// Startseite
| Voetbal International |
| +++ Sportzeitung für Niederlande +++ |
|
|
|
Was für ein Abend in Barendrecht! 17.302 Zuschauer verwandelten das kleine Stadion an der Zuidersingel am Samstagabend in einen brodelnden Hexenkessel - und sie bekamen, was sie wollten: drei Tore, null Gegentreffer und eine Mannschaft, die Fußball spielte, als wäre Frühling plötzlich ein Synonym für Spielfreude. Der 3:0‑Sieg gegen die Ijsselmeervogels war nicht nur verdient, sondern fast schon ein Statement: Hier wächst etwas zusammen. Schon in der Anfangsphase zeigten die Gastgeber, dass sie an diesem 6. Spieltag der 3. Liga Niederlande (2. Div) Lust auf Tore hatten. Kaum war die Uhr auf 14 Minuten gesprungen, da zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz. Matthias Rotthier, der flinke Linksaußen, nahm einen perfekt getimten Pass von Elmo Groat auf, täuschte den herauseilenden Keeper Marcel Saganowski an und schob eiskalt ein. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Rotthier später, "aber dann dachte ich mir: Ach, wenn’s passt, dann passt’s." Nur drei Minuten später war das Stadion endgültig in Feierlaune. Patrik Kolomaznik, der unermüdliche Mittelfeldmotor, zog aus halblinker Position ab - und traf. Vorausgegangen war eine butterweiche Flanke von Szilard Skrtel, der mit seinen 33 Jahren offenbar beschlossen hat, den Jungspunden noch einmal zu zeigen, wie man aus der Defensive heraus Offensivakzente setzt. "Ich sah, dass Patrik Platz hatte - und dachte mir, warum nicht?", erklärte Skrtel mit einem Schulterzucken, das irgendwo zwischen Abgeklärtheit und Understatement pendelte. Die Ijsselmeervogels? Nun ja: Sie flogen, flatterten, fanden aber kein Ziel. Ganze drei Torschüsse brachten sie zustande - und keiner davon zwang Barendrechts Torwart Garritt Vanderspeigle zu ernsthafter Arbeit. Der Keeper hätte sich beinahe einen Liegestuhl aufstellen können. "Ich hatte mehr Ballkontakte bei den Rückpässen als bei den Angriffen der Gäste", witzelte er nach dem Spiel. Barendrecht dagegen feuerte aus allen Lagen. 12 Abschlüsse, 50,3 Prozent Ballbesitz - und eine Tacklingquote von fast 56 Prozent. Zahlen, die die Dominanz nur andeuten. Denn wer das Spiel sah, wusste: Hier war eine Mannschaft hellwach, aggressiv im richtigen Moment, spielfreudig, aber nie überheblich. Trainer Horst Zachary stand an der Seitenlinie wie ein Mann, der gerade merkt, dass seine Taktiktafel plötzlich lebendig geworden ist. "Wir wollten offensiv denken, aber nicht kopflos rennen", erklärte Zachary. "Die Jungs haben das großartig umgesetzt - und diesmal sogar ohne Herzinfarkt für mich." Nach der Pause versuchten die Ijsselmeervogels, sich zu sortieren, doch Barendrecht ließ sie nicht. In der 51. Minute fiel das, was man wohl als endgültigen Knockout bezeichnen darf: Elmo Groat, der schon beim ersten Tor den Assist geliefert hatte, krönte seine Vorstellung mit einem eigenen Treffer. Wieder kam die Vorlage von - richtig geraten - Szilard Skrtel. Der Routinier schob den Ball clever in die Mitte, Groat nahm ihn direkt und ließ Saganowski keine Chance. 3:0. Danach war’s nur noch ein Schaulaufen. Die Gäste wirkten konsterniert, vielleicht auch ein bisschen ratlos. Ihr Trainer, dessen Name der Statistik entgangen ist, aber dessen Miene Bände sprach, stand minutenlang mit verschränkten Armen da. In der 93. Minute bekam Barend Breed noch Gelb - ein Symbol dafür, dass wenigstens einer aus Spakenburg kurzzeitig Feuer gefangen hatte. Währenddessen feierten die Fans von Barendrecht ihre Helden. Kinder kletterten auf die Zäune, Väter klatschten Fremde ab, und irgendwo rief jemand: "Das ist unser Jahr!" - worauf ein anderer trocken antwortete: "Wart’s ab, wir sind Barendrecht, keine Märchenfigur." Als der Schlusspfiff ertönte, nahm Horst Zachary seine Spieler in den Arm, kurz, aber herzlich. "Ich sag’s euch ehrlich", meinte er später in der Pressekonferenz mit einem Grinsen, "ich hab selten ein so komplettes Spiel von uns gesehen. Vielleicht sollte ich öfter am Vortag auf Dessert verzichten - scheint zu wirken." Und tatsächlich: Was Barendrecht an diesem Abend zeigte, war kein Zufallsprodukt. Die Abstimmung stimmte, das Pressing griff punktgenau, die Pässe fanden ihre Adressaten. Selbst die Statistik zeigte eine bemerkenswerte Balance: 50 zu 50 beim Ballbesitz - aber mit einem Unterschied, der in keinem Zahlenfeld auftaucht: Barendrecht wollte das Spiel, Ijsselmeervogels wollte es überstehen. Das Fazit? Ein klarer Sieg, der Lust auf mehr macht. Wenn Barendrecht diesen Schwung in die kommenden Wochen mitnimmt, könnten sie in dieser Liga noch für viel Gesprächsstoff sorgen. Und die Ijsselmeervogels? Die müssen sich fragen, ob "sicheres Schießen" (ihre taktische Vorgabe) nicht vielleicht doch manchmal zu sicher ist. Oder, um es mit den Worten des glücklichen Doppeltorschützen Groat zu sagen: "Man kann nicht gewinnen, wenn man Angst davor hat, zu treffen." Da ist was dran. 19.01.643994 23:29 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack