// Startseite
| Voetbal International |
| +++ Sportzeitung für Niederlande +++ |
|
|
|
Wenn man an einem Freitagabend das Stadion von Barendrecht betritt, riecht es nach Pommes, Gras und gelegentlich nach Demütigung - zumindest für die Gäste. Am 8. Spieltag der 3. Liga Niederlande (2. Div) wurde der FC Doetinchem zum Opfer eines Fußballlehrstücks, das sich irgendwo zwischen Spielfreude und Sadismus bewegte. 16.579 Zuschauer sahen ein 5:1, das noch schmeichelhaft ausfiel. Schon nach einer Viertelstunde hatten die Hausherren den Spielstand in eine Richtung verschoben, aus der Doetinchem nie wieder herausfinden sollte. Stefan Walther eröffnete in der 14. Minute mit einem strammen Schuss, nach Vorarbeit von Innenverteidiger Carlos Travassos, der offenbar beschlossen hatte, heute mal den Spielmacher zu geben. "Ich dachte, warum nicht? Wenn schon keiner vorne den Pass spielt, mach ich’s halt selbst", grinste Travassos später in der Mixed Zone. Nur eine Minute später folgte der zweite Streich: Matthias Rotthier, der Linksaußen mit der Präzision eines Uhrwerks, versenkte den Ball nach feinem Zuspiel von Xabi Arroyo. Und weil’s so schön war, legte Rotthier in der 26. gleich noch einen nach - diesmal auf Vorlage von Rechtsverteidiger Pieter Lansing, der sich auf der Außenbahn eher wie ein Flügelstürmer gebärdete. "Ich hab in der Halbzeit gar nicht viel gesagt", verriet Trainer Horst Zachary hinterher. "Was willst du da auch noch korrigieren, außer vielleicht den Torjubel?" Seine Mannschaft hatte bis zum Pausenpfiff 3:0 geführt, 12 Torschüsse abgegeben und 56 Prozent Ballbesitz - Werte, die aussahen, als hätte Barendrecht gegen eine Jugendmannschaft gespielt. Doetinchem, von Anfang an offensiv ausgerichtet (zumindest laut Taktikzettel), wirkte wie eine Band, die zwar alle Instrumente besitzt, aber keinen Takt. Der einzige Lichtblick kam direkt nach Wiederanpfiff: Takis Halkias, der junge Grieche auf Rechtsaußen, nutzte in der 47. Minute die einzige echte Chance seines Teams. Nach Vorarbeit von Godewyn Blood traf er zum 3:1 - ein Tor, das kurz so wirkte, als könne das Spiel noch einmal spannend werden. Doch Barendrecht reagierte wie ein gereizter Löwe. In der 71. Minute machte Carlos Travassos nach einer Ecke von - natürlich - Xabi Arroyo das 4:1. Zwei Minuten später revanchierte sich Arroyo selbst und traf zum 5:1-Endstand, assistiert von Patrik Kolomaznik. Danach war’s kein Spiel mehr, eher eine Trainingsübung mit Publikum. Statistisch wirkte die Geschichte noch einseitiger: 20:1 Torschüsse, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und ein Ballbesitz, der wie ein Monopoly-Spiel aussah, bei dem Doetinchem nur das Los-Feld kannte. Torwart Sergio Garces tat einem fast leid - er parierte, was zu parieren war, aber irgendwann wurde das Abwehrverhalten seiner Vorderleute so löchrig, dass selbst der Stadionsprecher mitleidig klang. "Wir wollten offensiv auftreten", erklärte Doetinchems Coach mit stoischer Ruhe nach dem Spiel. "Das haben wir auch - nur leider ohne Ball." Eine treffende Analyse, die sein Team vermutlich ungern auf dem Trainingsplatz wiederholt hören wird. Barendrechts Xabi Arroyo, Dirigent im Mittelfeld und Torschütze zum letzten Treffer, zeigte sich indes zufrieden: "Das war heute einfach Spaß. Wir haben den Ball laufen lassen, und Doetinchem hat mitgespielt - zumindest beim Zuschauen." Auch Schiedsrichter Jansen hatte einen ruhigen Abend, abgesehen von einer gelben Karte gegen Rudolf Henriksson (43.), der offenbar kurzzeitig vergessen hatte, dass Grätschen kein Kampfsport ist. Am Ende jubelten die Fans, der Trainer grinste, und die Spieler verteilten Selfies wie Souvenirs. "So darf’s weitergehen", meinte Zachary und verabschiedete sich mit einem Schulterzucken, das irgendwo zwischen Zufriedenheit und Understatement lag. Doetinchem dagegen wird die Rückfahrt mit vielen Fragen antreten - und vielleicht mit dem Gedanken, dass ein bisschen weniger Offensive manchmal auch gesünder wäre. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne murmelte, während er das letzte Bier austrank: "Manchmal ist Fußball einfach ungerecht - aber heute war’s Kunst." Ein Satz, den wohl niemand in Barendrecht widersprechen wollte. 31.01.643994 13:47 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: