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Es war ein kühler, aber stimmungsvoller Abend im Dresdner Stadion an der Lennéstraße, als am 24. Spieltag der Verbandsliga H die SG Dresden den TSV Aindling empfing. 3.846 Zuschauer fanden sich ein - einige mit Glühwein, andere mit Hoffnung auf ein Torfestival. Am Ende wurde es ein Arbeitssieg, garniert mit zwei Glanzlichtern eines jungen Mannes, der an diesem Dienstagabend ganz groß aufspielte: Albert Zahinos, 20 Jahre jung und Dresdens Mann des Spiels. Schon die Anfangsphase ließ erkennen, dass Dresden trotz ihrer defensiven Grundausrichtung alles andere als abwartend in die Partie ging. Nach kaum zwei Minuten zwang Marvin Roth den Aindlinger Keeper Tobias Franz zu einer ersten Glanztat. "Ich wollte einfach mal sehen, ob er wach ist", grinste Roth später. Franz war es - doch das half nicht lange. In der 8. Minute war es soweit: Nach einem schnellen Doppelpass mit Roth nahm Zahinos Maß und platzierte den Ball präzise ins rechte Eck. 1:0 - und das Stadion erwachte endgültig. Trainer Maik Köppe, sonst eher ein Mann der leisen Gesten, sprang an der Seitenlinie auf und rief: "Genau so haben wir’s geübt!" Ob das stimmte, sei dahingestellt, aber es wirkte. Dresden blieb am Drücker, hatte über 53 Prozent Ballbesitz und spielte mit einem fast schon gemütlich anmutenden Selbstvertrauen. Besonders Linksaußen Bernt Stoll und der agile Van Antwerp kombinierten sich ein ums andere Mal durch die Aindlinger Abwehr, die in dieser Phase mehr mit Schadensbegrenzung beschäftigt war als mit Spielaufbau. In der 28. Minute schlug wieder Zahinos zu - diesmal ohne Vorarbeit, einfach aus dem Rückraum draufgehalten. Der Ball zischte flach ins Netz, 2:0. Der junge Mittelfeldmann rannte jubelnd Richtung Eckfahne, wo ihn seine Teamkollegen fast erdrückten. "Das war kein Zufall", meinte Köppe später mit einem Augenzwinkern. "Wir wissen, dass Albert nicht nur laufen, sondern auch schießen kann." Zahinos selbst blieb bescheiden: "Ich hab einfach draufgehalten. War wohl der richtige Moment." Aindling, das nominell offensiver aufgestellt war, kam erst nach einer halben Stunde besser in die Partie. Nico Lutz und Jürgen Krebs prüften Dresdens Torwart Stefan Probst mehrfach - doch der 35-Jährige zeigte, warum Erfahrung manchmal wertvoller ist als jugendlicher Übermut. Mit stoischer Ruhe pflückte er Flanken herunter, dirigierte seine Abwehr und klatschte nach jeder Parade in Richtung Fankurve. In der Pause schien Aindling-Trainer die Worte gefunden zu haben, die seine Mannschaft brauchte. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr schon da seid, könnt ihr auch kicken", verriet er mit einem müden Lächeln. Und tatsächlich: Nur fünf Minuten nach Wiederanpfiff verkürzte der TSV. Nils Röder zog zentral aus 20 Metern ab, der Ball prallte noch leicht ab - und plötzlich stand’s 2:1. Vorlagegeber Yannik Schreiner reckte die Faust, Röder grinste: "Endlich mal einer drin." Die Partie wurde nun offener, hektischer und körperlicher. Dresden blieb zwar gefährlich - 20 Torschüsse insgesamt sprechen eine deutliche Sprache - doch die Leichtigkeit der ersten Halbzeit war verflogen. Van Antwerp scheiterte gleich dreimal in Folge, einmal an Franz, einmal am Pfosten, einmal an sich selbst. Auf der Gegenseite hatte Lutz die große Ausgleichschance, setzte den Ball aber freistehend über die Latte. Auf der Tribüne sorgte das für kollektives Stöhnen - und ein erleichtertes Aufatmen bei den Dresdner Fans. Die letzten Minuten waren ein zähes Ringen. Dresden zog sich zurück, verteidigte mit Leidenschaft und gelegentlicher Verzweiflung. Aindling drückte, doch die Defensive um Markus Meyer und Heinz Stefan hielt stand. Als der Schlusspfiff ertönte, war der Jubel groß - und Trainer Köppe fiel seinem Co-Trainer fast in die Arme. "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte", sagte er grinsend auf der Pressekonferenz. "Und wer zweimal trifft, darf auch mal den Bus zuerst besteigen." Aindlings Kapitän Röder wirkte enttäuscht, aber gefasst: "Wir waren nach der Pause besser, aber wer in einer Halbzeit schläft, verliert eben - egal, wie hübsch er spielt." So bleibt unterm Strich ein verdienter 2:1-Erfolg für die SG Dresden, die mit diesem Sieg ihre kleine Serie fortsetzt und in der Tabelle weiter Boden gutmacht. Aindling dagegen muss sich fragen, warum 46 Prozent Ballbesitz und elf Torschüsse nicht für mehr reichen. Vielleicht, weil Dresden an diesem Abend einfach ein bisschen wacher, ein bisschen williger - und ein bisschen Zahinos war. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "Manchmal reicht’s, wenn einer zweimal trifft - alles andere ist Statistik." 24.06.643993 04:19 |
Sprücheklopfer
Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt.
Fritz Walter Junior