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Wenn man den Ballbesitz gewinnt, aber das Spiel verliert, dann ist man vermutlich CD Cerrense. Am 7. Spieltag der 1. Liga Uruguay zeigte sich Atlético Albion als Meister der Ökonomie - 37 Prozent Ballbesitz, 63 Prozent Spielfreude, 100 Prozent Effizienz. Das Endergebnis: 3:1 für die Hausherren vor 25 337 Zuschauern, die sich bei mildem Abendwind wohl dachten: "Das war kein Fußballspiel - das war eine Lehrstunde in Minimalismus." Schon nach zehn Minuten deutete sich an, dass Cerrense den Ball lieber streichelt, als ihn aufs Tor zu schießen. Nael Marques probierte es zwar mehrfach, scheiterte aber an Albion-Keeper Georges Pelletier, der mit einem Grinsen meinte: "Ich hatte heute mehr Ballkontakte als unser Mittelstürmer - das sagt alles." Albion hingegen wartete geduldig. In der 25. Minute platzte der Knoten: Severin Piechniczek, der bullige Mittelstürmer mit der Eleganz eines Presslufthammers, verwertete die erste wirklich gute Chance eiskalt. 1:0. Trainer Billy Karrer brüllte an der Seitenlinie ein triumphierendes "Endlich!" - halb Freude, halb Erleichterung. Doch Cerrense ließ sich nicht entmutigen. Ryan Skene, der flinke Linksaußen, glich in der 41. Minute aus. Nach Vorarbeit von Hugo Pacos schob er den Ball ins lange Eck - ein Treffer, der so sauber war, dass selbst der Platzwart kurz applaudierte. "Da war Albion zu passiv", knurrte Karrer später, "ich hab’s ihnen in der Halbzeit gesagt: Das ist kein Schaulaufen, das ist ein Spiel!" Mit 1:1 ging es in die Pause - statistisch lag Cerrense klar vorn: mehr Ballbesitz, mehr Pässe, mehr Kontrolle. Nur: Fußball wird nun einmal nicht nach Passquote bewertet. In der zweiten Halbzeit drehte Piechniczek auf. In der 64. Minute, nach einem kraftvollen Antritt über links von Verteidiger Carl Valente, stand der Stürmer wieder goldrichtig. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und draufgehauen", grinste Piechniczek nach dem Spiel. Das Ergebnis sprach für sich: 2:1. Cerrense antwortete - mit noch mehr Ballbesitz. Der Ball zirkulierte, als hätte er Angst, den Strafraum zu betreten. "Wir wollten kontrollieren", erklärte Gästecoach Leahcim Gnipeur später, "aber vielleicht haben wir etwas zu viel kontrolliert und zu wenig gekämpft." Albion dagegen blieb bei seinem Plan: tief stehen, schnell umschalten, klug zuschlagen. Und in der 79. Minute fiel die Entscheidung. Der eingewechselte Sebastien Marceau flankte präzise auf Nahum Ohayon, der mit einem überlegten Schuss zum 3:1 traf. Das Stadion tobte, Billy Karrer hüpfte an der Seitenlinie, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. In den letzten zehn Minuten versuchte Cerrense noch einmal alles. Marques schoss, Skene fluchte, und Torhüter Mendes schlug verzweifelt lange Bälle nach vorn - meistens ins Nichts. Albion verteidigte mit Leidenschaft und ein bisschen Spott. "Die wollten den Ball gar nicht verlieren", lachte Verteidiger Agemar Sousa, "also haben wir ihn ihnen einfach gelassen." Am Ende standen 13 Torschüsse für Albion und 10 für Cerrense in den Statistiken, aber die Zahlen erzählten nur die halbe Geschichte. Cerrense hatte 62 Prozent Ballbesitz, doch Albion die drei Punkte. "Ich liebe diese Art von Spielen", sagte Piechniczek, der Mann des Abends. "Da sagt jeder, wir hätten keine Kontrolle - und dann kontrollieren wir das Ergebnis." Trainer Karrer ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Wir spielen nicht schön, wir spielen zielgerichtet. Schönheit gibt’s im Museum, Punkte hier auf dem Platz." Und Gästecoach Gnipeur fasste es trocken zusammen: "Wir hatten den Ball, sie hatten den Plan." So verließ Albion den Platz als verdienter Sieger - nicht wegen Dominanz oder Eleganz, sondern wegen Effizienz, Wille und einem Stürmer, der an diesem Abend einfach alles traf. Die Fans sangen noch lange nach Abpfiff, während die Spieler von Cerrense ratlos in der Kabine saßen. Ein Spiel, das beweist: Ballbesitz ist nur eine Statistik, Tore sind die Wahrheit. Und Albion erzählte sie mit Nachdruck. 20.01.643994 02:22 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack