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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 20.000 Zuschauer mit klammen Fingern und warmer Stimme - und am Ende ein Pokalabend, den in Arnheim so schnell keiner vergessen wird. Der SC Arnheim, dieser sympathische Mittelständler des niederländischen Fußballs, hat das Star-Ensemble von Ayax Amsterdam mit 2:1 aus dem Pokal-Viertelfinale gekegelt. Und das ausgerechnet in einem Spiel, das anfangs aussah, als wollte Ayax die Arnheimer Defensive zum Staffellauf zwingen. Denn schon in der siebten Minute rappelte es im Netz der Gastgeber: Nicolaas Haswell, der flinken Rechtsaußen mit dem ewigen Stirnband, verwertete eine Vorlage seines Mitspielers Oscar Leachman eiskalt. "Ich dachte, das wird ein langer Abend", gab Arnheims Torwart Polyvios Basinas später zu und grinste dabei so schief wie sein rechter Pfosten nach dem Treffer. Doch was dann folgte, war die Sorte Pokalspiel, die Drehbuchautoren lieben und Trainer graue Haare kostet. Arnheim schüttelte sich kurz, rückte auf - und plötzlich klappte alles. In der 22. Minute zirkelte Mittelfeldmotor Matthijs Vanderspeigle den Ball aus gut 20 Metern ins rechte Eck, nachdem Andre Dumont geschickt abgelegt hatte. "Ich hab einfach mal draufgehalten", sagte Vanderspeigle nach dem Spiel und fügte schmunzelnd hinzu: "Normalerweise fliegen die Dinger auf die Tribüne." Diesmal jedoch nicht. Zehn Minuten später wurde es richtig laut. Der 19-jährige Wevers Van Schoonhoven schickte Dirck Voorhees mit einem Pass in die Tiefe, der so präzise war, als hätte er eine Laserführung. Voorhees blieb cool, lupfte den Ball über Ayax-Keeper Henry Besson hinweg - 2:1. Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend. Ein älterer Herr auf der Haupttribüne schrie: "Ich glaub’s nicht, wir führen!" - und das war kein Einzelfall. Von da an war Arnheim in der Defensive gefordert, und wie! 14 Torschüsse feuerten die Amsterdamer insgesamt ab - aber Basinas hielt, was zu halten war. Mal mit der Faust, mal mit dem Knie, einmal sogar, so schien es, mit purem Willen. "Wir hatten 50 Prozent Ballbesitz, aber 100 Prozent Herz", sagte Trainer Jochen Eichhorst von Ayax nach dem Spiel etwas bitter. "Das reicht im Pokal leider nicht." In der zweiten Halbzeit rannte Ayax an, als ginge es um das letzte Stück Käsekuchen der Stadt. Doch Arnheim stand kompakt, spielte auf Zeit, aber nie unfair. Die Statistik verrät: 44 Prozent gewonnene Zweikämpfe - nicht überragend, aber effizient. Und wenn es gefährlich wurde, klärte Innenverteidiger Marcel Jones kompromisslos. Einmal so deutlich, dass ein Ball auf dem Parkplatz landete und ein Autofahrer später trocken bemerkte: "Wenn der den so im Spiel getroffen hätte, stünde es 3:1." Ayax-Coach Eichhorst wechselte wie ein Schachspieler auf Speed: O’Dea raus, Anicic rein (45.), später Haswell runter, Tregubow drauf (67.) und schließlich Willoughby raus, der junge Vaclav Simak rein (72.). Doch egal, wer kam - der Ball wollte einfach nicht mehr ins Tor. Besonders bitter: In der 87. Minute zog Paul Leblanc ab, traf aber nur die Latte. "Ich hab ihn perfekt getroffen", fluchte er später. "Nur das Tor hat sich bewegt." Arnheim dagegen spielte die Zeit clever herunter. Vanderspeigle organisierte das Mittelfeld, Voorhees ackerte vorne wie ein Mann mit drei Lungen, und Basinas dirigierte seine Abwehr mit der Ruhe eines Dirigenten, der weiß, dass das letzte Stück gleich vorbei ist. Als der Schlusspfiff ertönte, fielen die Arnheimer Spieler einander in die Arme, als hätten sie gerade den Pokal selbst gewonnen - und irgendwie stimmte das auch ein bisschen. "Das war kein Zufall", sagte Arnheims Trainer (dessen Name die Klubführung geheim hielt, "damit ihn keiner abwirbt", scherzte der Pressesprecher). "Wir haben an unsere Chance geglaubt. Und wenn du an einem Pokalabend glaubst, dann kann alles passieren." Ayax hingegen muss sich vorwerfen lassen, zu verspielt gewesen zu sein. 14 Schüsse, 49,9 Prozent Ballbesitz, aber nur ein Tor - das klingt nach Kontrolle, aber nicht nach Killerinstinkt. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft dennoch mit Applaus; Pokal ist eben Pokal. Am Ende war es ein Abend für die Fußballromantiker, die glauben, dass Wille und Leidenschaft manchmal mehr zählen als Marktwert und Ballbesitz. Arnheim steht im Halbfinale, Ayax steht daneben - und irgendwo in Arnheim wird noch immer gefeiert. Oder wie Dirck Voorhees es später lachend zusammenfasste: "Ich hab heute gelernt, dass Wunder einfach nur Tore mit Herz sind." 04.11.643987 14:12 |
Sprücheklopfer
Hoch gwinnen wern ma nimma.
Toni Polster in der Halbzeitpause des Länderspiels Spanien gegen Österreich beim Spielstand von 5:0 (Endstand 9:0 für Spanien)