Sport-Blick
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Abwehrchef trifft, Brugg verzweifelt - Carouge klaut drei Punkte

Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball Gerechtigkeit einfach ignoriert. 58.024 Zuschauer im Bruger Stadion sahen ein Heimteam, das alles versuchte - und ein Gastteam, das mit einem einzigen, kuriosen Treffer den ganzen Plan über den Haufen warf. Am Ende hieß es 0:1 für den SC Carouge, und Trainer Stefan Schreiner vom FC Brugg stand mit leeren Händen und ratloser Miene vor den Reportern.

"Wenn Ballbesitz Tore wären, hätten wir heute zweistellig gewonnen", knurrte Schreiner nach dem Abpfiff. Ganz Unrecht hatte er nicht: 62,6 Prozent Ballbesitz, 22 Torschüsse, unzählige Flanken - und kein einziger Ball im Netz. Es war, als hätte jemand das Tor des SC Carouge unsichtbar gemacht.

Von Beginn an drückte Brugg aufs Tempo. Schon in der 7. Minute prüfte Wasili Gontschar den jungen Carouge-Keeper Marek Dobias mit einem satten Schuss aus 18 Metern. Der 20-Jährige flog, als ginge es um seine Aufnahme in die Nationalmannschaft, und lenkte den Ball spektakulär über die Latte. Trainer Häusler grinste später: "Marek hat heute wahrscheinlich seine beste Nacht seit dem Abitur gehabt."

Brugg kombinierte, suchte Lücken, kam - und scheiterte. Thomas Michael verfehlte das Tor in der 20. Minute um Haaresbreite, Olav Schilling traf in der 42. Minute nur die Unterkante der Latte, und Cristian Morabito prüfte Dobias gleich dreimal hintereinander, ohne Erfolg. Währenddessen stand Carouge tief, verteidigte mit allem, was Beine hatte, und hoffte auf einen dieser seltenen Momente, in denen Glück und Zufall sich freundlich die Hand reichen.

Dieser Moment kam in der 68. Minute. Ein Eckball von Charles Nicksay segelte halbhoch in den Strafraum, wo ausgerechnet Innenverteidiger Helmut Abbadie, 32 Jahre alt und sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, hochstieg. Er traf den Ball wuchtig mit der Stirn, und ehe Brugg-Keeper Luka Cvitanovic reagieren konnte, zappelte das Leder im Netz. 0:1 - und das Stadion verstummte für einen Moment, als müsse es erst verstehen, was da gerade passiert war.

"Ich hab’ einfach die Augen zugemacht", gab Abbadie später lachend zu. "Charles meinte noch, ich soll einfach hochspringen. Na ja - war wohl ein guter Rat." Trainer Häusler dagegen versuchte, das Ganze taktisch zu erklären: "Wir wussten, dass Brugg bei Standards anfällig ist. Dass Helmut dann den Kopf da hinhält, ist natürlich kein Zufall."

Brugg reagierte mit Wut im Bauch. Schreiner brachte in der 46. Minute den jungen Dominique Berger, der sofort Betrieb machte. Doch egal, ob Brandt, Michael oder Morabito - keiner fand die Lücke in der dichten Gästeabwehr. In der 65. Minute rauschte wieder ein Michael-Schuss knapp am rechten Pfosten vorbei, und auf der Trainerbank der Gäste rief Häusler seinem Team zu: "Haltet einfach die Null - das reicht!"

Carouge verteidigte fortan mit elf Mann. Gelbe Karten für Jean Lefebvre (76.) und den Torschützen Abbadie (80.) waren die logische Folge des aufopferungsvollen Kampfes. Brugg drängte weiter, zählte am Ende über 20 Abschlüsse, aber der Ball wollte einfach nicht über die Linie. Als Schiedsrichter Degen nach 93 Minuten abpfiff, sanken die Bruger Spieler erschöpft auf den Rasen - und die Carouger jubelten, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen.

"Manchmal musst du einfach leiden", sagte Häusler und klopfte seinem Torhüter auf die Schulter. "Heute haben wir gelitten - aber gewonnen."

Für Brugg bleibt die bittere Erkenntnis, dass Dominanz allein keine Punkte bringt. Schreiner wirkte gefasst, fast schon philosophisch: "Wir haben alles richtig gemacht - außer Tore schießen. Vielleicht probieren wir es nächste Woche mal mit Würfeln."

Und so wanderten die drei Punkte nach Carouge, getragen von einem einzigen Kopfball eines Verteidigers, der sonst lieber Bälle wegschlägt als sie ins Tor bugsiert. Fußball kann grausam sein - aber auch wunderbar absurd.

Vielleicht ist das der Grund, warum 58.024 Menschen trotzdem wiederkommen werden.

02.06.643993 12:35
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