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Wenn die 3. Liga der Niederlande an einem Dienstagabend zur besten Fernsehzeit anstößt, erwartet man ehrliche Fußballarbeit, vielleicht ein bisschen Kampf, ein paar Fehlpässe - aber sicherlich kein kleines Fußballfest. Doch genau das lieferte Barendrecht beim 3:0-Heimsieg gegen den SC Waalwijk vor 16.437 begeisterten Zuschauern. Von der ersten Minute an war klar, wer an diesem Abend den Ton angeben würde. Schon nach 60 Sekunden hämmerte Elmo Groat die Kugel erstmals auf den Kasten - ein Warnschuss, der Waalwijk-Torwart Gerard Winchel wohl bis in seine Träume verfolgen wird. "Da dachte ich mir: Heute kriegen die Jungs richtig Lust auf Abschlüsse", grinste Barendrechts Trainer Horst Zachary später. Und er sollte Recht behalten: 21 Torschüsse, zwei Drittel davon brandgefährlich - das war kein Zufall, das war ein Statement. In der 33. Minute fiel dann das, was man im Stadion schon lange riechen konnte: das 1:0. Matthias Rotthier, Barendrechts quirliger Linksaußen, vollendete nach feinem Zuspiel von Rechtsverteidiger Pieter Lansing - ein Treffer so sauber vorbereitet, dass man ihn in Lehrvideos packen könnte. Rotthier selbst sah das etwas anders: "Ich wollte eigentlich flanken", lachte er nach dem Spiel. "Aber wenn der Ball so schön ins Eck fliegt, will ich mich auch nicht beschweren." Sechs Minuten später legte Rudolf Henriksson nach. Der rechte Mittelfeldspieler zog nach einem Eckball von Carlos Travassos trocken ab - 2:0, und das Publikum sang lautstark "Rudi, Rudi!" (nicht als Gesangszitat, aber man kann sich’s vorstellen). Waalwijk hingegen sah zu diesem Zeitpunkt eher aus, als würde man eine Matinee im Museum besuchen - mit höflichem Abstand und wenig Eingreifen. Die Gäste kamen im gesamten Spiel auf zwei Torschüsse. Zwei! Bastiaan Barhydt versuchte es in der 3. und 23. Minute, aber Torwart Ilhan Akyel hätte die Schüsse wohl auch mit einer Hand und einem Kaffee in der anderen gefangen. "Wir haben die Ordnung verloren", murmelte Waalwijks Co-Trainer nach Schlusspfiff. Der Cheftrainer schwieg lieber - vielleicht aus Selbstschutz. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: Barendrecht kombinierte, als hätten sie gerade erst angefangen, Fußball zu lieben. Xabi Arroyo und Elmo Groat zogen im Mittelfeld die Fäden, während Koenraad Coster vorne alles beschäftigte, was Waalwijk noch an Abwehrresten aufzubieten hatte. In der 58. Minute dann ein kleiner Schreckmoment: Henriksson musste verletzt raus, offensichtlich eine Muskelblessur nach einem Sprintduell. Für ihn kam Stefan Walther, der sich sofort einbrachte - und später sogar noch seinen Anteil am dritten Treffer haben sollte. Denn in der 90. Minute, als die meisten Zuschauer schon dachten, das Spiel sei gelaufen, setzte Coster den Schlusspunkt. Nach einem klugen Doppelpass mit Walther schob er lässig zum 3:0 ein. "Ich hab einfach gehofft, dass Stefan mich sieht - und er hat mich gesehen. Danach war’s einfach", sagte Coster, während er sich mit einem breiten Grinsen den Schweiß von der Stirn wischte. Die Statistik des Abends liest sich eindeutig: 52,9 Prozent Ballbesitz für Barendrecht, 21 Torschüsse zu 2, eine Zweikampfquote von knapp 58 Prozent. Kurzum: ein Spiel, das auf dem Papier so klar wirkt, wie es auch auf dem Rasen war. Selbst die einzige Gelbe Karte - Krzysztof Kosowski in der 93. Minute - passte ins Bild. "Er wollte einfach zeigen, dass er auch noch da ist", flachste Trainer Zachary. Und Waalwijk? Nun, sie blieben höflich, fair und harmlos. Kein Pressing, kaum Aggressivität, und beim Passspiel so ausgewogen, dass es fast meditativ wirkte. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte ein Spieler nach dem Spiel. "Das ist uns wohl zu gut gelungen." Barendrecht hingegen zeigte, dass man auch mit einer "balanced" Taktik eine Mannschaft dominieren kann, wenn Einsatz und Spielfreude stimmen. Trainer Zachary brachte es am Ende auf den Punkt: "Wir haben heute nicht übertrieben - wir haben einfach Fußball gespielt." Ein Satz, der so schlicht klingt, dass man ihn rahmen könnte. Und wer weiß - vielleicht hängt er nächste Woche in der Kabine von SC Waalwijk. Als Erinnerung daran, dass man Spiele nicht allein mit Balance gewinnt, sondern mit Mut, Tempo und einem Schuss frecher Spiellaune. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn Barendrecht so weitermacht, wird die 3. Liga bald zu klein. Und Waalwijk? Die sollten sich besser schon mal an den Gedanken gewöhnen, dass man mit zwei Torschüssen pro Spiel höchstens den Balljungen beeindruckt. 23.11.643993 02:52 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund