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Es war ein Freitagabend, wie ihn die 1. Liga Schweiz liebt: 41.426 Zuschauer, Flutlicht, zwei Teams, die lieber nach vorne als zurück spielen - und am Ende ein 2:2, das keiner so richtig wollte, aber beide wohl verdient hatten. Der FC Altstetten und Blau-Weiss Luzern lieferten sich am 27. Spieltag ein Duell, das anfangs nach einem Heimsieg roch, am Ende aber den Charakter eines Lehrfilms über verpasste Chancen bekam. Schon früh deutete sich an, dass Trainer Simon Baudach seine Altstettener auf Angriff gepolt hatte. "Wir wollten den Gegner gleich da packen, wo’s weh tut - nämlich hinten", grinste Baudach später, als wäre das Ergebnis nur ein Betriebsunfall. Und zunächst ging sein Plan auf: In der 11. Minute erzielte Timo Letourneur nach Pass von Rechtsverteidiger Mika Litmanen das 1:0. Ein Treffer, wie aus dem Lehrbuch, nur dass Letourneur danach gleich selbst zum Lehrer wurde: In der 26. Minute bediente er den 18-jährigen Frank Matthieu, der eiskalt zum 2:0 einschob. Das Stadion bebte, und ein Altstettener Fan im Block A rief begeistert: "Heute gibt’s Fondue für alle!" - ein Satz, der nur wenige Minuten später bitter schmeckte. Denn Blau-Weiss Luzern, von Trainer Reinhard Wild gewohnt offensiv eingestellt, fand in der 31. Minute zurück ins Spiel. Der 17-jährige Henri Diarra, ein Stürmer mit der Unbekümmertheit eines Straßenfußballers, traf nach Zuspiel von Diego Giuliani zum 2:1. "Ich dachte gar nicht, dass der Ball so reingeht", sagte Diarra nach dem Spiel ehrlich und grinste dabei so breit, dass man ihm den Satz sofort glaubte. Die erste Halbzeit gehörte jedoch weiter den Gastgebern. Mit 55 Prozent Ballbesitz und acht Abschlüssen bis zur Pause sah alles nach einem souveränen Abend aus. Doch wer Altstetten kennt, weiß: Souveränität ist dort ein seltener Gast. Nach dem Seitenwechsel drehte Luzern auf. Der Ball lief nun flüssiger, das Kurzpassspiel griff, und das Team von Reinhard Wild wirkte, als hätte es in der Kabine eine doppelte Ladung Espresso bekommen. In der 64. Minute war es dann soweit: Bojan Drageljevic steckte klug durch auf Robert Mantovani, der aus halbrechter Position humorlos flach ins Eck traf - 2:2. Altstetten wankte, aber fiel nicht. Stattdessen versuchte man, das alte Feuer wiederzufinden. Der junge Christian Schmitz prüfte Luzerns Keeper Lasse Rauch in der 49. Minute mit einem satten Schuss - doch Rauch blieb cool. "Ich hab den Ball gar nicht richtig gesehen, aber irgendwie war er dann in meinen Händen", sagte der Torwart später trocken. In der Schlussphase wurde es hitzig. Drei Gelbe Karten für Altstetten in den letzten zehn Minuten - Litmanen (81.), Hein (82.) und Horst (88.) - zeigten, dass die Nerven blank lagen. Dass Luzerns Pierre Gramont kurz zuvor verletzt raus musste, passte zur Dramaturgie eines Spiels, das sich mehr und mehr zum offenen Schlagabtausch entwickelte. Die Zuschauer bekamen noch einige gute Szenen: Letourneur verfehlte in der 75. Minute knapp, Diarra scheiterte zweimal (70. und 73.) an Torwart Muharrem Denizli, und Giuliani prüfte den Altstettener Schlussmann in der Nachspielzeit noch einmal mit einem gefährlichen Schlenzer. Der Ballbesitz sprach am Ende für Altstetten (55,4 %), die Torschussbilanz mit 14:10 jedoch für Luzern - ein statistisches Patt mit viel Unterhaltungswert. "Wir haben heute zwei Gesichter gezeigt: erst charmant, dann chaotisch", bilanzierte Trainer Baudach nachdenklich. Sein Kollege Wild grinste nur: "So ein 2:2 fühlt sich fast an wie ein Sieg - jedenfalls für uns." Als die Spieler vom Feld gingen, applaudierten die Fans beider Lager - die einen für den Einsatz, die anderen für den Mut. Und irgendwo auf der Haupttribüne seufzte ein Altstettener Rentner: "Früher hätten wir das 3:1 gemacht." Vielleicht, aber früher gab’s auch noch keine 18-jährigen Stürmer, die mit einem Lächeln ganze Abwehrreihen durcheinanderbringen. So bleibt ein Spiel in Erinnerung, das alles hatte: Tempo, Tore, Emotionen - nur keinen Sieger. Doch wer ehrlich ist, weiß: Genau dafür lieben wir den Fußball. 18.07.643993 19:37 |
Sprücheklopfer
Dann lebe ich in Oslo, spiele immer noch Fußball und bin immer noch so langsam.
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was er mit 85 Jahren machen wird