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Barcola schockt Ilmenau in letzter Sekunde - 3:3 im Torfestival

Ein lauer Frühlingsabend, Flutlicht, 35.927 Zuschauer im Ilmenauer Stadion - und sechs Tore, die keiner so schnell vergessen wird. Germania Ilmenau und der SV Rohrbach trennten sich am 5. Spieltag der 1. Liga Deutschland 3:3, ein Ergebnis, das eher nach Beachsoccer als nach Bundesliga klingt. Und doch steckte in diesen 90 plus 1 Minuten alles, was das Fußballherz begehrt: Tempo, Dramatik, Gelbe Karten und ein 19-Jähriger, der sich zur Rohrbacher Lebensversicherung aufschwang.

Denn Bradley Barcola, der jugendliche Linksaußen aus Frankreich, traf dreimal - in der 17., 67. und 91. Minute. "Ich habe einfach gespielt, ohne nachzudenken", sagte er hinterher mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen jugendlicher Unschuld und gnadenlosem Killerinstinkt lag. Sein Trainer Maik Kuntz wirkte da schon etwas blasser: "Wir wollten eigentlich defensiver stehen. Aber wenn Bradley losrennt, kann man ihn halt schlecht an die Leine nehmen."

Dabei sah zunächst alles nach einem typischen Ilmenauer Heimspiel aus: offensive Grundausrichtung, aggressives Pressing, 18 Torschüsse - und trotzdem dauerte es bis kurz vor der Pause, ehe Fynn Hennig (44.) den Ausgleich erzielte. Rohrbach war da längst durch Barcola in Führung gegangen (17.), nach einem schnellen Doppelpass mit Edvard Ali, der später noch Gelb sah, weil er offenbar zu leidenschaftlich verteidigte.

Trainer Thorben Hartung hatte an der Seitenlinie schon früh die Arme ausgebreitet, als wolle er das Spiel selbst umarmen. "So ein Abend - da kann man die Taktiktafel gleich in den Müll werfen", grinste er nach Abpfiff. Und er sollte recht behalten: Nach der Pause entwickelte sich ein Spektakel, das so wild war, dass selbst die Statistik glühte.

Die Gäste hatten zwar mehr Ballbesitz (54,9 Prozent), doch Ilmenau biss, kämpfte, kombinierte - und schoss. In der 68. Minute belohnte sich Ben Haase mit einem satten Linksschuss nach Vorlage von Innenverteidiger Ricardo de Almeida. Da stand es 2:2, nachdem Barcola kurz zuvor erneut zugeschlagen hatte (67., Vorlage Maier). Nur eine Minute zwischen Verzweiflung und Euphorie - das Publikum sprang auf, als hätte es gerade den Gewinn des DFB-Pokals erlebt.

Und es kam noch besser: In der 77. Minute zog Jari Vuorinen von links nach innen, tanzte zwei Rohrbacher aus und versenkte den Ball humorlos im langen Eck - 3:2. "Ich hab einfach gedacht: Wenn ich jetzt nicht schieße, schießt’s wer anders", lachte der Finne später. Das Stadion kochte, die Fans sangen, und Thorben Hartung ballte die Faust so fest, dass man die Knöchel in der dritten Reihe sehen konnte.

Doch Fußball wäre kein Fußball, wenn er nicht grausam schön wäre. Die Nachspielzeit lief, Ilmenau verteidigte mit allem, was Beine hatte, und der junge Barcola dachte wohl: Warum nicht noch einmal? In der 91. Minute stürmte er nach Pass von Linksverteidiger Tom Berndt durch, ließ Torwart Luis Kern keine Chance - 3:3. Rohrbach jubelte, Ilmenau stand still. "Ich hörte nur das Netz rascheln", murmelte Kern später, "und dann war’s wieder still."

Statistisch gesehen hätte Ilmenau das Spiel gewinnen müssen - mehr Schüsse, bessere Zweikampfquote (54,1 Prozent), mehr Mut. Aber die Rohrbacher Effizienz, gepaart mit jugendlicher Frechheit, machte aus einem Fußballspiel ein Drama. "Das war ein Schlagabtausch mit offenem Visier", analysierte Reporterlegende Karl-Heinz vom Lokalradio, "und beide Teams haben getroffen - auch ins Herz ihrer Fans."

Hartung nahm’s sportlich: "Manchmal ist ein Punkt zu wenig, manchmal ist er alles. Heute war er beides." Und Maik Kuntz ergänzte trocken: "Wenn du dreimal führst und trotzdem zitterst - das ist Bundesliga."

Als die letzten Zuschauer vom Stadionberg hinuntergingen, hörte man noch jemanden rufen: "Barcola, du Teufelskerl!" Und irgendwo auf dem Rasen stand der 19-Jährige, das Trikot halb über dem Kopf, und grinste, als wüsste er, dass er gerade ein Stück Ilmenauer Fußballgeschichte geschrieben hatte.

Ein verrückter Abend, ein gerechtes 3:3 - und ein Spiel, das gezeigt hat, warum man den Fußball liebt: Weil er immer dann am schönsten ist, wenn er die Logik abschafft.

27.12.643993 19:47
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Das Gegentor fiel zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt. Aber man muss an dieser Stelle auch einmal die Frage stellen, ob es Gegentore gibt, die zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt fallen.
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