Sport-Blick
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Acht Tore, ein Chaos: Breitenrain und Brühl liefern Fußball-Wahnsinn

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob die Defensivreihen beider Mannschaften kollektiv beschlossen hatten, mal Pause zu machen. 4:4 hieß es am Ende zwischen dem FC Breitenrain und Brühl St. Gallen - ein Ergebnis, das so wild war wie die Gesichter der Trainer nach Abpfiff. Markus Stoller, der Breitenrain-Coach, raufte sich die Haare: "Ich wollte eigentlich ein geordnetes Spiel sehen. Bekommen habe ich ein musikalisches Feuerwerk - nur leider ohne Notenblatt."

Rund 41.897 Zuschauer - ja, richtig gelesen, eine Rekordkulisse in der 1. Liga Schweiz - sahen ein Spektakel, das schon nach vier Minuten Fahrt aufnahm. Brandon Satchmore, der flinke Rechtsaußen mit dem Charme eines Straßenkickers, drosch den Ball nach Zuspiel von Youngster Aaron Saint-Pierre ins lange Eck. 1:0, und im Stadion vibrierte alles - inklusive der Kaffeebecher auf der Pressetribüne.

Doch Brühl St. Gallen, trainiert vom stoisch wirkenden Thomas Sprecher, antwortete prompt. In Minute zwölf traf der erfahrene Stephane Barre, nach feiner Vorarbeit von Luca Carey, zum Ausgleich. Barre, der wohl auch im Schlaf noch weiß, wo das Tor steht, kommentierte später trocken: "Ich wollte eigentlich flanken, aber wenn der Ball reinfällt, beschwert sich ja keiner."

Kaum hatte man sich hingesetzt, da schlug Breitenrain wieder zu: Alberto Di Calabria - der Name klingt nach Oper, der Schuss war eher Heavy Metal - hämmerte den Ball in der 13. Minute unter die Latte. Vorlage? Natürlich wieder Satchmore, der an diesem Abend über den rechten Flügel spazierte, als gehöre ihm das Stadion. 2:1, und der Breitenrain-Block jubelte sich in Ekstase.

Dann jedoch kam die Phase, in der Brühl die Kontrolle übernahm. Und was für eine. Barre glich in der 38. Minute erneut aus, diesmal nach Zuspiel von Mateo Bosingwa, der zuvor zwei Breitenrain-Spieler mit einer Drehung alt aussehen ließ. Und kurz vor der Pause traf Sven Parent (44.) nach einer kuriosen Szene: Ein abgefälschter Ball, ein orientierungsloser Verteidiger - und Parent, der einfach lachte und einschob. 3:2 für Brühl zur Halbzeit.

"Wir haben uns in der Kabine angeschaut und gesagt: Jetzt machen wir das Ding richtig kaputt oder drehen es", verriet Breitenrains Jean-Pierre Gaudin später mit einem Grinsen. Gesagt, getan. In der 49. Minute traf er selbst - nach mustergültiger Vorarbeit von, erraten, Brandon Satchmore - zum 3:3.

Doch Brühl wusste zu kontern: Barre, der alte Fuchs, komplettierte seinen Dreierpack fünf Minuten später (54.), diesmal nach Vorarbeit des eingewechselten Morgan Oliphant. "Stephane ist wie ein guter Rotwein", lobte Coach Sprecher später, "wird mit jedem Angriff besser."

Als die Partie in die Schlussphase ging, war Breitenrain wieder dran - und es war der junge Javier Pacos, der in der 67. Minute den Ausgleich erzielte. Nach einem butterweichen Pass von Rechtsverteidiger Alberto Mendilibar schob er überlegt ein. 4:4. Und nein, das war kein Tippfehler.

Danach war alles möglich - nur kein weiterer Treffer. Chancen gab es zuhauf: Pacos scheiterte noch zweimal, Barre köpfte drüber, und Breitenrains Torwart Ognjen Stankovic verabschiedete sich in der 90. Minute mit Krämpfen (und einem ironischen Applaus vom Publikum). Ersatzkeeper Marc Corcoles durfte noch eine Minute lang schwitzen.

Zwei Gelbe Karten - Tom Bonnaire (29.) und Antonio Beto (69.) - würzten das Spiel zusätzlich, auch wenn keiner wirklich böse war. "Wir haben uns am Ende alle umarmt", meinte Bonnaire, "nach so einem Spiel bist du einfach froh, dass du noch stehst."

Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe: Ballbesitz fast ausgeglichen (50,0 zu 49,9 Prozent), Schüsse aufs Tor 9:13 - Brühl etwas aktiver, Breitenrain dafür effizienter. Beide Teams spielten offensiv, mutig, manchmal naiv - aber immer mit offenem Visier.

Trainer Stoller fasste es am Ende mit trockenem Humor zusammen: "Ich wollte drei Punkte. Bekommen habe ich acht Tore. Vielleicht rechnet die Liga das ja irgendwann um." Sein Gegenüber Sprecher grinste nur: "So lange wir so spielen, kauft sich keiner ein Pausenbrot in der ersten Halbzeit. Das ist doch auch was."

Ein 4:4, das keiner je vergessen wird - ein Abend, der zeigte, dass Fußball nicht immer logisch, aber dafür wunderbar verrückt sein kann.

Und irgendwo in der Kabine summte einer leise: "Wir hätten auch 5:5 spielen können." Nur diesmal, zum Glück, ohne Refrain.

27.11.643987 23:25
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Das Gegentor fiel zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt. Aber man muss an dieser Stelle auch einmal die Frage stellen, ob es Gegentore gibt, die zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt fallen.
Christoph Daum
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