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Wer zur Halbzeit schon auf dem Weg zur Pommesbude war, hat das Beste verpasst. Ayax Amsterdam lag am 23. Spieltag der 1. Liga Niederlande gegen den SC Haarlem mit 1:2 hinten - und gewann am Ende doch mit 5:2. Was sich zwischen der 46. und 90. Minute in der Johan-Cruyff-Arena abspielte, war eine kleine Lehrstunde in Sachen Comeback, Tempo und jugendlichem Übermut. "Ich habe in der Kabine nur gesagt: ’Macht’s doch einfach besser als in der ersten Halbzeit’", lachte Trainer Jochen Eichhorst nach dem Spiel. Seine Mannschaft nahm ihn beim Wort. Dabei hatte Haarlem zunächst alles im Griff. Javier Pauleta brachte die Gäste in der 21. Minute in Führung - nach einem schnellen Gegenstoß über Rechtsverteidiger Humberto Santos, der später noch traurige Berühmtheit erlangen sollte. In der 40. Minute erhöhte Julio Pinto, der 33-jährige Mittelfeldstratege, auf 2:0 nach feiner Vorarbeit von Filipe Morte. Die rund 33 648 Zuschauer rieben sich die Augen: Ayax, sonst so dominant, wirkte fahrig, unpräzise, fast schläfrig. Doch kurz vor der Pause zündete Lauritz Keese den ersten Funken Hoffnung. Nach Vorlage des agilen Oscar Leachman traf der 24-jährige Flügelflitzer zum 1:2 (44.). Ein Treffer, der sich im Nachhinein als Wendepunkt erwies. "Das war der Moment, in dem wir gemerkt haben: Haarlem ist nicht unbesiegbar", meinte Keese später. Nach der Pause stand plötzlich eine andere Mannschaft auf dem Platz. Eichhorst wechselte doppelt, brachte Eric Lindblom und Veselin Anicic - und mit ihnen offenbar frischen Wind und neue Laune. Das Publikum spürte es sofort: Ayax wollte jetzt Tore, nicht Ballbesitzstatistiken (die am Ende übrigens 47,5 % zu 52,5 % für Haarlem ausfielen). Der Ausgleich fiel in der 57. Minute - und ausgerechnet Innenverteidiger Iker Caballero war es, der nach einer Ecke von Noach Buckhout im Strafraum am höchsten stieg. 2:2. Und kaum hatten die Fans den Jubel beendet, kam die nächste Welle. Buckhout, der linke Verteidiger mit Offensivdrang, schickte Vaclav Simak steil - 68. Minute, 3:2. "Ich hab’s gar nicht gesehen, ich hab einfach geschossen", grinste der 20-jährige Simak später. Und weil’s so schön war, legte er in der 81. Minute gleich noch einen drauf - dieses Mal nach Pass von Stephane Robert. Haarlem taumelte, Ayax tanzte. Den Schlusspunkt setzte wieder Keese (86.), der nach Vorarbeit des aufgerückten Caballero den Ball trocken ins rechte Eck setzte. 5:2 - eine zweite Halbzeit wie aus einem Guss. Haarlem, das mit vier Torschüssen über das ganze Spiel hinweg eher sparsam agierte, verlor gegen Ende völlig die Nerven. Santos, der schon Gelb gesehen hatte, sah in der 92. Minute Gelb-Rot, nachdem er Keese rustikal am Trikot zupfte - eine Szene, die mehr nach Verzweiflung als nach Taktik aussah. "Ich wollte nur den Ball treffen", behauptete er hinterher. Trainer Simon Schneeberger sah das nüchterner: "Wir haben das Spiel in 20 Minuten verschenkt. Vielleicht dachten manche, es sei schon vorbei." Die Zahlen untermauern das Drama: 17 Torschüsse für Ayax, nur 4 für Haarlem. Und obwohl die Gäste mehr Ballbesitz hatten, gehörte ihnen kaum noch ein Moment nach der Pause. "Das war nicht Taktik, das war Wut", erklärte Eichhorst. "Manchmal hilft’s, wenn man sich einfach ärgert." Seine Jungs wirkten jedenfalls wie entfesselt - aggressiv, aber kontrolliert, offensiv, aber nicht leichtsinnig. Eine Szene blieb besonders hängen: In der 70. Minute, beim Stand von 3:2, brüllte Eichhorst von der Seitenlinie: "Vaclav, bleib vorne!" - Simak drehte sich um, grinste breit und antwortete: "Ich weiß, Trainer - aber das macht Spaß!" So klang die neue Leichtigkeit, die Ayax in dieser Saison möglicherweise wieder in die Spur bringt. Und Haarlem? Die Spieler schlichen nach Abpfiff vom Platz, während ihre Fans tapfer applaudierten. "Wir haben gezeigt, dass wir’s können - aber nur eine Halbzeit lang", seufzte Kapitän Pinto. Vielleicht war es am Ende ein gerechtes Ergebnis: eine Mannschaft, die sich steigert, und eine, die nachlässt. Ein Trainer, der ruhig bleibt, und einer, der verzweifelt die Hände hebt. Und 33 648 Zuschauer, die wissen, warum man im Fußball nie zu früh nach Hause gehen sollte. Denn wer zur Pause schon beim Bierstand stand, hat fünf Tore, zwei Helden und ein kleines Fußballmärchen verpasst. 12.10.643987 08:08 |
Sprücheklopfer
Branco tanzt und ich grätsche. Das ist der Unterschied zwischen Kamerun und Norwegen.
Jan-Aage Fjörtoft