Sport-Blick
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Aarberg verzweifelt, Basel trifft - ein Lehrstück in Effizienz

"Wenn du 24-mal aufs Tor schießt und trotzdem verlierst, weißt du, dass der Fußball heute nicht dein Freund war", murmelte FC-Aarberg-Trainer Joao Alves nach dem Abpfiff und starrte in den klaren, kalten Januarhimmel. 30.998 Zuschauer im Aarberger Stadion hatten gerade erlebt, wie Nordstern Basel mit einem einzigen Treffer das Spiel des 13. Spieltags der 2. Liga Schweiz mit 1:0 gewann - ein Ergebnis, das so nüchtern wie grausam ist.

Von Beginn an war klar, dass Aarberg die Rolle des Taktgebers übernehmen wollte. 55,9 Prozent Ballbesitz, 24 Torschüsse - das liest sich nach Dominanz, nach Spielfreude, nach Kontrolle. Nur: Kein Ball fand den Weg ins Netz. Vincent Leblanc prüfte Basels jungen Keeper Guillaume Stanton bereits in der zweiten Minute, Ezequiel Brito donnerte kurz darauf aus 20 Metern drauf, als wolle er das Tornetz in die Nachbarschaft schießen. "Ich dachte ehrlich, der Ball sei schon drin", lachte Brito später gequält. War er nicht.

Basel, gecoacht vom stoisch wirkenden Ti Wei, stand tief, lauerte - und hatte den Mut, auf die Jugend zu setzen. Acht Spieler unter 20, aber mit der Kaltschnäuzigkeit von Profis. In der 33. Minute setzte der 18-jährige Roger Holz ein erstes Lebenszeichen, sein Schuss aber landete in den sicheren Händen von Aarbergs Torwart Erik Frigard. "Da wusste ich, die können auch beißen", meinte Aarbergs Mittelfeldmotor Thierry Bureau.

In der 10. Minute hatte Leonardo Rossi bereits Gelb gesehen, nachdem er bei einem Zweikampf etwas zu leidenschaftlich in die Beine des Gegners rauschte. Es war symptomatisch: viel Leidenschaft, wenig Fortune. Rossi wurde zur Pause ausgewechselt, Trainer Alves wollte "mehr Frische auf der linken Seite", brachte den jungen Arthur Furtok. Auch vorne kam Kay Alex für Mariusz Nawalka - neue Spieler, gleiche Geschichte: Chancen, Chancen, Chancen.

Basel blieb geduldig. In der 52. Minute prüfte Sasa Vasiljevic Frigard, der parierte glänzend. Dann kam die Szene des Abends: die 85. Minute. Der 19-jährige Diego Domingos sprintete die rechte Außenlinie entlang, flankte halbhoch in die Mitte - und Werner Bonald, dieser unermüdliche Routinier, nahm den Ball volley. Keine Chance für Frigard. 0:1. Das Stadion verstummte für einen Moment, bevor ein Raunen durch die Ränge ging - so ein Tor, mitten in Aarbergs Dauerdruckphase, war fast schon unverschämt effizient.

Bonald grinste nach dem Spiel: "Ehrlich, ich wollte eigentlich flanken. Aber wenn’s so reingeht, beschwert sich keiner." Neben ihm nickte der 19-jährige Vorlagengeber Domingos: "Ich trainiere diese Flanken jede Woche - dass sie diesmal ankommen, ist auch mal schön."

Die letzten Minuten waren ein rotes Tuch für Aarberg. Bureau drosch in der 88. Minute die Kugel knapp über die Latte - sein vierter Abschluss, wieder ohne Lohn. Nordsterns Abwehrchef Ralph Seymour, gerade erst für den verletzten Sebastien Hein eingewechselt, warf sich in jeden Zweikampf, als hinge sein Leben davon ab. Und als Schiedsrichter Baumgartner in der 90. Minute Yannik Geiger wegen Zeitspiels verwarnt hatte, war der Basler Jubel auf der Bank kaum mehr zu halten.

"Das ist Fußball", sagte Trainer Ti Wei mit einem kaum merklichen Lächeln. "Manchmal gewinnt nicht der, der mehr hat - sondern der, der das Richtige tut, wenn’s zählt." Eine Weisheit, die Aarberg an diesem Abend wohl unterschreiben würde.

Statistisch gesehen war das Ganze fast absurd: 24:7 Torschüsse, 55,9 Prozent Ballbesitz, 54,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und doch die Null auf der Anzeigetafel. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus. "Wir haben alles gegeben", meinte Kapitän Domingo Moutinho, "nur das Tor wollte halt nicht."

Vielleicht war es einfach einer dieser Abende, an denen der Ball lieber schweben als einschlagen wollte. Vielleicht war es aber auch ein Lehrstück über Effizienz. Basel hatte sieben Schüsse - und einen Treffer. Aarberg hatte 24 - und eine bittere Erkenntnis.

Oder, um es mit den Worten eines Fans zusammenzufassen, der beim Hinausgehen seufzte: "Wir hätten noch bis Mitternacht spielen können - der Ball wär trotzdem nicht reingegangen."

Das Fazit: Nordstern Basel stiehlt drei Punkte aus Aarberg, mit jugendlicher Frechheit und einem Hauch Glück. Und Aarberg? Die schauen jetzt auf ihre Statistik und fragen sich, wie man aus so viel Spielwitz so wenig macht. Vielleicht hilft ja ein altes Sprichwort: Wer das Tor nicht trifft, trifft wenigstens die Herzen der Zuschauer. Irgendwie.

17.06.643987 11:03
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