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29844 Zuschauer sahen an diesem feuchtwarmen Februarabend im Estadio Municipal de Ayes eine Partie, die weniger durch ihre Tore, dafür aber durch ihre Intensität in Erinnerung bleiben dürfte. Club Ayes gewann am 6. Spieltag der 1. Liga Paraguay mit 1:0 gegen Aviador Pettirossi - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber auf dem Platz einiges an Dramatik bot. Von Beginn an zeigten die Gastgeber, dass sie gewillt waren, den eigenen Fans ein Spektakel zu bieten. Bereits in der sechsten Minute prüfte Alexander Wiltshire den gegnerischen Keeper Salvador Deco mit einem satten Linksschuss. "Ich wollte eigentlich flanken, aber dann dachte ich mir - warum nicht mal draufhalten?", grinste der englische Flügelstürmer später. Es war ein Vorgeschmack auf das, was noch folgen sollte. Ayes rannte, kombinierte, schoss - insgesamt 22 Mal fand der Ball den Weg Richtung Tor. Pettirossi dagegen brachte es auf ganze fünf Abschlüsse. Und doch täuschte die Statistik ein wenig: Die Gäste hatten mit 53 Prozent den größeren Ballbesitz, ließen sich aber von der bissigen Zweikampfführung der Hausherren beeindrucken. 55 Prozent der Tacklings gingen an Ayes, das Team von Trainer Justin Moller wirkte in den entscheidenden Momenten einfach wacher. Das goldene Tor fiel in der 35. Minute - natürlich durch den auffälligen Wiltshire, der nach einem feinen Zuspiel von Leandro Manuel eiskalt blieb. Ein flacher Schuss, halb rechts, unhaltbar für Deco. "Ich hab’ nur den Fuß hingehalten, der Rest war Instinkt", erklärte Wiltshire bescheiden. Moller kommentierte trocken: "Wenn er das immer so einfach aussehen ließe, bräuchten wir keine Taktiktafel mehr." Nach dem Treffer zog sich Ayes etwas zurück, ließ Pettirossi kombinieren, aber selten wirklich gefährlich werden. Der zentrale Mittelfeldmann Diego Coelho versuchte es aus der Distanz (26. Minute), und später hatte Xabi Borreguero (49.) eine gute Gelegenheit - doch Keeper Rafael Bermudez war auf dem Posten. Vor allem in der Schlussphase, als Ayes’ Kräfte schwanden, hielt der 27-Jährige mit zwei glänzenden Paraden den Sieg fest. "Ich hab’ einfach gedacht: Nicht schon wieder in der 89. Minute!", sagte Bermudez lachend, während er sich mit Eisspray behandeln ließ. Etwas Farbe brachte dann noch die 55. Minute: Caio Coluna sah Gelb, nachdem er einen Ball volley auf die Ersatzbank der Gäste beförderte - unabsichtlich, wie er beteuerte. "Ich wollte eigentlich klären, aber der Ball hatte seine eigene Meinung." Der Schiedsrichter hatte da weniger Humor. In Halbzeit zwei wurde fleißig gewechselt: Moller brachte Routinier Joao Dominguez für den jungen Leandro Manuel, später kamen Antonio Aguas und Vincent Ordono in die Offensive. Letzterer musste in der 71. Minute allerdings verletzt vom Platz - ein schmerzhafter Zusammenprall, der die Stimmung kurz dämpfte. "Er hat was am Oberschenkel, aber nix Dramatisches", gab Moller nach Spielschluss Entwarnung. Pettirossi versuchte es mit spielerischen Mitteln, blieb aber harmlos. Ihre Taktik - ausgewogen, geduldig, fast schon brav - brachte sie nicht wirklich weiter. Kein Pressing, keine Wucht, kein Risiko. "Wir wollten kontrollieren, aber Ayes hat uns laufen lassen", meinte Mittelfeldmann Ignacio Velasquez, der sich über die Ineffizienz seiner Mannschaft ärgerte. In den letzten Minuten wurde es dann noch einmal hektisch: Ayes verteidigte mit allem, was Beine hatte. Selbst Nevio Pelayo, sonst eher aufgeräumter Rechtsverteidiger, drosch in der 90. Minute einen Ball Richtung Parkplatz - sicherheitshalber. Der Schlusspfiff kam wie eine Erlösung. Trainer Justin Moller zeigte sich nach dem Spiel zufrieden - und leicht sarkastisch: "Manchmal ist 1:0 das schönste Ergebnis. Es sagt: Wir hatten Chancen, wir haben gezittert, und am Ende hat’s gereicht." Ayes klettert mit diesem Arbeitssieg weiter in der Tabelle, während Pettirossi sich fragen muss, warum 53 Prozent Ballbesitz so wenig Ertrag bringen können. Vielleicht, weil Fußball kein Schönheitswettbewerb ist - und weil Alexander Wiltshire an diesem Abend einfach der Schönste im Strafraum war. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Ein Tor, tausend Nerven - aber drei Punkte. Ich nehm’s." 27.07.643990 02:55 |
Sprücheklopfer
Das ist Wahnsinn! Da gibt's Spieler im Team, die laufen noch weniger als ich!
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