-Halbfinale, das alles hatte: Tempo, Drama, Karten, Verlängerung - und am Ende ein glücklicheres Team in Rot und Blau. Rot-Blau Basel gewann nach 120 hitzigen Minuten 2:1 nach Verlängerung gegen Blau-Weiss Luzern und zieht damit ins Pokalfinale ein. Dabei hatte alles so verheißungsvoll für die Gastgeber begonnen. Die ersten Minuten gehörten den Luzernern, die mit einer offensiven Ausrichtung und langen Bällen das Basler Tor belagerten. Schon in der 3. Minute prüfte Robert Mantovani den Basler Keeper Olivier Van Hoyweghen, und kurz darauf folgte ein Distanzschuss von Robert Locklear. Das Publikum war da - und laut. "Wir wollten Basel gleich zeigen, dass hier kein Spaziergang wartet", knurrte Luzerns Trainer Reinhard Wild später. Doch die Effizienz blieb aus. Basel, zunächst abwartend, verteidigte clever und lauerte auf Konter über die Flügel. Trainer Kevin Keegan, in seinem dunklen Mantel am Spielfeldrand, schien die Ruhe selbst zu sein - zumindest bis zur 49. Minute. Da nämlich schlug Luzern zu: Dylan Bosworth spielte einen dieser scharfen Pässe in die Tiefe, Roger Römer startete perfekt, schob kalt an Van Hoyweghen vorbei - 1:0! Das Stadion tobte, Römer rannte zur Eckfahne, als hätte er gerade den Pokal gewonnen. Doch die Freude währte kurz. Nur fünf Minuten später antwortete Basel - fast wie im Lehrbuch. Simone Altomonte tankte sich auf der rechten Seite durch, legte quer, und Ingo Oliveira traf aus kurzer Distanz zum Ausgleich. 1:1, und plötzlich war das Spiel ein ganz anderes. Basel übernahm das Kommando, Luzern konterte - und irgendwo im Mittelfeld begann es ordentlich zu knistern. Jesus Langer, der Luzerner Linksverteidiger, bekam in der 55. Minute Gelb, nachdem er Altomonte umgepflügt hatte. "Ich hab nur den Ball gesehen", verteidigte sich Langer später mit einem Grinsen. "Blöd nur, dass der Ball schon weg war." Das Publikum nahm’s mit Humor - noch. In der Folge wechselten beide Trainer fleißig. Basel brachte Marian Petrow und später Cafer Sentürk, Luzern versuchte es mit Piotr Chawanow und Felipe Caballero. Doch trotz 12 zu 14 Torschüssen blieb es in der regulären Spielzeit beim 1:1. Die Verlängerung musste her - und die hatte es in sich. Die ersten Minuten der Overtime gehörten wieder Basel. In der 105. Minute war es dann ausgerechnet Simone Altomonte, der selbst zum Helden wurde. Nach schöner Vorarbeit von Jacek Fuhl zog er aus spitzem Winkel ab - 1:2! Luzerns Torwart Lasse Rauch kam noch mit den Fingerspitzen dran, doch der Ball trudelte über die Linie. Basel jubelte, Luzern stand unter Schock. Trainer Wild peitschte seine Männer nach vorn, die Fans sangen trotzig weiter, und Roger Römer hatte in der 122. Minute noch einmal den Ausgleich auf dem Fuß - aber Van Hoyweghen parierte. "Ich hab nur gehofft, dass der Ball mich trifft", gab der Basler Keeper später ehrlich zu. Dann wurde es noch einmal hitzig: In der 120. Minute sah Basels Dominique Lancaster Gelb, und nur fünf Minuten später erwischte es Fotios Nikolopoulos mit Rot nach einem rustikalen Einsteigen - ein unnötiger Wutausbruch, der den Baslern im Finale teuer zu stehen kommen könnte. "Das war Adrenalin, kein böser Wille", meinte Keegan, während Wild nur trocken konterte: "Wenn das Adrenalin ist, will ich den Kaffee dazu nicht trinken." Statistisch war es ein enges Spiel: 54,8 Prozent Ballbesitz für Basel, 45,2 für Luzern - also kaum eine Vorentscheidung in Zahlen. Aber am Ende zählen Tore, und da hatte Basel eben eines mehr. "Wir waren nah dran, aber am Ende fehlte das Quäntchen Glück", sagte Torschütze Römer mit hängenden Schultern. Basel hingegen feierte ausgelassen. Im Kabinengang hallte Gesang, und Keegan klopfte jedem Spieler auf die Schulter. "Manchmal musst du einfach leiden, um zu gewinnen", grinste er. Und Luzern? Die müssen nun zusehen, wie Basel ins Finale zieht - mit einem Sieg, der nicht schön, aber clever war. Vielleicht tröstet Luzern die Erkenntnis, dass man 120 Minuten lang den Favoriten an den Rand gebracht hat. Vielleicht auch nicht. Der Pokaltraum ist aus, aber der Applaus der 59.000 im Stadion zeigte: Diese Niederlage war ehrenvoll, und manchmal ist das im Fußball fast so viel wert wie ein Titel. 20.12.643987 18:10 |
Sprücheklopfer
Ich habe keine Probleme mit Werner Lorant mal ein Bier zu trinken - oder auch mal ein Kaugummi zu kauen.
Lothar Matthäus