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39150 Zuschauer im Estádio Municipal sahen an diesem Pokalabend ein Spiel, das man wohl nur mit einem Wort beschreiben kann: zäh. Erst nach 60 Minuten fiel das erste Tor, und am Ende jubelten die Gäste von CA Alto Peru über ein 2:1 nach Verlängerung gegen CD Cerrense. Der Pokal schreibt seine eigenen Geschichten, heißt es so schön - diesmal war es eine, die mit viel Laufarbeit, einigen Flüchen und späten Emotionen gefüllt war. Schon die ersten Minuten verrieten, wohin die Reise gehen würde: Viel Mittelfeldgeplänkel, kaum klare Chancen, aber jede Menge Gestik und Gegrummel. Alto Peru startete offensiv, wie es Trainer Daniel Düsentrieb angekündigt hatte. "Wir wollten Cerrense gar nicht erst glauben lassen, dass sie hier das Spiel machen dürfen", erklärte er später mit einem schelmischen Grinsen. Seine Jungs hielten Wort - 21 Torschüsse zeigten, dass sie es ernst meinten. Leider, so Düsentrieb weiter, "hatten wir das Tor erst spät richtig eingestellt". CD Cerrense hingegen vertraute auf das gewohnte ausgewogene System ihres Trainers Leahcim Gnipeur - viel Struktur, wenig Spektakel. Das Publikum sah 47 Prozent Ballbesitz und 11 Abschlüsse der Hausherren, die meisten davon aus sicherer Entfernung. Nach einer halben Stunde rief ein Fan hinter mir: "Schießt doch endlich mal!" - worauf Gnipeur sich nur umdrehte und trocken antwortete: "Wir arbeiten dran, mein Freund." Nach einer torlosen ersten Halbzeit kam endlich Bewegung ins Spiel. In der 61. Minute setzte sich der quirlige Agemar Vidigal auf der linken Seite durch, flankte butterweich in den Strafraum, und Jörg Heinemann drosch den Ball mit Nachdruck zum 0:1 ins Netz. Der 21-Jährige jubelte mit ausgestreckten Armen vor der Gästekurve - und flüsterte einem Mitspieler zu: "Endlich einer drin! Ich hatte schon Angst, der Ball mag uns heute nicht." Doch Cerrense reagierte umgehend. Trainer Gnipeur brachte frische Kräfte: Riley Anderson kam für Joao Gomes, und wenig später ersetzte Salvador Meira den glücklosen Nael Marques. Ein Wechsel, der sich in der 69. Minute auszahlte. Nach schöner Vorarbeit von Ryan Skene zog Meira von rechts nach innen und schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck - 1:1! Der Jubel war ohrenbetäubend, und Gnipeur schrie seinem Stürmer zu: "Siehst du, Salvador, Geduld ist eine Tugend!" Beide Teams drängten danach auf die Entscheidung, aber es blieb beim Remis nach 90 Minuten. Die Verlängerung begann mit schweren Beinen und leichten Fehlern. Alto Peru, inzwischen mit dem frischen 18-jährigen Knud Noll auf dem Platz, suchte weiter den Weg nach vorn. Cerrense verteidigte tapfer, doch die Kräfte schwanden. In der 114. Minute fiel dann die Entscheidung: Rhys Broderick spielte einen präzisen Pass in die Tiefe, und Dimas Chalana - ebenfalls erst 21 - blieb eiskalt. Flach ins Eck, 1:2. Während Chalana jubelnd Richtung Eckfahne rannte, sank Cerrenses Torhüter Joseba Mendes auf die Knie. Später sagte er: "Ich hab ihn schon am falschen Fuß gesehen, aber dann war der Ball einfach weg. Wie ein Zaubertrick." Die letzten Minuten waren purer Überlebenskampf für die Gastgeber. Ryan Skene versuchte es in der 120. noch einmal mit einem Verzweiflungsschuss, doch Gästetorwart Inigo Mendes war zur Stelle. Kurz darauf pfiff der Schiedsrichter ab, und Düsentrieb riss die Arme in die Luft. "Ein schönes Stück Arbeit", grinste er, "und ein paar graue Haare mehr." Cerrense verabschiedet sich damit aus dem Pokal, während Alto Peru ins Viertelfinale einzieht. Statistisch gesehen war der Sieg verdient - mehr Ballbesitz, mehr Abschlüsse, etwas mehr Biss. Aber für Cerrense bleibt der bittere Geschmack des "Fast-hätten-wir’s-geschafft". Trainer Gnipeur brachte es mit Galgenhumor auf den Punkt: "Wir haben uns nicht blamiert. Nur eliminiert." Und so endete ein langer Abend, der weniger Glanz als Charakter zeigte. Alto Peru feierte ausgelassen im Flutlicht, Cerrense verschwand schweigend in der Kabine. Doch eines ist sicher: Wer 126 Minuten lang kämpft, darf sich zumindest damit trösten, dass er Teil einer echten Pokalgeschichte war - jener Sorte, die weh tut, aber die man nie vergisst. 28.01.643991 02:31 |
Sprücheklopfer
Statistiken, Statistiken, für Statistiken habe ich mich schon früher nicht interessiert. Statistiken sind dafür da, um gebrochen zu werden.
Matthias Sammer