Sovetskij Sport
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Zvezda Irkutsk schockt Samara - eiskalte Gäste siegen 3:1

Ein frostiger Januarabend in Samara, 10.000 Zuschauer, Glühwein in Plastikbechern und ein Heimteam, das sich warm anziehen musste - sportlich wie meteorologisch. Am 6. Spieltag der 1. Liga Russland zeigte Zvezda Irkutsk, dass Offensivfußball auch bei minus acht Grad funktioniert. Mit einem unerwartet deutlichen 3:1-Auswärtssieg nahmen sie nicht nur drei Punkte mit, sondern auch das letzte bisschen Gemütlichkeit aus dem Metallurg-Stadion.

Sowetow Samara begann eigentlich vielversprechend. Schon in der ersten Minute prüfte Leif Johnsson den Gäste-Keeper Laurent Boyer - ein Schuss, der mehr nach "Aufwärmübung" aussah, aber immerhin für frühe Betriebsamkeit sorgte. Samara drückte, hatte mehr vom Ball (57 Prozent Ballbesitz), kombinierte gefällig, doch wie so oft: viel Ball, wenig Ertrag.

Und Irkutsk? Spielte schnörkellos, mit langen Bällen und einem klaren Plan: schnell über die Flügel und dann ab in die Mitte. In der 28. Minute belohnten sie sich. Irakli Schamnow, der 33-jährige Mittelfeldstratege mit der Ruhe eines Schachspielers, netzte nach Vorarbeit des jungen Rechtsverteidigers Evangelos Fyssas trocken zum 0:1 ein. "Ich habe einfach draufgehalten, und der Ball hat sich entschieden, reinzugehen", grinste Schamnow später, als wüsste er selbst nicht genau, wie das passiert war.

Samara wirkte kurz geschockt, rappelte sich aber noch vor der Pause. In der 45. Minute bediente Jewdokim Jelzin den freistehenden Mikhail Beresuzki - und der traf mit einem satten Rechtsschuss zum 1:1. Das Stadion jubelte, der Stadionsprecher überschlug sich, und Trainer Alex Alex von Zvezda schüttelte nur den Kopf. "Wir wussten, dass sie irgendwann treffen. Eigentlich war das zu früh", meinte er trocken in der Pressekonferenz.

Nach der Pause blieb Samara optisch überlegen, aber Irkutsk hatte die gefährlicheren Momente. Während Samara 14 Torschüsse sammelte, wirkten die zehn Versuche der Gäste präziser, fast chirurgisch. Besonders Danil Trefilow drehte auf - und traf in der 70. Minute nach Zuspiel des 17-jährigen Innenverteidigers Jermolai Smertin zum 1:2. Ein blitzsauberer Angriff, der Samaras Abwehr aussehen ließ, als hätten sie kollektiv beschlossen, ein bisschen Abstand zu halten.

Trainer Alex Alex wechselte danach jugendlich und mutig: Mit gerade einmal 17 Jahren kamen Viktor Koschewnikow und Gennadi Smertin aufs Feld. Letzterer durfte sogar den erfahrenen Keeper Boyer ersetzen - ein symbolischer Moment, irgendwo zwischen Waghalsigkeit und Genie. "Ich hatte keine Angst", sagte Smertin später mit einem Lächeln, "ich dachte nur: Hoffentlich schießt keiner auf mich."

Doch Samara schoss - und traf eben nicht. Leif Johnsson, bemüht, aber glücklos, scheiterte gleich mehrfach. Der Ballbesitz verpuffte in harmlosen Flanken, das Pressing blieb eher theoretisch. Als die Heimfans langsam die Hoffnung verloren, setzte Zvezda in der 89. Minute den Deckel drauf: Nevio Carvalho, nach Vorarbeit von Philipp Ionow, verwandelte einen Konter zum 1:3-Endstand. Eiskalt, präzise, unaufgeregt - wie ein russischer Winter.

Nach Abpfiff rang Sowetow-Trainer (dessen Name die Statistik verschluckt hat) um Fassung. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber nicht gewonnen. Vielleicht sollten wir das mal umdrehen", murmelte er, während Beresuzki in der Kabine noch versuchte, seine aufgebrachten Kollegen zu beruhigen.

Statistisch war es ein Spiel, das Samara gewonnen hätte - hätte Statistik etwas mit Fußball zu tun. 57 Prozent Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote. Aber Zvezda Irkutsk spielte das, was man gemeinhin als "effektiv" bezeichnet. Kaum Fouls, taktisch klug, und wenn sie Pressing spielten, dann im genau richtigen Moment.

Die Fans von Samara verabschiedeten ihre Mannschaft mit höflichem Applaus - und ein paar ironischen Kommentaren über den neuen Lieblingsgegner aus Sibirien. "Zvezda? Die haben uns heute gezeigt, warum Sterne leuchten - und wir nur blenden," sagte einer kopfschüttelnd auf der Tribüne.

Am Ende blieb die Erkenntnis: Ballbesitz gewinnt keine Spiele, Tore schon. Und während Samara noch an der Chancenauswertung feilt, fliegt Zvezda Irkutsk auf einer Welle sibirischer Kälte in Richtung Tabellenspitze.

Oder, um es mit den Worten von Schamnow zu sagen: "Wir haben den Ball nicht oft gehabt - aber wenn, dann richtig."

Ein Satz, der an diesem Abend so ehrlich war wie das Ergebnis: 1:3.

17.03.643987 23:04
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Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
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