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Wenn der Ball unter Flutlicht auf Kreta rollt, dann scheint selbst der Wind Respekt zu haben. 36.152 Zuschauer im Stadion von Heraklion sahen am Samstagabend ein Spiel, das kaum begonnen hatte, da war es fast schon entschieden. Gerade drei Minuten waren vergangen, als Guillermo Yanez, der wieselflinke Linksaußen von OFE Kreta, den Ball aus spitzem Winkel in die Maschen drosch - 1:0. Larissas Torwart Javi Ximenes sah dabei aus, als hätte er die Sonne geblendet, obwohl es längst Nacht war. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Yanez später, "aber der Ball hat sich entschieden, ein Tor zu werden." Trainer Jeff Johnson kommentierte trocken: "Wenn alle Flanken so enden, soll er ruhig weiterflanken." Kreta spielte in den ersten 45 Minuten wie entfesselt, mit 63 Prozent Ballbesitz und einer Passquote, die in den Tavernen der Insel wohl noch am Montag besungen wird. Larissa dagegen wirkte, als hätte man sie auf eine Sightseeing-Tour geschickt: viel Laufen, wenig Anfassen. In der 25. Minute dann das 2:0 - wieder Yanez, wieder eiskalt. Diesmal hatte Minos Theodoridis den Ball so präzise in den Lauf gespielt, dass man fast von Telepathie sprechen musste. "Ich habe nur gehofft, dass Guillermo schneller denkt als ich laufe", sagte Theodoridis nach dem Spiel lachend. Er lag richtig. Larissa, das Team von Trainer Bernard Dietz, kam kaum ins Rollen. Fünf Torschüsse standen am Ende zu Buche, und die wenigen, die überhaupt auf Kretas Tor gingen, blieben sichere Beute von Keeper Kian Boutin, der sich über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen wollte: "Ich hatte Zeit, über das Abendessen nachzudenken - vielleicht Lamm mit Zitronenkartoffeln." Nach der Pause nahm Kreta den Fuß vom Gas - vielleicht zu früh, vielleicht zu selbstsicher. Die Gäste versuchten es mit drei Wechseln in der 60. Minute, darunter Oldie Orestis Athanasiadis, der mit 37 Jahren noch einmal zeigen wollte, dass Erfahrung kein Ersatz für Tempo ist. Kurz darauf humpelte der junge Stelios Firos verletzt vom Platz - das Sinnbild eines Larissa-Abends, an dem einfach nichts zusammenlief. Gelbe Karten gab es auch: Markos Kirastas von Kreta ließ sich in der 57. Minute zu einem rustikalen Einsteigen hinreißen, während Larissas Abwehrchef Luis de Freitas kurz vor Schluss den Frust in ein taktisches Foul übersetzte. "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens kämpferisch", schnaufte er nach dem Abpfiff. Kreta dagegen wechselte in der Schlussphase mit jugendlichem Elan: Der 17-jährige Marius Herlovsen kam zur Halbzeit, ebenfalls der gleichaltrige Leandros Eleftherakis kurz vor Schluss. "Ich wollte den Jungs zeigen, wie sich Sieg anfühlt", sagte Trainer Johnson, "man weiß ja nie, wann sie wieder so leicht zu haben sind." Larissa blieb auch in der zweiten Hälfte harmlos, trotz offensiver Grundordnung. Ihre Taktik war offiziell "offensiv - konterorientiert", praktisch aber "betend - hoffend". Kreta dagegen spielte weiter munter nach vorn, 22 Torschüsse insgesamt, und hätte das Ergebnis locker höher schrauben können, wenn Jemez oder Karaslawow ihre Chancen in der 70. und 73. Minute genutzt hätten. "Wir wollten das Spiel nicht nur gewinnen, sondern genießen", meinte Doppeltorschütze Yanez, der sich nach Abpfiff demonstrativ den Schweiß von der Stirn wischte, obwohl er kaum müde wirkte. "Das war heute ein Fest - und ich der DJ." Larissas Coach Bernard Dietz suchte nach Worten - und fand sie schließlich mit bitterem Humor: "Wir waren heute wie ein Schiff ohne Anker. Und Kreta hat uns versenkt, bevor wir überhaupt ablegen konnten." Fazit: Ein souveräner, fast spielerisch leicht wirkender 2:0-Sieg von OFE Kreta, der das Team in der Tabelle nach oben katapultiert. Larissa dagegen bleibt im Mittelfeld stecken - mit einem Spiel, das mehr Fragen als Antworten hinterlässt. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn Yanez so weitermacht, müssen sie das Stadion bald in ’Estadio Guillermo’ umbenennen." Und ehrlich gesagt - nach diesem Abend würde auf Kreta wohl kaum jemand widersprechen. 30.08.643990 13:47 |
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