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Ein bitterkalter Samstagabend in Moskau, 20:30 Uhr Anstoßzeit, 12.119 Zuschauer im Stadion, die sich wohl bald wünschten, sie hätten lieber am heimischen Samowar gesessen. Spartak Moskau empfing am 10. Spieltag der 1. Liga Russland den auf dem Papier harmlos wirkenden Klub Zvezda Irkutsk - und erlebte eine Lehrstunde in Effizienz, Tempo und, ja, Demütigung. Am Ende stand ein 1:4 (0:3), das so deutlich war, wie es klingt. Was als ausgeglichenes Duell begann, kippte nach einer halben Stunde in ein rot-weißes Desaster. Spartak hatte mit 50,9 Prozent Ballbesitz und 14 Torschüssen statistisch nicht einmal schlecht ausgesehen, aber Zvezda nutzte seine 16 Abschlüsse, als hätte jeder Schuss die Zieladresse "Torwinkel". Es begann in der 37. Minute: Xabier Castro, der flinke rechte Mittelfeldspieler aus Irkutsk, zog nach Pass von Stille Ganesvoort von rechts nach innen und traf trocken ins lange Eck. Zwei Minuten später war es dann Wladimir Anjukow - ein Innenverteidiger! -, der nach einer Ecke goldrichtig stand und das 0:2 köpfte. Spartaks Keeper Foma Ragulin sah dabei so aus, als plane er innerlich schon den nächsten Sommerurlaub. Kurz vor der Pause wurde es dann richtig bitter. Wieder kombinierte sich Zvezda durch die Mitte, diesmal über den 33-jährigen Irakli Schamnow, der Ganesvoort in Szene setzte. Der 22-Jährige blieb cool, zog aus 18 Metern ab - 0:3. Der Pausenpfiff rettete Spartak vor Schlimmerem, aber schon da hallten erste Pfiffe durch das Stadion. "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen aufwachen - leider war der Wecker kaputt", knurrte Spartak-Trainer nach dem Spiel, der sich sichtlich bemühte, seine Fassung zu bewahren. Namen wollte er keine nennen, aber als Kornej Michailow in der Kabine seinen Schienbeinschoner suchte, soll jemand gemurmelt haben: "Der liegt wohl da, wo unser Mittelfeld war." Die zweite Halbzeit begann immerhin mit einem Hoffnungsschimmer. In der 56. Minute flankte Ivan Henriquez präzise auf Kirill Dazjuk, der aus spitzem Winkel zum 1:3 einschoss. Das Stadion erwachte kurz, die Fans riefen "Da geht noch was!" - doch es ging, wie sich herausstellte, nur noch in eine Richtung: wieder nach hinten. Zvezda kontrollierte die Partie defensiv clever, lauerte auf Konter über die Flügel, und in der 81. Minute war es soweit: Evangelos Fyssas zog auf rechts die Linie entlang, passte flach in die Mitte, und Vicente Zahinos verwandelte eiskalt zum 1:4-Endstand. "Wir wollten einfach Spaß haben", grinste Zvezda-Coach Alex Alex anschließend und fügte schelmisch hinzu: "Und manchmal macht Gewinnen einfach mehr Spaß." Seine Mannschaft hatte es geschafft, mit disziplinierter Defensive und schnellen Umschaltmomenten Spartak alt aussehen zu lassen. In den Schlussminuten versuchte Spartak verzweifelt, wenigstens Ergebniskosmetik zu betreiben. Felix Nikitin prüfte Gästetorwart Laurent Boyer gleich dreimal (41., 44., 82.), aber der Franzose im Kasten war an diesem Abend schlicht unbezwingbar. Auch die Statistik erzählte eine kleine Ironie: Spartak leicht besser im Ballbesitz, Zvezda leicht besser in der Zweikampfquote - aber was zählen schon Zahlen, wenn vier Tore auf der Anzeigetafel stehen? Zvezda hatte sogar Zeit für ein wenig Dramatik: In der 67. Minute verletzte sich Philipp Ionow am Oberschenkel, humpelte vom Platz, wurde aber von Ingo Fernandes ersetzt, der prompt frischen Wind brachte. Drei Gelbe Karten (Smertin, Pedersen, Schamnow) unterstrichen, dass Irkutsk keineswegs zimperlich war - aber eben effektiv. Nach dem Abpfiff standen die Spartak-Spieler ratlos auf dem Rasen. "Manchmal läuft’s einfach gegen dich", sagte Torschütze Dazjuk mit leerem Blick. "Heute lief’s gegen uns, gegen den Ball, gegen die Latte, gegen den Wind und wahrscheinlich auch gegen die Stadionwurst." Währenddessen feierte Zvezda ausgelassen mit den rund 200 mitgereisten Fans. Ein Spieler rief in die Kameras: "Irkutsk, Baby, wir sind keine Touristen!" - und das passte. Dieses Team war gekommen, um zu bleiben. Und so endete ein frostiger Moskauer Abend mit einem heißen Ergebnis: Spartak taumelt, Zvezda fliegt. Man könnte sagen, die Sterne aus Irkutsk leuchten heller denn je - sehr zum Ärger der Hauptstadt. Oder, wie ein älterer Spartak-Fan beim Rausgehen murmelte: "Früher haben wir solche Spiele gewonnen. Heute gewinnen sie die anderen." Ein Satz, so wahr wie schmerzhaft - und die perfekte Zusammenfassung eines 1:4, das sitzen bleibt. 03.05.643987 07:08 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
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