// Startseite
| Ultimas Noticias |
| +++ Sportzeitung für Uruguay +++ |
|
|
|
Ein lauer Märzabend, 45.795 Zuschauer im Estadio Municipal von Tacuarembó - und ein Spiel, das alles bot, was Fußball in Uruguay so schön unberechenbar macht: frühe Tore, späte Karten, und dazwischen viel Staub, Schweiß und ein paar geniale Momente. Am Ende triumphierte Atletico Tacuarembo mit 2:1 (1:1) über CD Cerrense, doch der Weg dorthin war steiniger als das Ergebnis vermuten lässt. Schon in der 11. Minute lag der Gastgeber hinten. Cerrenses Mittelfeldmotor Knud Brinkmann schlich sich aus dem Rückraum heran, bekam den Ball von Duarte Galindo in den Lauf gespielt und setzte das Leder trocken in die linke Ecke. "Ich dachte zuerst, der Pass wäre zu scharf", grinste Brinkmann später, "aber dann habe ich mir gesagt: Knud, du bist 28, kein Teenager mehr - schieß einfach." Gesagt, getan. Die Antwort der Hausherren ließ jedoch nicht lange auf sich warten. In Minute 28 fasste sich David Godo ein Herz. Nach Vorarbeit von Antonio Espriu drosch er den Ball aus 18 Metern ins Netz - ein Treffer, den man wohl unter der Kategorie "Wut im Bauch" verbuchen darf. "Ich wollte einfach mal draufhalten", meinte Godo schulterzuckend, "und diesmal ging er rein. Die anderen neun Versuche diese Saison… reden wir lieber nicht drüber." Zur Pause stand es 1:1, und das passte zum Spielverlauf: Beide Teams hatten je fünf Torschüsse, CD Cerrense leichte Vorteile im Ballbesitz (53,7 Prozent), Atletico dafür etwas mehr Biss in den Zweikämpfen - auch wenn der Begriff "Biss" spätestens nach der frühen Gelben für den 18-jährigen Linksverteidiger Fabio Villar (6.) neu definiert werden musste. Nach Wiederanpfiff schien Cerrense zunächst mehr vom Spiel zu haben, doch plötzlich riss Joseph Fraser in Minute 58 das Steuer herum. Der bullige Linksaußen tankte sich über links durch, zog ab - 2:1. Es war sein zweiter Versuch aufs Tor an diesem Abend, und der saß. "Ich hab einfach nicht nachgedacht", erklärte Fraser lachend. "Wenn ich nachdenke, fliegt der Ball meistens zum Parkplatz." Trainer Matheo Ronaldo, ohnehin kein Mann großer Emotionen, ballte an der Seitenlinie nur kurz die Faust. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte er später. "Na ja, so ruhig, wie man mit Malfoy als Rechtsverteidiger eben bleiben kann." Ein Satz, der prophetisch klingen sollte. Denn Alexander Malfoy, bereits in der 40. Minute verwarnt, sah in der Nachspielzeit Gelb-Rot, nachdem er sich in einen Zweikampf stürzte, der wohl eher etwas mit Ringen als mit Fußball zu tun hatte. "Ich hab nur den Ball gespielt", beteuerte er. Schiedsrichter Guzmán sah das naturgemäß anders. In der Zwischenzeit hatte Cerrense alles nach vorne geworfen. Salvador Meira tauchte gleich dreimal gefährlich vor Torhüter Igor Kafka auf (47., 53., 89.), doch der Schlussmann hielt, was zu halten war. "Igor war heute unser Fels", lobte Kapitän Sutherland nach Spielende. Kafka selbst winkte ab: "Fels? Eher Sandstein. Ich hatte Glück, dass Meira seine Schussschuhe zuhause vergessen hat." Statistisch war das Duell ein Muster an Ausgeglichenheit: Zehn Torschüsse auf beiden Seiten, nahezu identische Zweikampfquoten (49,6 zu 50,3 Prozent), und doch lag am Ende das Team vorne, das die entscheidenden Momente nutzte. CD Cerrense-Coach Leahcim Gnipeur wirkte nachdenklich: "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle, aber Fußball wird nicht im Excel gewonnen. Vielleicht sollten wir die Statistik mal ausdrucken und einrahmen - als Trostpreis." Die letzten Minuten wurden dann zur Nervenprobe. Mit einem Mann weniger verteidigte Atletico Tacuarembo leidenschaftlich, manchmal mehr mit Herz als mit Ordnung. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Coach Ronaldo seinem Co-Trainer in die Arme - ein seltener Gefühlsausbruch beim sonst so stoischen Taktiker. "Das war kein schönes Spiel", gestand er, "aber schön langweilig kann jeder." Und so endete ein Abend, an dem beide Seiten gezeigt hatten, dass Fußball mehr ist als Zahlenkolonnen. Es ist ein Spiel der Momente - und manchmal reicht einer wie Fraser, um den Unterschied zu machen. Am Ausgang nickte ein älterer Fan zufrieden: "2:1, wie früher. Kein VAR, kein Firlefanz. Nur ehrlicher Kampf." Hätte er noch hinzugefügt "und ein bisschen Chaos", man hätte ihm schwer widersprechen können. 14.06.643993 06:00 |
Sprücheklopfer
Hoch gwinnen wern ma nimma.
Toni Polster in der Halbzeitpause des Länderspiels Spanien gegen Österreich beim Spielstand von 5:0 (Endstand 9:0 für Spanien)