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Ein warmer Abend, 60.060 Zuschauer im vibrierenden Stadion von Bull Bay, und am Ende ein Spiel, das wohl selbst den Jamaikanischen Wetterdienst überrascht hätte - so wechselhaft war es. Bull Bay und Spanish Town trennten sich am 8. Spieltag der 1. Liga Jamaica mit einem spektakulären 3:3, das alles bot: frühe Tore, späte Tore, Karten, Verletzungen und ein Trainerduell, das in seiner Gestik fast so spannend war wie das Spiel selbst. Schon die ersten Minuten ließen erahnen, dass hier keiner zum Tee trinken gekommen war. Spanish Town startete mit einer Offensive, die man eher in einem Pokalfinale erwartet hätte. Nach neun Minuten war es dann soweit: Linksverteidiger Sebastien Leachman - offenbar mit einem kurzen Urlaub im gegnerischen Strafraum - traf mit einem wuchtigen Schuss zur frühen Führung. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er später zu und grinste, "aber der Ball hatte andere Pläne." Bull Bay brauchte nur elf Minuten, um zu antworten. In der 20. Minute traf Joao del Rio nach schöner Vorarbeit von Marcio Nani zum 1:1. Der junge Brasilianer, gerade einmal 22, zeigte eine Kaltschnäuzigkeit, die man sonst nur von erfahrenen Stürmern kennt. Und weil er gerade so schön in Fahrt war, legte er in der 39. Minute gleich noch einen nach - wieder mit Nani als Lieferant der Vorlage. Trainer Sports Mann rief ihm nach dem Treffer zu: "Joao, bleib heiß, aber bitte nicht verbrennen!" Doch Spanish Town wäre nicht Spanish Town, wenn sie sich so einfach geschlagen gäben. Kurz vor der Pause, in Minute 44, schlug der 34-jährige Philippe Benoi zurück. Nach einem präzisen Zuspiel von Lewis Stanton stellte er auf 2:2 - ein Treffer, der nicht nur die Gästefans zum Tanzen brachte, sondern auch Trainer Ioannis Exis in eine mindestens zehnsekündige Jubelpose versetzte, bei der die Sonnenbrille fast vom Kopf fiel. Nach der Pause beruhigte sich das Spiel nur scheinbar. Spanish Town hatte mit 52 Prozent Ballbesitz und stolzen 15 Torschüssen klar mehr vom Spiel, brachte aber lange keinen Treffer zustande. Und als wäre das nicht genug, dezimierten sie sich selbst: Rechtsverteidiger Henri Fairchild sah erst Gelb (19.) und dann Gelb-Rot (82.) - ein Doppelschlag, der ihn zum unfreiwilligen Zuschauer machte. "Ich schwöre, ich hab ihn kaum berührt", verteidigte sich Fairchild nach dem Spiel, während sein Trainer mit der Hand an der Stirn verzweifelt gen Rasen starrte. Es war, als würde das Spiel auf das große Drama warten - und das kam in der 89. Minute. Wieder Philippe Benoi, diesmal nach Pass von George Deschanel, traf zum 3:2 für Spanish Town. Die Bank der Gäste explodierte. Die 60000 Heimfans dagegen verstummten - bis auf einen, der laut rief: "Jetzt erst recht, Bull Bay!" Und tatsächlich: In der sechsten Minute der Nachspielzeit kam der Wahnsinn zurück. Nach einem Freistoßgewusel landete der Ball vor den Füßen von Jannik Hoppe. Der Mittelfeldmann nahm Maß und versenkte zum 3:3. Der Jubel war ohrenbetäubend. Hoppe rannte zum ausgewechselten Joao del Rio, umarmte ihn und schrie: "Das ist für dich, Bruder!" Trainer Sports Mann konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen: "Ich hab schon gedacht, wir brauchen heute eine Wunderlampe. Am Ende war’s Jannik." Statistisch gesehen war Spanish Town das aktivere Team - mehr Torschüsse, etwas mehr Ballbesitz, aber auch mehr Chaos. Bull Bay dagegen zeigte Effizienz und Herzblut, besonders in den letzten Minuten, als sie mit Pressing und purem Willen noch den Punkt retteten. Nach dem Abpfiff standen beide Trainer nebeneinander, klatschten sich ab und lachten. Exis meinte: "So ein Spiel kann man nicht planen - man kann es nur überleben." Sports Mann konterte trocken: "Oder man schreibt danach einen Bestseller." Ein 3:3, das sich anfühlte wie ein 5-Gänge-Menü mit Chili-Dessert: alles drin, nichts vorhersehbar, und am Ende bleibt ein leichtes Brennen im Herzen. Bleibt die Frage: War das nun ein Punktgewinn oder ein Punktverlust? Wahrscheinlich beides - und genau deswegen lieben wir diesen Sport. 10.04.643987 01:45 |
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