La Nacion
+++ Sportzeitung für Paraguay +++

Wunder, Wut und Wadenkrämpfe: Villa Hayes trotzt Taquari ein spätes 1:1 ab

Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die selbst ein Drehbuchautor mit zu viel Mate-Tee nicht besser hinbekommen hätte. Am 8. Spieltag der 1. Liga Paraguay kam CF Taquari nach Villa Hayes - und schoss aus allen Lagen. 23 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, gefühlt 90 Minuten Dauerdruck. Und dennoch hieß es am Ende: 1:1. Ein Ergebnis, das Taquaris Trainer Tim Thaler vermutlich noch im Schlaf murmeln wird - begleitet von einem tiefen Seufzer.

Die 12.500 Zuschauer im Estadio Municipal sahen von Beginn an ein Spiel mit klaren Rollen: Taquari drückte, Villa Hayes duckte sich - und hatte den eigenen Strafraum zur Hochsicherheitszone erklärt. Schon in der 4. Minute prüfte Attila Detari, der ungarische Wirbelsturm im Sturmzentrum, den Heimkeeper Theo Montgomery. Der streckte sich wie ein Zirkusakrobat und verhinderte Schlimmeres. Und das blieb die Grundmelodie des Abends: Schuss, Parade, Kopfschütteln.

"Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", lachte Montgomery nach dem Spiel, "aber ich glaube, mein Trikot hat heute mehr Grasflecken als unser Platzwart erlaubt."

Taquari kombinierte, flankte, dribbelte - nur das Toreschießen blieb Theorie. Eduardo Mendo probierte es aus 20 Metern (5.), Lionel Xavier aus spitzem Winkel (19.), Xabier Maniche mit seinem berüchtigten Außenrist (22.) - nichts. Der Ball flog, das Netz blieb unberührt. Villa Hayes dagegen? Zwei Torschüsse. In 90 Minuten. Der eine davon im Grunde eine Kerze, der andere - nun ja - ein Treffer.

Doch bis dahin war Geduld gefragt. Die erste Halbzeit verging ohne nennenswerte Unterbrechung, abgesehen von den Gelben Karten für Taquaris Carl Barbosa (18.) und Villas Isidoro Chalana (21.). Es war kein böses Spiel, eher ein ungleiches: hier das technisch versierte Taquari, dort das unbeirrbare Abwehrbollwerk von Villa Hayes, das mit jedem Angriff stärker an eine Betonwand erinnerte.

Erst in der Schlussphase kam Leben in die Bude. In der 85. Minute das Drama: Bastiaan Van Vleck, bis dahin unermüdlich auf der rechten Abwehrseite, blieb nach einem Zweikampf liegen - verletzt raus, ersetzt durch Viktor Johansen. "Ich hab’ ihm gesagt, er soll sich fallen lassen, wenn’s brennt", witzelte später Trainerassistent Hugo Pérez, "aber das war nicht ganz so gemeint."

Kaum war der Wechsel vollzogen, kam der Moment, den niemand erwartet hatte. Der 86. Spielminute entstieg ein kleines Fußballmärchen: Jose Postiga, bis dahin kaum zu sehen, bekam den Ball von Jose Enrique Tonel in den Lauf, zog aus halbrechter Position ab - und traf. 1:0! Das Stadion explodierte, die Ersatzbank verlor kurzzeitig den Bezug zur Schwerkraft.

"Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Postiga später, "aber er war drin. Und das zählt ja mehr."

Taquari reagierte, wie ein angeschossener Löwe reagiert: mit Wut und noch mehr Angriffslust. Trainer Tim Thaler brüllte von der Seitenlinie: "Weiter, weiter!", als ginge es um eine Prüfung im Dauerlauf. Und seine Spieler gehorchten. 87., 90., 90.+1 - alles Detari. Der Stürmer schien sich vorgenommen zu haben, das Spiel im Alleingang zu retten. Und tatsächlich: In der 90. Minute war es soweit. Nach Vorarbeit von Andre Maier drückte Detari den Ball endlich über die Linie. 1:1.

"Ich hab ihn fast umarmt, aber dann fiel mir ein, dass ich noch laufen musste", sagte Maier lachend.

Villa Hayes verteidigte die letzten Sekunden mit allem, was Beine hatte. Selbst Torwart Montgomery schien innerlich mitzuzählen, wann der Schlusspfiff kommen würde. Als es endlich so weit war, klang das Stadion wie eine Mischung aus Erleichterung und purer Erschöpfung.

Statistisch gesehen war Taquari der klare Sieger - 23:2 Torschüsse, fast 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, ein Ballbesitzvorteil von knapp vier Prozentpunkten. Doch Fußball ist nun mal kein Schönheitswettbewerb. "Am Ende zählt das Ergebnis", meinte Thaler trocken, während er seine Jacke zuknöpfte. "Aber manchmal möchte ich, dass es wenigstens ein bisschen gerecht aussieht."

Die Fans von Villa Hayes feierten das Remis wie einen Sieg, während Taquaris Profis mit leerem Blick in der Kabine saßen. Attila Detari, der unglückliche Held, murmelte angeblich: "Ich hätte fünf machen müssen."

Vielleicht. Aber er machte das eine, das am Schluss zählte. Und so blieb ein Abend, der wieder einmal bewies, dass Fußball manchmal einfach nur ein großartig gemeiner Sport ist.

Schlusswort gefällig? Villa Hayes hat mit zwei Schüssen ein Spiel gewonnen, das sie gar nicht hätten gewinnen dürfen - oder zumindest nicht hätten unentschieden spielen dürfen. Taquari dagegen hat den Ball geliebt, aber das Tor gehasst. Und wenn es eine Moral gibt, dann die: Wer 23-mal aufs Tor schießt, sollte vielleicht beim nächsten Mal einfach beim ersten Schuss treffen.

10.04.643987 04:50
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