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Wenn 6500 Zuschauer im AOK-Stadion an einem kühlen Märzabend plötzlich vergessen, dass sie eigentlich in der 3. Liga sind, dann muss etwas Außergewöhnliches passiert sein. Und tatsächlich: Der VfB Wolfsburg II (oder besser gesagt, die grün-weiße Tormaschine) zerlegte am 9. Spieltag Einheit Frankfurt mit 6:3 - ein Ergebnis, das eher nach Hallenturnier als nach seriösem Profifußball klingt. Dabei fing alles recht harmlos an. Frankfurt startete mutig, beinahe schon übermütig. Schon nach elf Minuten zappelte der Ball im Wolfsburger Netz: Der 18-jährige Joao Mario vollendete einen schnellen Angriff über Mateo Diaz - 0:1. "Ich dachte, wir hätten sie damit geschockt", seufzte später Einheit-Trainer Oliver Steinke. "Aber anscheinend hat das nur den Bären geweckt." Denn der VfB antwortete prompt. In der 23. Minute servierte Routinier Karl Schmitt einen Pass in den Lauf von Vitorino Rocha, der mit einem trockenen Abschluss zum 1:1 traf. Der Brasilianer mit dem breiten Grinsen sollte an diesem Abend noch öfter jubeln. Doch Frankfurt blieb frech: Der 17-jährige Diaz, offenbar mit Eistee statt Adrenalin im Blut, schlenzte in der 40. Minute eiskalt zur erneuten Gästeführung. Aber Wolfsburgs Antwort ließ wieder nicht lange auf sich warten - oder wie Trainer Pascal Reents später lachte: "Wir mögen Rückstände so sehr wie kalten Kaffee." Drei Minuten nach dem Diaz-Treffer setzte sich Jesus Hahn über links durch, legte quer, und Tomas Mann - nein, nicht der Schriftsteller, sondern der 31-jährige Stürmer - traf zum 2:2-Pausenstand. Das Publikum klatschte zufrieden, die Fans von Einheit Frankfurt hofften noch. Doch dann kam die zweite Halbzeit - und mit ihr das, was man im Volksmund eine Lehrstunde nennt. Zunächst schockte Frankfurt beim Wiederanpfiff ein drittes Mal: Lewis Carter, eigentlich linker Verteidiger, zog nach feiner Vorarbeit von Salvador Canalejas aus der Distanz ab - 3:2 für die Gäste in der 49. Minute. Jubel, Trubel, Hoffnung. Ganze sechs Minuten später dann die Szene, die das Spiel kippte: Frankfurts Innenverteidiger Caio Deco, gerade erst wegen eines taktischen Fouls verwarnt, sah Gelb-Rot. "Ich schwöre, ich habe nur laut geatmet", soll er später gemurmelt haben. Mit einem Mann mehr drehte Wolfsburg jetzt richtig auf. In der 62. Minute köpfte Innenverteidiger Wilhelm Ackermann nach einer Ecke zum 3:3 ein. Danach war es, als hätte jemand den Offensivknopf gedrückt: Hahn (67.) traf nach Vorarbeit von Hermann Sommer, und Rocha legte in der Schlussphase eine Gala hin. In der 84. Minute verwandelte er eine Hahn-Flanke zur Vorentscheidung, und fünf Minuten später - fast identisch - machte er das halbe Dutzend voll. "Ich wollte eigentlich ausgewechselt werden", grinste Rocha hinterher, "aber der Ball hat mich überredet, noch ein bisschen zu bleiben." Einheit Frankfurt, nun endgültig in Unterzahl und im moralischen Sturzflug, versuchte es weiter tapfer. Doch selbst Trainer Steinke gestand: "Nach dem 4:3 sind meine Jungs mehr gelaufen als gedacht - aber meistens hinterher." Die Statistik zeigt, dass es kein einseitiges Spiel war: 18:13 Torschüsse zugunsten der Wolfsburger, Ballbesitz fast ausgeglichen (50,4 % zu 49,6 %). Doch die Effizienz war der Unterschied. Wolfsburg schoss, als gäbe es kein Morgen, und traf, als hätten sie das Tor auf doppelte Größe gestellt. Ein kleiner Aufreger blieb: In der 82. Minute sah Karl Schmitt noch Gelb, als er einen etwas zu ehrlichen Zweikampf führte. "Das war Ball und ein bisschen Mensch", beschwichtigte Reents mit einem Zwinkern. Nach Abpfiff standen die Spieler mit müden, aber zufriedenen Gesichtern auf dem Rasen. Der Stadionsprecher klang, als könne er es selbst kaum glauben: "Endstand: VfB Wolfsburg - Einheit Frankfurt 6:3." In der Mixed Zone sagte Pascal Reents dann noch einen Satz, der in die Vereinschronik eingehen könnte: "Wir wollten auf Konter spielen - dass daraus ein Feuerwerk wurde, war nicht geplant, aber schön." Vielleicht war es kein perfektes Spiel, aber eines dieser Abende, an denen Fußball einfach Spaß macht - mit jungen Wilden, alten Hasen und einem Publikum, das pfeifend, staunend und grinsend nach Hause ging. Und irgendwo in der Kabine von Einheit Frankfurt soll man noch gehört haben, wie Oliver Steinke murmelte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens spektakulär." Wolfsburg nickte dazu stumm - und bestellte vermutlich schon die nächste Torparty. 12.02.643994 03:25 |
Sprücheklopfer
Heute habe ich sicher so viel Unterstützung wie Leonid Breschnew früher bei den Sowjet-Wahlen!
Jan-Aage Fjörtoft nachdem er das Siegtor gegen Bayern München geschossen hatte