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Im Lichtermeer des Schaffhauser Stadions, vor stolzen 25.239 Zuschauern, flogen am Montagabend die Funken - allerdings eher von den Flutlichtmasten als von der Offensive des SV Schaffhausen. Der FC Aarberg entführte mit einem unspektakulären, aber effizienten 1:0-Sieg drei Punkte und ließ die Gastgeber ratlos zurück. Das Spiel begann, als hätten beide Teams den gleichen Taktikzettel gelesen: "Ausgewogen, sicher, bitte keine Experimente." Doch während die Aarberger diese Devise mit einer Spur mehr Zielstrebigkeit umsetzten, verirrten sich die Schaffhauser in der eigenen Balance. Schon in der dritten Minute prüfte Aarbergs Linksaußen Mariusz Nawalka den Schaffhauser Keeper Agemar Postiga - ein erster Vorgeschmack auf das, was folgen sollte: eine einseitige Schussstatistik von 17:5 zugunsten der Gäste. In der 26. Minute fiel dann das Tor des Abends - und vermutlich auch das schönste, das Aarberg in diesem Winter erzielen wird. Nach einem feinen Doppelpass mit Mittelfeldmotor Thierry Bureau zog Domingo Moutinho von rechts in den Strafraum, verzögerte kurz, und schlenzte den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers ins lange Eck. Postiga flog, die Fans hielten den Atem an, und Moutinho grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber wenn’s so reingeht, beschwer ich mich nicht." Schaffhausen versuchte danach, das Spiel zu beleben, doch viel mehr als ein paar harmlose Versuche von Bruno Kurz (5. und 89. Minute) und Valentin Lindblom (17.) sprang nicht heraus. Der Ballbesitz lag mit 45 zu 55 Prozent zwar nicht dramatisch ungleich verteilt, doch Aarberg wusste schlicht mehr damit anzufangen. "Wir hatten die bessere Idee, was man mit einem Ball anfangen kann", grinste Aarbergs Coach Joao Alves nach der Partie, während sein Schaffhauser Gegenüber wortkarg blieb und nur murmelte: "Ideen sind auch eine Frage des Selbstvertrauens." Die zweite Halbzeit begann mit zwei personellen Anpassungen bei Aarberg: Vyron Papaioannou kam für den blassen Rui Canton, und kurz darauf musste der junge Claus Kofod verletzungsbedingt raus. Sein Ersatz, Domingo Vaz, brachte frischen Wind, aber auch eine gewisse Unruhe - inklusive einer Gelben Karte für Kollege Bureau in der Nachspielzeit. "Thierry hat halt ein Temperament wie ein Espressokocher", witzelte Alves. Schaffhausen dagegen blieb offensiv wie festgefroren. Die Fans versuchten, das Team mit Sprechchören wachzurütteln, doch auf dem Platz blieben die Beine schwer und die Ideen dünn. Besonders bitter: Der 18-jährige Maurice La Barre, der in der Schlussphase eingewechselt wurde, bekam kaum einen Ball zu sehen - und wenn, dann meist in Form eines unkontrollierbaren Befreiungsschlags. Aarberg hätte das Spiel früher entscheiden können. Chancen von Nawalka (63.), Badham (69.) und Rossi (75. und 88.) verpufften jedoch, teils an Postiga, teils an der eigenen Ungenauigkeit. "Wir wollten’s wohl spannender machen, als nötig", gab Torschütze Moutinho zu. Am Ende blieb es beim knappen 1:0, das in seiner Schlichtheit perfekt zum Spiel passte. Kein taktisches Feuerwerk, kein Spektakel - aber drei Punkte für ein Team, das wusste, wann genug Risiko genug ist. Statistisch betrachtet war Aarbergs Sieg verdient: mehr Schüsse, mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle. Schaffhausen dagegen zeigte eine tackling-Quote von 44 Prozent - ein Wert, der den fehlenden Zugriff sinnbildlich illustriert. Nach Schlusspfiff saß Bruno Kurz mit hängendem Kopf in der Kabine. "Wir haben nicht schlecht gekämpft, aber irgendwie fehlte der Glaube", sagte er und blickte auf seine Schuhe. Vielleicht meinte er aber auch die fehlende Präzision in den Pässen. Ob der SV Schaffhausen daraus lernt, wird sich zeigen. Für Aarberg hingegen war es ein Arbeitssieg, der in keiner Highlight-Compilation landen wird - aber in der Tabelle zählt nun mal nur das Ergebnis. Oder wie Trainer Alves es treffend formulierte, bevor er in den Mannschaftsbus stieg: "Schön spielen darf man wieder, wenn wir 40 Punkte haben." Ein Satz, der in Schaffhausen wohl noch nachhallen dürfte - und vielleicht der beste Beweis dafür ist, dass Pragmatismus im Fußball manchmal eben auch die schönste Taktik ist. 26.05.643987 10:53 |
Sprücheklopfer
Wir sind zu stark um da unten wieder rauszukommen.
Klaus Toppmöller