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Ein Freitagabend im Januar, 20:30 Uhr, Flutlicht im Basler St. Jakob-Park, 41.801 Zuschauer - und eine Partie, die zunächst aussah wie ein Luzerner Lehrbuch für Effizienz, sich aber dann in ein Basler Fußballfest verwandelte. Am Ende hieß es 3:1 für Rot-Blau Basel gegen Blau-Weiss Luzern, und die Hausherren bewiesen eindrucksvoll, dass 60 Prozent Ballbesitz irgendwann zu etwas Gutem führen können - selbst wenn es eine Weile dauert. Die erste Halbzeit gehörte nämlich den Gästen. Basel wirkte zwar feldüberlegen, aber Luzern lauerte mit langen Bällen und spielte schnörkellos durch die Mitte, ganz nach der Devise ihres Trainers Reinhard Wild: "Wir spielen Fußball wie ein Schweizer Taschenmesser - klein, präzise, gefährlich." In der 22. Minute dann jener Moment, der die Basler Kurve kurzzeitig verstummen ließ: Julien Achard legte den Ball mit Übersicht in den Lauf von Robert Mantovani, der eiskalt vollendete - 0:1. "Das war wie im Training - nur schöner", grinste Mantovani später. Basel rannte an, fand aber kaum Lücken. Altomonte prüfte Luzerns Keeper Rauch mehrfach, Schubert verzog knapp, und Trainer Kevin Keegan wirkte an der Seitenlinie zunehmend wie jemand, der innerlich das Taktikbrett zerreißt. "Ich hab’ ihnen in der Pause gesagt: Jungs, das ist kein Schachspiel, bewegt euch!", erklärte Keegan nach dem Spiel - und offenbar wurde ihm zugehört. Denn nach dem Seitenwechsel legte Basel einen Gang zu. Keegan brachte Jacek Fuhl und Marian Petrow, und mit einem Mal war Leben in der Bude. Die Flügelstürmer rotierten, die Pässe kamen schneller, und Luzerns Abwehr bekam plötzlich mehr zu tun als ihr lieb war. In der 65. Minute fiel der Ausgleich: Altomonte flankte präzise, Fuhl rauschte heran und drückte den Ball zum 1:1 über die Linie. Der Jubel war ohrenbetäubend, und Keegan riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. Sieben Minuten später war es dann der Vorlagengeber selbst, der zum Helden wurde. Altomonte, inzwischen überall auf dem Platz zu finden, bekam eine Ablage von Oliveira und schlenzte den Ball aus 16 Metern sehenswert ins lange Eck - 2:1. "Ich hab’ einfach draufgehalten", sagte Altomonte später mit einem Grinsen. "Manchmal hilft Denken, manchmal hilft Instinkt - heute war’s der Instinkt." Luzern versuchte, die Kontrolle zurückzubekommen, doch dann kam die Szene, die das Spiel endgültig kippte. Dylan Bosworth, der schon Gelb gesehen hatte, grätschte in der 80. Minute übermotiviert in Gerard Roorback - Gelb-Rot, Feierabend. "Ich war einen Tick zu spät", murmelte Bosworth hinterher, während Trainer Wild die Stirn rieb und nur trocken meinte: "Er wollte wohl zeigen, wie man einen Zweikampf *nicht* führt." Basel nutzte die Überzahl souverän. In der Nachspielzeit setzte Roorback nach Vorarbeit - natürlich - von Altomonte den Schlusspunkt zum 3:1. Die Südtribüne tobte, und Keegan lachte: "Das war heute kein leichter Abend, aber ein schöner. Wir haben Charakter gezeigt - und endlich mal unsere Chancen genutzt." Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen, 12 Torschüsse auf beiden Seiten, aber der Unterschied lag in der Konsequenz: Während Luzern nach dem frühen Tor zunehmend ideenlos wirkte, blieb Basel geduldig und wurde belohnt. 60 Prozent Ballbesitz, mehr Zug über die Flügel, und am Ende drei Punkte, die nach harter Arbeit schmeckten. Luzerns Coach Wild nahm es sportlich: "Wir haben eine Halbzeit lang geführt, das ist ja auch was. Leider dauert Fußball 90 Minuten." Er verabschiedete sich mit einem Schulterzucken, das zwischen Galgenhumor und Resignation pendelte. In Basel hingegen wurde gefeiert. Die Fans sangen, Altomonte wurde zur Symbolfigur des Abends, und selbst der sonst stoische Torhüter Van Hoyweghen klatschte ausgelassen mit den Fans ab. Ein Spiel, das zeigte, wie schnell sich Stimmungen drehen können - vom Frust zur Euphorie, von der Ratlosigkeit zur Ekstase. Basel hat’s gedreht, Luzern hat’s gelernt. Und irgendwo in der Katakombe des Stadions summte Kevin Keegan angeblich leise vor sich hin: "I love it when a plan comes together." Ein bisschen Theatralik darf eben sein - besonders, wenn man 3:1 gewinnt. 20.12.643987 18:08 |
Sprücheklopfer
Ich habe keine Probleme mit Werner Lorant mal ein Bier zu trinken - oder auch mal ein Kaugummi zu kauen.
Lothar Matthäus