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Arredondo doppelt, Völlen dreifach glücklich - Eschborn hadert mit Chancenflut

Es war einer dieser Abende im proppevollen Eschborner Stadion, an denen 52.204 Zuschauer ahnten, dass sie Zeugen eines Spiels werden würden, das ihre Laune in alle Richtungen drehen sollte: von Euphorie über Verzweiflung bis hin zu einem resignierten Schulterzucken. Am Ende stand ein 1:2 (1:1) gegen Eintracht Völlen, das weniger nach glanzvollem Triumph aussah, als nach cleverer Effizienz - und ein bisschen Glück im richtigen Moment.

Eschborn begann, wie man es von einer Mannschaft erwartet, die offensiv eingestellt ist. Trainer Yas Sin hatte seine Elf auf Attacke programmiert, das Pressing saß, der Ball lief meist durch die Mitte, und vorne versuchte das Holz-Duo - Wilhelm und Jacob - mit rustikaler Entschlossenheit, den Kasten zu erzwingen. Doch schon in der 7. Minute musste Torwart Logan Cochran erstmals fliegen, um einen satten Schuss von Michael MacLachlan über die Latte zu lenken.

Völlen spielte ruhig, fast demonstrativ gelassen. "Wir wussten, dass Eschborn mit Wucht kommt. Da hilft nur: tief atmen und den Ball laufen lassen", grinste Gäste-Coach Dennis Hees später. Und tatsächlich: In der 22. Minute zeigte sich, was das bedeutet. Lewis Preston schickte auf dem rechten Flügel Marc Arredondo steil, der in vollem Lauf Maß nahm - und trocken ins lange Eck traf. 0:1. Der Jubel im Gästeblock klang ein bisschen ungläubig, aber herzlich.

Drei Minuten später allerdings war die Welt wieder geradegerückt - zumindest für die Eschborner. Bernt Geier, quirlig wie ein Duracell-Hase auf Espresso, flankte punktgenau, und Jacob Holz nickte den Ball aus kurzer Distanz ein. 1:1, das Stadion vibrierte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", gab Holz später lachend zu, "aber dann hab ich einfach mal den Kopf hingehalten."

Das Spiel blieb bis zur Pause offen, mit leichtem Vorteil für Völlen, das 51,6 Prozent Ballbesitz und mehr Zielstrebigkeit vor dem Tor zeigte. Eschborn dagegen belohnte sich nicht für zehn Torschüsse, von denen die meisten eher in die Kategorie "mutig, aber unpräzise" fielen.

Nach dem Seitenwechsel schien Eschborn weiter auf den zweiten Treffer zu drängen, doch in der 54. Minute kam der Dämpfer. Wieder war es Arredondo, der nach Zuspiel von Lennard Stoll einfach mal aus 18 Metern abzog - flach, präzise, unhaltbar. 1:2. "Ich wollte eigentlich flanken", witzelte der Doppeltorschütze später, "aber wenn der Ball so schön reingeht, sag ich natürlich nix."

Trainer Yas Sin reagierte mit sichtbarem Zähneknirschen und ließ seine Jungs noch offensiver anlaufen. "Wir hatten sie, wir hatten sie wirklich", murmelte er später in die Mikrofone, "nur das Tor war irgendwie nicht unserer Meinung." Tatsächlich drückte Eschborn: Milosevic prüfte den Keeper gleich dreimal (11., 42., 59. Minute), Wilhelm Holz donnerte den Ball in der 76. Minute knapp übers Gebälk, und in der 84. scheiterte William Kavanagh per Kopf - ein Abend der verpassten Möglichkeiten.

Völlen verteidigte clever, brachte in der Schlussphase mit Robbe Beck und Zakhar Schitnik frische Beine und zog ein engmaschiges Netz vor dem Strafraum. "Wir haben gelitten wie ein alter Diesel im Winter", gestand Trainer Hees mit einem Grinsen, "aber manchmal ist genau das der Unterschied."

Die letzten Minuten gehörten dann eher der Dramaturgie als dem Fußball: Dreifachwechsel bei Eschborn in der 90. Minute - zwei 18-Jährige, Linus Fritsch und Sven Will, durften noch reinschnuppern. Es war fast rührend, wie sie in der Nachspielzeit versuchten, mit jugendlichem Elan das Spiel zu drehen. Doch Völlen brachte das Ergebnis über die Zeit.

Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe: 10 Torschüsse bei Eschborn, 14 bei Völlen, Ballbesitz fast pari, aber die Effizienz sprach klar für die Gäste. Der Mann des Abends hieß Arredondo, der mit seinen beiden Treffern den Unterschied machte - und nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern meinte: "Wenn ich jetzt noch lerne, den Ball mit links zu treffen, wird’s gefährlich."

Eschborns Fans verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus. Coach Yas Sin hob die Hand zum Gruß und rief seinen Spielern zu: "Kopf hoch, Männer - wir haben Fußball gespielt, kein Lotto!"

Vielleicht war genau das das Problem: Ein bisschen mehr Glück hätte nicht geschadet.

Und so ging ein Abend zu Ende, der alles hatte - Tempo, Drama, Chancen, Emotionen - nur eben nicht das gewünschte Ergebnis für die Heimmannschaft. Aber wer im Fußball Gerechtigkeit sucht, sollte vielleicht besser Schach spielen.

27.08.643987 00:55
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Das ist eine Deprimierung.
Andreas Möller
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