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Luzern - 38.794 Zuschauer im ausverkauften Stadion sahen am Samstagabend ein Spiel, das Blau-Weiss Luzern noch lange beschäftigen dürfte. Nicht, weil es spektakulär war - sondern weil man 90 Minuten lang alles tat, um zu treffen, und am Ende doch nur in die Statistikbücher für "verpasste Chancen" einging. Der FC Visp dagegen reiste mit einem klaren Plan an: wenig Ballbesitz, aber maximale Wirkung. Und dieser Plan ging auf. Felipe Alves verwandelte in der 36. Minute die einzige echte Torchance zur 1:0-Führung - und damit zum Endstand. "Wir wollten kompakt stehen und Nadelstiche setzen", erklärte Visp-Trainerin Cecilia Schneider später mit jenem Lächeln, das man nur aufsetzt, wenn der eigene Matchplan exakt aufgegangen ist. "Felipe macht das eiskalt - ein Schuss, ein Tor. Da darf man als Trainerin ruhig mal stolz sein." Das Spiel begann furios, Luzern stürmte los, als gäbe es kein Morgen. Schon nach drei Minuten prüfte Finn Hase den Visper Keeper Jakub Rasiak mit einem strammen Linksschuss. Wenig später zog Finn Hougaard aus der zweiten Reihe ab, und wieder rettete Rasiak. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich den Ball auf mich zufliegen sah", grinste der Torwart nach dem Spiel. "Aber wenn’s läuft, dann läuft’s." Und wie es für Luzern eben nicht lief. 15 Torschüsse, kein Treffer - das sagt eigentlich alles. Roger Römer, der flinke Linksaußen, rannte, dribbelte, schoss - und verzweifelte. "Ich dachte, irgendwann muss doch einer reingehen", sagte er hinterher kopfschüttelnd. "Aber der Ball mochte uns heute einfach nicht." Visp kam zunächst selten über die Mittellinie, doch in der 36. Minute passte plötzlich alles: Nick Cloutier behauptete sich im Mittelfeld, legte den Ball steil auf Alves, der mit einem schnellen Haken Innenverteidiger Benveniste ins Leere laufen ließ und trocken ins lange Eck abschloss. 1:0 - aus Sicht der Gastgeber ein kollektiver Stich ins Herz. Trainer Reinhard Wild reagierte mit einem Seufzer, der bis in die VIP-Loge zu hören war. "Wir haben alles versucht - kurz, lang, über Außen, durch die Mitte. Aber das Tor war wie vernagelt", sagte er später. Tatsächlich: Luzern spielte mit offensiver Ausrichtung, langen Pässen und Dauerfeuer - aber Visp verteidigte mit zäher Konsequenz. Callum Heighway sah zwar in der 33. Minute Gelb, nachdem er Römer rustikal vom Ball trennte, doch ansonsten hielt die Abwehr stand. Nach der Pause drängte Luzern noch entschlossener. Coach Wild brachte in der 64. Minute Bojan Drageljevic für den müde gelaufenen Hougaard, später kam der 17-jährige Henri Diarra zu seinem Debüt. "Ich hab ihm gesagt: Spiel einfach dein Spiel", verriet Wild. "Er hat dann auch gleich zwei Mal aufs Tor geschossen - immerhin!" Währenddessen blieb Visp stoisch. Eric Desjardins prüfte in der 47. Minute den Luzerner Keeper Robert Siebert, Alves setzte in der 56. noch einen Schuss daneben, und Abadschiew musste kurz vor Schluss verletzt raus - ein Dämpfer, den Schneider gelassen nahm: "Georgi hat sich leicht am Oberschenkel gezwickt. Aber wenn man ein Spiel so verteidigt, darf man sich auch mal was zerren." Gelb kassierten am Ende fast nur Luzerner: Langer (58.), Born (71.) und Benveniste (80.) sahen den Karton, als sie in der Verzweiflung noch einmal alles reinwarfen. "Manchmal ist der Ball schneller als das Bein", murmelte Benveniste entschuldigend. Und so endete ein Abend, an dem Blau-Weiss Luzern alles hatte - außer Glück. Der Ballbesitz lag mit 49,3 Prozent fast pari, die Zweikampfquote sogar leicht besser, doch was zählen die Zahlen, wenn auf der Anzeigetafel ein schlichtes 0:1 steht? "Ich werde heute schlecht schlafen", gab Wild zu. "Aber morgen trainieren wir wieder. Vielleicht schießen wir dann endlich mal ins Tor, nicht nur drauf." Visp hingegen feierte ausgelassen vor der Fankurve. "Drei Punkte, sauberer Sieg", rief Alves, während er sich die Haare aus der Stirn strich. "Ich sag’s euch: Wir sind gekommen, um in dieser Liga was zu reißen." Und Luzern? Die blieben zurück mit dem Gefühl, ein besseres Spiel verloren zu haben. Im Fußball nennt man das wohl "Lehrgeld". Oder, wie ein älterer Zuschauer auf der Tribüne trocken meinte: "Wer 15 Mal schießt und nix trifft, soll sich nicht wundern - das ist Physik, keine Pechsträhne." Ein bitterer, aber ehrlicher Abend für Blau-Weiss - und ein goldener für Felipe Alves und den FC Visp. 24.12.643990 06:55 |
Sprücheklopfer
Ich bin gespannt auf den ersten Augenblick, wenn er auf dem Spielfeld erstmals wegen seiner Erkrankung von einem Gegenspieler dumm angemacht wird. Wenn er ihm dann in die Eier tritt, dann weiß ich, dass er gesund ist.
Uli Hoeneß zum Gesundheitszustand von Sebastian Deisler